14. Sep 2011

Pro Kilometer Autobahn wollen die Initiatoren 6200 Kilowatt Leistung installieren. Bilder: Servipier AG

Die erste Anlage möchten die Initiatoren im Wallis bauen, ein Pilotstrecke über einen Kilometer. Prominente Unterstützung erhalten sie dabei von CVP-Parteipräsident Christoph Darbellay, der Feuer und Flamme ist für die Idee. Bilder: Servipier AG

Photovoltaik: Schweizer Autobahnen mit Modulen eindecken?

(©AN) Die Sonntagspresse hat’s vor 10 Tagen laut verkündet: Ein Konsortium von drei Unternehmen plant, 750 der total 2200 Schweizer-Autobahn-Kilometer mit Solarmodulen zu überdachen und damit der Energiewende Vorschub zu leisten. Welche Probleme müssen die Projektinitianten noch lösen? Ein Gespräch mit den Beteiligten.


Pro Kilometer Autobahn wollen die Initiatoren 6200 Kilowatt Leistung installieren: „Auf den rund fünf Grand geneigten Überdachungen werden wir jährlich pro Kilometer 7.5 Millionen Kilowattstunden produzieren“, erklärt Laurent Jospin, Geschäftsführer des Unternehmens Servipier AG, gegenüber ee-enews.ch. Das Unternehmen rechnet mit einer Breite von 46 Meter. Pro Kilowatt sollen dank der guten Hinterlüftung jährlich durchschnittlich 1200 kWh produziert werden. Die Initiatoren hätten das Projekt lieber noch etwas geheim gehalten, denn es wurde erst am 3. September der Astra unterbreitet. „Wir sorgen uns, dass uns Deutschland zum Beispiel die Idee ‚stehlen‘ könnte und so die ersten Anlagen nicht in der Schweiz gebaut werden. Aber nun wurde in der Presse darüber berichtet und wir wählen eine Vorwärtsstrategie.“ Bereits habe einer ihr deutscher Partner Anfragen eines Planungsbüros betreffend des Projekts erhalten, fügt Laurent Jospin hinzu.

Prominente Unterstützung von der CVP

Die erste Anlage möchten die Initiatoren im Wallis bauen, ein Pilotstrecke über einen Kilometer. Prominente Unterstützung erhalten sie dabei von CVP-Parteipräsident Christoph Darbellay, der Feuer und Flamme ist für die Idee. Bereits in 18 Monaten möchte das Konsortium mit dem Bau beginnen, ein sehr sportliches Ziel. CHF 20 Mio. sollte ein Kilometer ursprünglich kosten: „Nach den ersten Gesprächen mit der Astra müssen wir diese Zahl wohl etwas nach oben korrigieren.“, erklärt Laurent Jospin. „Wir müssen unser Projekt in zwei Bereichen nachbessern: Die Astra möchte genauere Daten betreffend des Lärmschutzes und der Regenwasserableitung. Diese beiden Aspekte haben wir noch nicht in unser Projekt einbezogen. Erste Gespräche mit einem Akustiker haben gezeigt, dass wir auf einem guten Weg sind.“ Das Investitionsvolumen für die 750 Kilometer Autobahn belaufen sich laut den Initiatoren auf CHF 15 Milliarde, dabei wurden Kostensenkungen bei den Modulen und höhere Effizienz bereits eingerechnet.

Bau ohne Beeinträchtigung des Verkehrs
Gemäss Laurent Jospin sei die von der Astra geforderte Aufprallsicherheit und die Stabilität bei Feuer gegeben: „Unsere Ingenieure haben bereits Lösungen für beide Anforderungen entwickelt. Die Astra hat uns signalisiert, dass sie uns in Fragen der Einhaltung der Normen mit ihrem Know-how unterstützen wird.“ Für den Bau ohne Beeinträchtigung des Verkehrs sieht er zwei Möglichkeiten. In der ersten Phase würden die Posten der Tragstruktur gesetzt, dabei würde der Verkehr nicht beeinträchtigt. In der zweiten Phase könnte entweder mit einem Netz unter der Überdachung gearbeitet werden oder aber, indem die Überdachung während einer nächtlichen Sperrung von ca. zwei Nächten erstellt würde, was eine Verkehrsumleitung zur Folge hätte. Auf die Frage, ob die Module nicht besser auf Dächern verbaut würden antwortet Laurent Jospin: „Verglichen mit kleineren Aufdachlösungen sind wir günstiger. Aber das ist nur bei kleinen Anlagen so, wenn es sich um Aufdachanlagen über 500 m2 handelt, sind wir entweder auf dem gleichen Preisniveau oder ein wenig teurer. Gemäss unseren Berechnungen sind wir aber auf jeden Fall billiger und auch viel mehr effizient als Indachlösungen.“

Komplizierte Ausgangslage

Was passiert mit dem Lärm, wenn die Autobahn überdacht wird, wie sehen die Lichtverhältnisse darunter aus, wie der Unterhalt der Solaranlagen, diese und weitere Fragen tauchen auf, wenn man sich Gedanken über das Projekt macht. Die Initianten haben das Projekt in einer einstündigen Präsentation der Astra vorgestellt. Thomas Rohrbach, Pressesprecher der Astra: „Grundsätzlich finden wir den Gedanken der Stromerzeugung auf Autobahnen gut. Doch es gibt verschiedene Aspekte, die sicher gestellt werden müssen: So zum Beispiel die Standhaftigkeit bei einem Unfall mit einem Lastwagen oder bei einem Brand. In der Schweiz brennt fast täglich ein Lastwagen auf der Autobahn. Würde das unter einer solchen Solarstromüberdachung passieren, müsste diese einem solchen Brand auch Stand halten“, führt der Fachmann für Strassen aus. „Die Frage mit dem Schall ist von den Initianten auch noch nicht geklärt worden, denn der verbreitet sich bei einer Überdachung anders als ohne. Und je nachdem, wie die Einhausung, wie wir sie in der Fachsprache nennen, gebaut wird, müsste auch noch eine Lüftung vorgesehen sein.“

Autobahnen unterliegen Nationalstrassenrecht

Zudem unterliegen die Autobahnen dem Nationalstrassenrecht. Gemäss der Astra nehmen praktisch alle Autobahnbauprojekte den Gang bis vors Bundesgericht. „Mit einer Planungszeit von bis zu sieben Jahren muss also gerechnet werden.“, weiss Thomas Rohrbach aus Erfahrung. Würde eine solche Anlage gebaut, müssten die Bauherren zudem zu 100 Prozent sicher stellen, dass der Verkehr in der Bauphase nicht beeinträchtig wird. Das Astra macht sich auch noch andere Gedanken: Die Anlagen müssten so gebaut werden, dass sie auch bei einer Erweiterung, Verbreiterung oder bei anderen Projekten, so zum Beispiel bei der Einrichtung einer Road-Pricing-Anlage diese nicht behinderten. „Wegen dem Sicherheitsaspekt beim Bau könnte ich mir vorstellen, dass ein solches Projekt jedoch im Rahmen einer Gesamtsanierung, wie zum Beispiel die Sanierung der Berner Stadttangente einfacher zu realisieren wäre“, überlegt Thomas Rohrbach.

Hauptsache Potenzial
e nutzen
15 Prozent der Autobahnstrecken bestehen aus Tunnel, dazu kommt all paar Kilometer eine Auf- und Ausfahrt. Die geraden Strecken, die für eine Einhausung ideal wären, sind eher die Ausnahme. Rechnet man mit 30 Meter Strassenbreite, gibt es pro Kilometer nicht 6200 Kilowatt Leistung sondern nur deren 3750 Kilowatt. Geht man von einem durchschnittlichen Ertrag von 950 kWh pro Kilowatt installierter Leistung und Jahr, ergibt sich daraus einen Ertrag pro Kilometer von 3‘5 Mio. Kilowattstunden. Die von Servipier vorgesehene Konstruktion soll aber auf jeden Fall 46 Meter breit: „Und wird produzieren garantiert durchschnittlich 1200 Kilowattstunden pro Jahr“, fügt Laurent Jospin. Übrigens: Bereits vor rund 20 Jahren hatte plante der Solarpionier Markus Real die Autobahnneustrecken mit Solarpanels zu überdecken.

©Text: Anita Niederhäusern, leitende Redaktorin ee-news.ch, Bilder: Servipier AG

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