16. Nov 2012

ie Schweizerische Energie-Stiftung SES setzt sich dafür ein, dass der Super-GAU in Fukushima nicht vergessen geht. Bild: SES

Fukushima: Ehemaliger Botschafter Japans in der Schweiz warnt vor Reaktor 4

(SES) Mitsuhei Murata, ehemaliger japanischer Botschafter in der Schweiz und langjähriger, engagierter Atomkritiker, warnt das japanische Volk, die Parlamentarier, sowie die Regierungen auf ganzen Welt vor den Gefahren des Abklingbeckens beim Reaktor 4.


In der Zeitschrift «Gendai Business» beschreibt er die folgende Problematik: Das Abklingbecken, worin 1535 Brennstäbe in Wasser lagern, ist durch Beben und Wasserstoffexplosion stark beschädigt. Zudem hat sich der Boden darunter ungleichmässig um bis zu 60 Zentimeter gesenkt. TEPCO möchte erst Ende 2013 damit beginnen, die Brennstäbe herauszunehmen und an einem sicheren Ort zu lagern. Trotz provisorischer Verstärkung des Gebäudes könnte ein stärkeres Beben das Becken beschädigen oder gar abstürzen lassen (es steht auf Stelzen). Dann würden die radioaktiven Stoffe in die Umgebung austreten, niemand könnte sich mehr dem ganzen Reaktorkomplex nähern, und eine weitere Kernschmelze könnte die Folge sein. In anderen Reaktorgebäuden von Fukushima-Daiichi sind weitere 14‘225 Brennstäbe gelagert. Diese enthalten zusammen die 85fache Menge an Cäsium 137 als jene in Tschernobyl. Dieses ultimative Katastrophenszenario hätte eine weltweite Kontamination zur Folge, schreibt Murata.

Hinweise von Arnie Gundersen
Er berichtet auch über wichtige Hinweise, die Arnie Gundersen, ein bekannter Nuklearexperte aus den USA, an einem Vortrag Ende August in Japan gegeben hat. Demnach beginnen die Brennstäbe im Abklingbecken zu brennen, sobald kein Wasser mehr vorhanden ist. Versucht man das Feuer mit Wasser zu löschen, explodieren die Brennstäbe. Um diese Gefahr auszuschalten, wurden in den USA spezielle chemische Löschmittel entwickelt. Die Vertreter von TEPCO dagegen sind der Meinung, dass das Abklingbecken niemals abstürzen könne und auch kein brennbares Material vorhanden sei. Weder TEPCO noch das japanische Amt wollen von dem Löschmittel aus USA etwas gewusst haben. Murata hat jedoch erfahren, dass die Regierung dieses Mittel bereits erhalten hat, jedoch TEPCO nicht darüber informiert hat und auch nicht an dessen Wirksamkeit glaubt.

Gundersen schlug auch vor, bereits jetzt zwei Drittel aus dem Abklingbecken zu entfernen, da diese schon genügend gekühlt seien. TEPCO scheint daran jedoch kein Interesse zu haben. Deshalb schlägt Mitsuhei Murata dem Premierminister Yoshihiko Noda die folgenden Massnahmen vor:

  1. Umsetzung des Atomausstiegs
  2. Der Staat übernimmt die gesamte Verantwortung für die Aufräumarbeiten am Unfallreaktor, auch um eine möglichst baldige Räumung des Abklingbeckens 4 zu gewährleisten.
  3. Um seine Nuklearprobleme zu lösen, benötigt Japan das weltweite Knowhow. Eine neutrale Bewertungskommission und eine internationale Arbeitsgemeinschaft für technische Zusammenarbeit sind rasch zu realisieren.
  4. Die Ereignisse in Fukushima haben gezeigt, dass nukleare Katastrophen für die Menschheit nicht akzeptierbar sind. Darüber soll weltweit informiert werden.


Die Schweizerische Energie-Stiftung SES setzt sich dafür ein, dass der Super-GAU in Fukushima nicht vergessen geht. Dank der japanischen Fachjournalistin Kaori Takigawa dürfen wir Ihnen Aktualitäten & Hintergründe aus Japan liefern.

Text: Kaori Takigawa, Quellen: Offener Brief von Mitsuhei Murata an Premierminister Yoshihiko Noda, Gendai Business

2 Kommentare
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Wir sind längst mitten im Atomkrieg @ 15. Mär 2016 15:37

Zuerst hatten wir 2062 Atombomben"Test"-Explosionen, dann wurden ca. 50000 Atombomben dazugebaut, die des Einsatzes harren. Jetzt haben wir noch rund 500 Atomwaffenkraftwerke mit jeweils ca. 5000 Brennstäben, wobei ein Brennstab ungefähr einer Hirsohima-Atombombe entspricht. Das heisst, zu den 50000 Atombomben gesellen sich noch etwa 3 Mmillionen in Zeitlupe laufende Atombomben (eben die Atomwaffekraftwerke) dazu, von denen eins nach dem anderen hochgeht! Leute, der Atomkrieg läuft schon längst!

GS @ 16. Nov 2012 16:10

Und das alles nur, weil die Gier des Menschen grösser ist, als sein Wille zu überleben.

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