Bruno Sidler (Beinwil / Freiamt) regte mit dem Konzept der Organisation Windpark Lindenberg zu lebhaft vorgetragenen Wortmeldungen an. Projekt-Nachahmung wird empfohlen. ©Bild: T. Rütti

Für Markus Geissmann, Bereichsleiter Wind beim BFE, ist klar, dass projektrelevante Punkte auf Ebene Kanton und Gemeinde debattiert werden müssen. Stets mit Blick auf die Energiestrategie 2050 des Bundes. ©Bild: T. Rütti

Suisse-Eole-Projektleiter Benjamin Szemkus wertet die in den Gruppenarbeiten skizzierten Vorschläge aus. Die eine oder andere Idee lässt sich vielleicht umsetzen. ©Bild: T. Rütti

Laut Projektleiter Simon Inauen (New Energy Scout GmbH) gibt es keine Patentlösung. Gefragt sind projektspezifische Ansätze. Denn es ist alles zu komplex, um über einen Leisten geschlagen zu werden. ©Bild: T. Rütti

Windenergieprojekte als Chance für die Gemeinde erkennen und Unsicherheiten gegenüber Windenergieprojekten abbauen. Rund 30 Interessierte wollten sich auf den neuesten Stand bringen lassen. ©Bild: T. Rütti

Reto Rigassi, Suisse-Eole-Geschäftsführer, führte durchs nachmittägliche Windenergie-Seminar an der Fachhochschule Olten. Er plädierte für den vollen Einbezug der mitbestimmenden Bevölkerung. ©Bild: T. Rütti .

Suisse Eole: Die Windenergie im Gemeindebann

(©TR) Die Windenergie-Infoveranstaltung von Suisse Eole peilte bezüglich Wissenstransfer ehrgeizige Seminarziele an: Windenergieprojekte als Chance für die Gemeinde erkennen lernen, Unsicherheiten gegenüber Windenergieprojekten abbauen sowie Sicherheit im Umgang mit verschiedensten Anspruchsgruppen gewinnen. Rund 30 Interessierte wollten sich von Experten auf den neuesten Stand bringen lassen.

 
Assistiert von Projektleiter Benjamin Szemkus führte Suisse-Eole-Geschäftsführer Reto Rigassi durch den nachmittäglichen Workshop an der Fachhochschule Olten. Der rechtzeitige Einbezug aller – Bevölkerung, Ämter, Interessengruppen, Unternehmen usw. – sowie das Gewähren von Mitsprache in jedes Windenergieprojekt ist ihm ein zentrales Anliegen. Was darunter zu verstehen ist, erlebten auch die Seminarteilnehmenden – hauptsächlich Vertreter von Behörden und Gemeinden. Sie sollten den Weiterbildungskurs nicht als stumme Zuhörer und Ja-Sager erfahren. Vielmehr durften sie sich laufend einbringen. Speziell bei den Gruppenarbeiten waren ihre Meinungen und Anregungen sehr gefragt.

Standortbestimmung der eigenen Gemeinde vornehmen
Effektiv sollte das Erfahrungsaustausch- und Informationsseminar von Suisse Eole den Gemeindebehörden und Interessierten eine möglichst breite Antwortpalette auf ihre Fragen bieten. Im Fokus standen denn auch die Erkenntnisse von bereits involvierten Gemeindevertretern. Vertieft wurden die Themen gemeinsam mit den Experten. Vertreterinnen und Vertreter anderer Gemeinden konnten so ihre persönliche eigene Standortbestimmung vornehmen. Gewiss werden sie die Themen in ihren Gemeinden künftig noch etwas sachkundiger anpacken als bislang und auch ihre Kolleginnen und Kollegen à jour halten: Wissenstransfer auf die direkte Art.


Vorerst auf Ebene Kanton und Gemeinde debattieren
«Nach dieser Runde besteht kein Zweifel mehr: Der politische Wille zur Energiewende ist da. Im Zusammenhang mit Windenergieprojekten sind die Gemeinden ein ganz wichtiger Teil der Lösungen. Gerade in der deutschen Schweiz sind viele Gemeinden mit Fragen rund um die Windenergie konfrontiert», so der Suisse-Eole-Geschäftsführer. An Fragezeichen mangelt es laut Reto Rigassi nicht, zum Beispiel: «Welchen Nutzen hat eine Gemeinde vom eigenen Windenergie-Standort? Soll sie sich überhaupt finanziell engagieren? Welche Möglichkeiten bieten sich ihr? Wie sehen die Beteiligungsmöglichkeiten aus? Wie und zu welchem Zeitpunkt sind weitere Partner und die lokale Bevölkerung in ein Windenergieprojekt einzubeziehen? Welches sind die diesbezüglich bisher gemachten Erfahrungen?»

Noch sind Erfahrungswerte Mangelware
Gerade auf diese letzte Frage gibt es noch kaum verlässliche Antworten, weil Erfahrungswerte Mangelware sind, wie Markus Geissmann in seiner kurzen Grussbotschaft konstatierte. Für den Bereichsleiter Wind beim Bundesamt für Energie ist klar, «dass alle projektrelevanten Punkte – etwa Risikoabschätzung, Verträglichkeit, Entschädigungen, Beiträge – vorerst auf Ebene Kanton und Gemeinde debattiert werden müssen». Wichtig für Markus Geissmann: Bei allen Aktivitäten darf die Energiestrategie 2050 des Bundes nie aus den Augen verloren werden.

Goodwill schaffen mit offener Kommunikation
Zwischen Hitzkirch (LU) und Beinwil (AG) ist die Entwicklung eines Windparks momentan ein oder sogar das grosses Thema. Man ist hier mehrheitlich zum Schluss gelangt, dass sich das Lindenberg-Gelände, auch Horben genannt, nicht bloss als Ausflugsziel oder wegen der Gastronomie und der Alpwirtschaft sowie als Freizeitparadies anbietet, sondern auch als Standort für einen prächtigen Windpark. Die entsprechende Planung ist bereits weit fortgeschritten und Windmessungen auf einer Höhe von 90 Metern sind im Gange. Begleitet werden die Prozesse von einer Projektgruppe, der auch der Beinwiler Vizeamman angehört: Bruno Sidler regte mit dem Konzept der Organisation Windpark Lindenberg zu engagiert vorgetragenen Wortmeldungen an und erntete Applaus. Was zwischen Hitzkirch und Beinwil funktioniert, müsste sich anderswo gleichermassen realisieren lassen, lautete der Tenor.

Der volle Einbezug der Bevölkerung
Bruno Sidler fasste die Erfordernisse zusammen: «Eine erfolgreiche Gesamtrevision des Richtplans, eine Zusammenarbeit mit Investoren und Standortgemeinden, die beiden Seiten Vorteile oder zumindest keine Nachteile beschert, desgleichen bei der Zusammenarbeit mit den verschiedensten Interessengruppen – Jagd, Wald, Landwirtschaft, Verkehr, Natur- und Umweltschutz, Tourismus, Flugverkehr, Vogelschutz etc. Und last but not least: Der volle und offene Einbezug der Bevölkerung, die sich sodann dank offener Kommunikation hinter und nicht etwa gegen das Projekt stellt.» Kann womöglich eine professionell organisierte Öffentlichkeitsarbeit Wunder bewirken?

Von der
Planung bis zur Inbetriebnahme und Optimierung
Wie kann man sich an einem Windprojekt beteiligen? Wie sehen mögliche Entschädigungsregelungen aus und wie lassen sich die angrenzenden Gemeinden beteiligen und involvieren? Zu diesem Bündel an Fragen gab der Projektleiter von New Energy Scout GmbH breitwillig Auskunft. Eine Patentlösung gibt es offenbar nicht, vielmehr sind lauter individuelle Ansätze und Ideen gefragt, erfordert doch jedes einzelne Windenergievorhaben eine projektspezifischen Beurteilung und Beratung. Laut Simon Inauen übernimmt das Winterthurer Unternehmen sämtliche Beratungs- und Ingenieurdienstleistungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Windenergieprojekten, sowohl für Grosswindanlagen als auch für Kleinwindkraft.

Trägerschaft und Organisation

Am 31. Oktober findet in St. Gallen ein ähnlich gelagerter Workshop für kantonale Entscheidungsträger statt. Die Organisatorin der Seminare von Olten und St. Gallen, Suisse Eole – Vereinigung zur Förderung der Windenergie, ist offiziell vom Bundesamt für Energie (Programm EnergieSchweiz) mandatiert. Ihre Aufgaben sind die Information über Windenergie, die Verbesserung der Rahmenbedingungen sowie die Qualitätssicherung von Windenergieprojekten. Suisse Eole vernetzt, berät und unterstützt Windenergieakteure und Gemeinden. Seminarpartner war Kommunale Infrastruktur. Fachorganisation des Schweizerischen Städteverbandes und des Schweizerischen Gemeindeverbandes. Sie setzt sich politisch und fachlich für ein nachhaltiges Management der kommunalen Infrastrukturen ein.

Weitere Informationen >>

©Text: Toni Rütti, Redaktor ee-news.ch

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