Heizungspumpen fressen zu viel Strom

Hocheffiziente Heizungspumpen fürs Einfamilien- und kleine Mehrfamilienhaus brauchen 80% weniger Strom als herkömmliche Pumpen. Das senkt die Stromkosten um einige hundert Franken.

Die Heizungspumpe im Keller sorgt dafür, dass aufgeheiztes Wasser im Leitungssystem des Hauses zirkuliert. Radiatoren werden in der Heizperiode erwärmt und wenn immer gewünscht fliesst Warmwasser aus den Hahnen.

So viel Strom, wie 100'000 Haushalte pro Jahr benötigen

2,6 Millionen solcher Pumpen verrichten ihren Dienst in der ganzen Schweiz. Alleine in Einfamilienhäusern und Mehrfamilienhäusern mit bis zu 3 Wohnungen sind es 1,5 Millionen Stück. Für ihre Arbeit verbrauchen sie pro Jahr rund 400 Millionen Kilowattstunden (kWh) Strom – zwanzig mal mehr als alle Solarstromanlagen in der Schweiz produzieren oder etwa so viel, wie 100'000 typische Schweizer Haushalte pro Jahr benötigen.

Leistung dreimal zu hoch

Eine Studie der Schweizerischen Agentur für Energieeffizienz (S.A.F.E.) im Auftrag des Bundesamtes für Energie zeigt, dass Heizungspumpen unnötig viel Strom verbrauchen. S.A.F.E.-Experte und Studienautor Jürg Nipkow weiss warum: „Meist verfügen die Pumpen über elektrische Leistungen, die im Durchschnitt dreimal zu hoch sind. Oft sind sie auch standardmässig auf der höchsten Betriebsstufe eingestellt, obwohl das gar nicht notwendig ist.“ Diese Pumpen laufen auch dann, wenn es sie gar nicht braucht. Alleine durch die Umstellung auf die niedrigste Betriebsstufe kann der Stromverbrauch um bis zu 50% reduziert werden (vgl. Tipps).

Hocheffizienzpumpen brauchen rund 80% weniger Strom

Noch viel mehr Strom einsparen lässt sich mit sogenannten Hocheffizienzpumpen, wie sie die unabhängige Online-Gerätesuchhilfe www.topten.ch empfiehlt. Sie brauchen gegenüber herkömmlichen Heizungspumpen älterer Generation rund 80% weniger Strom. Das Geheimnis ihrer hohen Effizienz liegt im Permanentmagnetmotor mit Drehzahlregelung. Sie arbeiten nur, wenn sie wirklich gebraucht werden. S.A.F.E.-Experte Nipkow rät: „Der Einsatz dieser Pumpen lohnt sich dann, wenn die Heizungspumpe ersetzt oder die Heizung erneuert werden muss.“ Allein in Einfamilien- und kleinen Mehrfamilienhäusern können dadurch in der Schweiz 300 Millionen kWh oder rund 60 Millionen Franken Stromkosten eingespart werden. Noch eindrücklicher ist der Blick in die EU: Der flächendeckende Einsatz der Hocheffizienzpumpen macht zehn Atomkraftwerke à la Mühleberg oder Stromkosten von rund 2 Milliarden Franken überflüssig.

5 bis 22 Watt statt 25 bis 64 Watt

Wie die Jungfrau zum Kind ist Hansruedi Spycher aus Belp zu einer Hocheffizienzpumpe gekommen. Zwei Wochen nachdem in seinem Einfamilienhaus die Ölheizung ersetzt und die neue Heizungspumpe eingebaut war, erreichte ihn ein Anruf der Pumpenherstellerin Biral. Ob er beim Feldtest für eine neue Hocheffizienzpumpe im Einfamilienhausbereich mitmachen wolle, lautete die Frage. Spycher schlug sofort ein. Nun steht er im Keller, mit der zwei Wochen alten Heizungspumpe in der Hand. Darauf ist die elektrische Leistung mit 25 bis 64 Watt angegeben. Bei der neuen Hocheffizienzpumpe liest er auf dem Typenschild 5 bis 22 Watt ab. Im Moment arbeitet sie mit einer Leistung von 9 Watt. Im Betrieb merkt Hansruedi Spycher keinen Unterschied. Die Pumpe funktioniere einwandfrei. "Ich habe das Gefühl, das Raumklima sei sogar eher besser geworden." Der Grund dafür könnte sein, dass sich die neue Pumpe automatisch dem Wärmebedarf anpasst und nicht unnötig Warmwasser umwälzt.

150 statt 660 Franken pro Jahr

Spychers zwei Wochen alte Pumpe hätte pro Jahr rund 220 kWh Strom verbraucht. Jetzt werden es nur noch etwa 50 kWh sein. Eine enorme Einsparung, vor allem über die gesamte Lebensdauer von 15 Jahren gerechnet. Sie Stromkosten sinken von 660 Franken auf rund 150 Franken. "Das weiss doch niemand", sagt Spycher. Für Hausbesitzer sei eben nur eine verlässliche Heizung mit funktionierender Warmwassersorgung ein Thema, nicht aber der Stromverbrauch der Heizungspumpe. "Mir jedenfalls wäre es nie in den Sinn gekommen, nach dem Stromverbrauch der Pumpe zu fragen", erklärt er. Heute würde er es tun, sagt Spycher überzeugt. So wie er das bei anderen elektrischen Geräten auch macht.

Pumpentipps

  • Energy-Label A: Ist die Heizungspumpe defekt oder muss die Heizung ersetzt werden, verlangen Sie vom Installateur eine Pumpe mit dem Energy-A-Label und der optimalen Dimensionierung..
  • Dimensionierung: Sie muss der Leistungsgarantie Haustechnik entsprechen (vgl. www.topten.ch, Infoplus). Hier finden Sie auch eine Anleitung zur Anwendung der Promille-Regel. So können Sie herausfinden, ob die Heizungspumpe überdimensioniert ist.
  • Heizungsregler: Die Heizungspumpe muss abschalten, wenn keine Wärme benötigt wird. In der Regel ist das mit der Betriebsart "Tag normal, Nacht aus" gewährleistet. Am Ende der Heizperiode stellen Sie auf die Betriebsart "Sommer" oder "Aus" um (ohne Warmwasserbereitung) gewählt werden. Damit vermeiden Sie unnötigen Heizbetrieb an kühlen Sommermorgen.
  • Leistungsaufnahme: Die maximale Leistungsaufnahme der Heizungspumpe finden Sie am Typenschild der Pumpe. Bei A-Pumpen entspricht die massgebende Leistungsaufnahme rund 50% des Maximalwerts.
  • Pumpen-Check: Auf www.co2online.at können Sie checken, ob Ihre Heizungspumpe richtig dimensioniert ist. Dabei müssen Sie einen kleinen Trick anwenden: Geben Sie bei der Postleitzahl eine österreichische ein.


Kurzinterview mit Michael Kaufmann, Vizedirektor Bundesamt für Energie und Programmleiter EnergieSchweiz

Was tut der Bund, um hocheffiziente Heizungspumpen zu fördern?

Michael Kaufmann: Der Bund betreibt insbesondere Informationsarbeit: Erarbeiten und zur Verfügung stellen der Leistungsgarantien für den Heizungsersatz (Vertrieb der Leistungsgarantien über den Partner MINERGIE) und der Dimensionierungshilfe für Umwälzpumpen (siehe www.energie-schweiz.ch). Zusätztlich unterstützt der Bund die Homepage www.topten.ch (mit einer Auswahl der besten Heizungspumpen) und die Agentur S.A.F.E.sowie Forschungsprojekte zu hocheffizienten Motoren.

Ist ein obligatorisches Energielabel  – ähnlich wie bei grossen Haushaltgeräten – ein Thema?

Aus unserer Sicht differenziert das Europump-Label - ähnlich der Energieetikette - zu wenig. Obwohl die Agentur S.A.F.E. mit finanzieller Unterstützung durch EnergieSchweiz daran mitgearbeitet hatte, war offenbar das Gewicht der Industrie stärker. Falls aber die EU das Label vorschreibt, würden wir nachziehen.

Sind Zulassungsvorschriften (maximaler Stromverbrauch) ähnlich wie Kühlgeräten oder Lampen vorgesehen?

Im ersten grossen Paket von Zulassungsvorschriften, die im Rahmen der Aktionspläne umgesetzt werden sollen, sind Umwälzpumpen nicht enthalten. Für einen nachfolgenden Schritt wollen wir dies aber nicht ausschliessen. Auch in der EU laufen Studien, die solche Massnahmen vorschlagen könnten.

Was raten Sie einem Hausbesitzer, der eine stromfressende Heizungspumpe im Keller hat?

  • Prüfen, ob sie gut dimensioniert ist (siehe Dimensionierungshilfe 'Umwälzpumpen')
  • Falls nötig und möglich: Pumpe auf tiefere Betriebsstufe umstelle
  • Überprüfen der Steuerung, damit die Pumpe nur läuft, wenn es notwendig ist
  • Wenn die Pumpe alt, viel zu gross und nicht einstellbar ist: Pumpe ersetzen


Heizungspumpen mit Energy-Label A (Auswahl)

Biral EMB
Grundfos
Modell
AX 12 ECO Star 25/1-3 
Alpha2 25-40
Katalogpreis 
681
827 689
Stromkosten (1)
192 195
192
Stromkosten-Einsparung (2)
888
832 
858
kWh/Jahr3 
64
65
64

1 Fr. in 15 Jahren

2 gegenüber Standardpumpe (Fr. in 15 Jahren)

3 Stromverbrauch pro Jahr,

Quelle: www.topten.ch, Weitere Modelle auf www.topten.ch


© Text: Armin Braunwalder, Braunwalder Energie-Kommunikation, www.energieeffizienz.ch, erschienen in Neue Ideen 5/2008

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2 Kommentare

Konsument

Die Berechnung oben hat einen Fehler: Die Pumpen wurden mit dem Bruttopreis eingesetzt, jeder normale Installateur gibt Rabatt auf die Pumpe. Nicht berücksichtigt sind die Auswechselung.

Michael Neumann

Ich habe meine Hocheffizienzpumpe auf www.dfurrer.ch
für weniger als 200 Fr. gekauft. Gemäss obiger Rechnung ist meine Pumpe somit in ca. 3 Jahren amortisiert. Bei oben genannten Preisen dauert das ja 10 Jahre! Ob diese Pumpen so alt werden?

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