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Kommentar: Solarstromanlagen auf Lawinenverbauungen Drucken E-Mail
Montag, den 12. Juli 2010 um 07:18 Uhr
Kommentar_12.7.10(AN) Allein auf den am besten geeigneten Dach- und Fassadenflächen der Schweizer Gebäude liesse sich rund 30% des heutigen Strombedarfs mit Solarzellen decken. Nun möchte die energiebüro ® ag in der Gemeinde St. Antönien Solarstromanlagen auf Lawinenverbauungen installieren (siehe ee-news.ch vom 21. Mai >>). Die Presse hat die Idee schweizweit aufgenommen und gelobt.

Natürlich begrüsse ich jedes Kilowatt neu installiere Solarstromleistung. Trotzdem einige kritische Überlegungen zu Anlagen auf Lawinenverbauungen:
  • Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Wieso auf Berge klettern, wenn Dächer nur eine Leiterlänge entfernt sind? Wie oben erwähnt, könnten wir mit Solarstrom von den nach Süden gerichteten Dächern 30% unseres Stromverbrauchs decken, unkompliziert und schnell realisierbar.
  • Lawinenverbauungen befinden sich in der Regel weit weg von den Stromkonsumenten. Warum sollten wir ausgerechnet dort Strom produzieren, wo wir ihn nicht brauchen?
  • Gäbe es in der Gemeinde St. Antönien nicht genügend Süddächer, die genau so gut genutzt werden könnten?
  • Ich versuche mir vorzustellen, wie die Verkabelung zwischen den einzelnen Lawinenverbauungen gewährleistet wird, und die Leitung zum nächsten Netzanschluss. Könnte es sein, dass diese Kosten den Mehrertrag von 30% nicht rechtfertigen?
  • Lawinenverbauungen stehen in der Regel in steilem, steinigem Gelände. Gehe ich richtig in der Annahme, dass in solchem Gelände auch Steinschlag vorkommen kann? Und wie steht es mit der Schneelast im Winter?
  • Hersteller von Solarstrommodulen geben in der Regel bis 20 Jahre Garantie auf ihre Produkte. Würden sie dies auch für alpines Gelände tun? Und welcher Versicherer wäre bereit, die Solarstromanlagen zu versichern?

Die Idee der Solarstromproduktion auf Lawinenverbauungen ist nicht neu: Schon vor ein paar Jahren machte sich die Edisun Power AG ähnliche Gedanken. Im Visier hatte der Solarstromproduzent Lawinenverbauungen in der Region Andermatt. Gebaut wurde die Anlage indes nie. Die Detailplanung erwies sich als zeitintensiv, zu viele Partner waren involviert, die Schneelast stellte sich als erheblich heraus, etc...

Das Solarstrompotenzial ist riesig, nutzen wir es, aber nutzen wir doch zuerst einmal die einfach realisierbaren Potenziale, bevor wir die Exoten ins Auge fassen. Ganz nach dem Motto: Warum kompliziert, wenn‘s auch einfach geht!

Text: Anita Niederhäusern, Chefredaktorin ee-news.ch
 

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