Marius Fischer, Projektingenieur bei BE Netz: „Die Anlage wird eine grosse Ausstrahlung haben und wir freuen uns, dass wir dank unserem Wissen bauen durften.“

Für jedes PV-Feld wurde über den Wechselrichter den optimalen Arbeitspunkt im Jahres- und Tagesverlauf evaluiert. 60 Wechselrichter erlauben es, den bestmöglichen Energieertrag zu erzielen. Bild: BE Netz

Umweltarena: Grösste dachintegrierte PV-Anlage der Schweiz

(©AN) Heute feiert die Umweltarena in Spreitenbach Aufrichtung. Auf dem Kuppeldach entsteht mit einer Leistung von 740 kW die grösste dachintegrierte PV-Anlage der Schweiz. Marius Fischer, Projektingenieur bei BE Netz: „Wir sind eine von drei namhaften Schweizer Firmen, die hier unser Know-how im Bereich Photovoltaik weitergeben können.“


BE Netz, der Solarenergiespezialist aus Ebikon bei Luzern, zeichnet sich für Planung und Realisierung der Photovoltaikanlage verantwortlich. Wir haben uns mit Marius Fischer, stellvertretender Geschäftsleiter und Projektingenieur, über das Projekt unterhalten.

Herr Fischer, was bedeutet dieses Projekt für BE Netz?
Das Ziel der Umweltarena ist, das Wissen über erneuerbaren Energien und Energieeffizienz an die Besucher weiterzugeben. Diese Philosophie des Know-how-Transfers findet aber schon während dem Bau der Photovoltaikanlage durch das JugendSolar-Projekt statt: Seit Baubeginn im vergangenen Sommer werden acht Camps durchgeführt, die je eine Wochen dauern. An diesen nimmt jeweils eine Gruppe von Lehrlingen der Axpo teil. Durchgeführt werden sie vom Jugendsolar-Projekt, und wir geben den Jugendlichen unser Wissen weiter. Am ersten Tag gibt es jeweils eine allgemeine Einführung, danach unterstützen sie uns bei den Arbeiten auf dem Dach und sammeln Erfahrungen. Aber auch nach Fertigstellung des Baus wird BE Netz als Aussteller ihr Wissen an die Besucher weitergeben.

 

Verstehe ich richtig, dass die Jugendlichen also unterstützend am Bau der Photovoltaik-Anlage mitmachen?
Genau, aber das betrifft nur einen kleinen Teil des eigentlichen Baus der Anlage. Das Dach sieht ja ähnlich aus wie ein Panzer einer Schildkröte und besteht aus 33 Feldern. Das Gebäude und das Dach entstehen Schritt für Schritt, und wir montieren die Anlage immer auf jene Teile des Dachs, die fertiggestellt werden. Insgesamt erstreckt sich der Bau der Anlage über rund ein halbes Jahr, Baubeginn war im Juni. Auf www.umweltarena.ch kann man übrigens den Bau live mitverfolgen.

Wie viele Ihrer Mitarbeiter sind auf der Baustelle in Spreitenbach?
Seit Baubeginn haben wir permanent drei Mitarbeiter in Spreitenbach, die mit dem Bau der Anlage beschäftigt sind. Würde die Anlage erst nach der Fertigstellung des Gebäudes montiert, würde die Montage der Anlage natürlichin einem engerem Zeitintervall erfolgen.

Inwieweit ist die Anlage ein Leuchtturmprojekt?
Was wir da auf der Umweltarena realisieren, basiert auf erprobter Technologie, das ist eigentlich nichts Neues. Neu ist aber, dass die Anlage die ganze Kuppe des Dachs überspannt, also auch die Nord- und Westseite und somit während des Tages Strom produziert. Dies ist eine Entwicklung, die sich aufgrund der stetig sinkenden Modulpreise schnell durchsetzt. Mit günstigeren Modulpreisen wird auch eine Fassadenintegration immer lukrativer und die Photovoltaik wird zum standardisierten Bestandteil der Architektur und Fassadenbau.. Ein Leuchtturmprojekt ist die Umweltarena auch, weil hier das technische Know-how und die Architektur sich zu Einem vereinen.

Gibt es ähnliche Anlagen wie die der Umweltarena?
Die Umweltarena ist in ihrer Art sicher einmalig. ein ähnliches Beispiel ist mir nicht bekannt. Wichtiger als die Form der Anlage ist, dass der Strom während des ganzen Tages produziert und somit nicht nur der Mittagspeak abgedeckt wird.

Die Anlage verfügt über 33 Photovoltaikfelder, deren Strom über 60 Wechselrichter ins Netz eingespiesen wird. Ergeben sich daraus nicht höhere Verluste?
Mit unseren Berechnungen haben wir für jedes PV-Feld über den Wechselrichter den optimalen Arbeitspunkt evaluiert, und das im Jahres- und Tagesverlauf. Die 60 Wechselrichter erlauben uns, die Anlage energetisch optimal zu betreiben und den bestmöglichen Energieertrag zu erzielen. Oder anders rum gesagt: Sicher resultieren über die vielen Wechselrichter auch Verluste, aber hätten wir nur einen Zentralwechselrichter, wären die Verluste noch grösser.

Und die Module, wird da eine Spezialanfertigung verbaut?
Ja, das war nötig, weil die Module Stromlieferant und Dachhaut in einem sind. Da die einzelnen Flächen jeweils ein Dreieck bilden, das wiederum an einer Kante mit dem nächsten Feld zusammenläuft, werden gegen die 1000 Sondermodule der Firma 3S eingesetzt. Die Firma 3S Photovoltaics aus Lyss hat langjährige Erfahrung mit der Modulherstellung nach Mass wie auch mit Standardmodule.

Braucht das PV-Dach einen besonderen Unterhalt?
Die Module sind nicht gerahmt, so dass bei Regen die Verunreinigungen weggespült werden. Natürlich könnte die Anlage gewaschen werden, das wird aber nur gemacht, wenn die von der Fernüberwachung erhobenen Erträge aufgrund von Staubemissionen und anderen Verunreinigungen sinken würden. Randlose Module weisen aber bei Regen einen hohen Selbstreinigungsgrad auf. A propos Erträge: Die Stromproduktion wird neben der Fernüberwachung auch direkt im Gebäude visualisiert und kann jederzeit verfolgt werden

Gab es besondere technische Herausforderungen?
Die gab es schon, so zum Beispiel den Schneefang. Wir haben zwischen den Modulen Hacken gesetzt, die den Schnee vom Abrutschen hindern. Oder die Koordination von 1000 Sondermodulen und rund 4500 Standardmodellen. Die meisten Herausforderungen waren aber nicht direkt mit der Photovoltaik-Anlage verbunden: Zum Beispiel der Schutz der Anlage vor Vandalismus oder die Sicherstellung der Dachsicherheit bei der Montage. Die Anlage wird eine grosse Ausstrahlung haben und wir freuen uns, dass wir dank unserem Wissen bauen durften.

Fakten und Zahlen der Photovoltaik-Anlage

Gesamtleistung

750 kWp

Energieertrag im Jahr

540‘000 kWh/ entspricht 120 Haushalten

Ø spezifischer Jahresertrag

720 kWh/kWp/Jahr

gesamte Modulfläche

5‘300 m2

Anzahle Modulfelder

33 Stk.

Fläche Modulfelder

60 m2 bis 382 m2

Neigung

6° bis 62°

Südabweichung

12° (Süd) bis 178° (Nord)

Wechselrichter

Sputnik Engineering, Schweiz

 

60 Stk. SolarMax S-Serie und MT Serie

Solar-Module

MegaSlate (Silizium monokristallin)

 

3S Swiss Solar System AG, Schweiz


©Interview: Anita Niederhäusern, leitende Redaktorin ee-news.ch

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