02. Jul 2013

Die Testanlage von Light Energy Systems generiert Strom über einem Parkplatz im Liechtensteinischen Balzers. Bild: Klimastiftung Schweiz

Light Energy Systems: Solarzellen, die bei Regen verschwinden

(PM) Solarzellen sollen künftig nicht nur auf Hausdächern, sondern auch über Parkplätzen, Lagerflächen oder Einfahrten Strom produzieren. Die Liechtensteiner Firma Light Energy Systems hat mit finanzieller Unterstützung der Klimastiftung Schweiz eine Anlage gebaut, die sich bei schönem Wetter über einem Parkplatz entfaltet und mit mehreren hundert Quadratmetern Solarzellen Energie sammelt. Bei Regen, Schnee und Sturm ziehen sich die Zellen automatisch in eine «Garage» aus Beton zurück.


Wenn die Sonne scheint, bewegt sich etwas auf dem neuen Parkplatz im Quartier Neugrüt im Liechtensteinischen Balzers. Auf fünf Metern Höhe entfaltet sich ein Dach aus Solarzellen, die UrbanPlant-Anlage. In zwei Bahnen mit 22.5 Metern Länge und vier Metern Breite liegen dann Solarzellen auf Seilen über dem Parkplatz. Sie produzieren Strom für die Firma Bruba AG, die den Parkplatz besitzt. Im fest gebauten Beton-Hauptteil der Anlage registrieren Wind-, Regen-, Feuchtigkeits- und Lichtsensoren, wenn sich das Wetter verschlechtert. Dann werden die Sonnenkollektoren automatisch wieder zusammengeklappt und im Hauptteil kompakt verstaut, so dass sie keinen Schaden nehmen.

Weltpremiere mit Unterstützung aus der Wirtschaft
Die Anlage in Balzers wird heute Freitag, 28. Juni 2013, eröffnet. Die Entwicklung und der Bau der Demonstrationsanlage haben über eine halbe Million Franken gekostet. An diesen Kosten hat sich mit mehr als 100'000 Franken die Klimastiftung Schweiz beteiligt. Sie unterstützt kleine und mittlere Unternehmen aus der Schweiz und aus Liechtenstein, die selbst Energie einsparen oder wie die Light Energy Systems mit neuen Erfindungen einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Die Klimastiftung Schweiz ist ein Gemeinschaftsprojekt von 24 renommierten Dienstleistungsunternehmen wie Banken und Versicherungen.

Der Beitrag an die Liechtensteiner Innovation wurde möglich, da die LIFE Klimastiftung Liechtenstein und die Klimastiftung Schweiz im Mai 2012 eine Zusammenarbeit eine Zusammenarbeit eingegangen sind. So spenden einerseits die drei grossen Liechtensteiner Banken LGT, Liechtensteinische Landesbank und VP Bank als Partner Geld an die Stiftung. Andererseits erhalten Liechtensteiner KMU wie die Light Energy Systems in Balzers finanzielle Beiträge an ihre Projekte. «Ziel dieser Förderung ist, gleichzeitig das Klima zu schützen und KMU in der Schweiz und in Liechtenstein zu stärken», erklärt Ursula Finsterwald, Stiftungsrätin der Klimastiftung Schweiz und Sustainability Managerin bei der LGT.

Nach dem Vorbild der Mohnblume
Die intelligenten Solarzellen tragen den Namen UrbanPlant, übersetzt «städtische Pflanze». Tatsächlich haben die Erfinder das Prinzip der Natur abgeschaut. «Wir vergleichen unser System gerne mit einer Mohnblume. Auch sie faltet ihre zarten Blätter bei Regen, Hagel oder Sturm zusammen und schützt sie. Scheint die Sonne, so faltet sie ihre Blätter wieder aus», sagt Arthur Büchel, Geschäftsführer der Light-Energy Systems.

Die Kosten der Anlage und ihres Betriebs sollen in den nächsten Jahren auf ein marktwirtschaftliches Niveau sinken. Wenn sich die Anlage auf dem Markt etabliert, eröffnet sich ein neues, enormes Potenzial für die Photovoltaik. Neben Hausdächern werden auch weitere Flächen nutzbar. Und zwar solche, die - wie etwa beim Parkplatz - bereits bebaut sind. «Insbesondere in Städten kann die Kraft der Sonne noch viel besser genutzt werden», sagt Arthur Büchel. Wenn in der Schweiz über allen nutzbaren Parkplätzen solche Photovoltaik-Anlagen gebaut würden, dann könnten 450'000 Haushalte davon Strom beziehen. «Wird auch nur ein kleiner Bruchteil dieses Potenzials genutzt, so bedeutet dies einen grossen Nutzen für den Klimaschutz», sagt Ursula Finsterwald und ergänzt: «Gleichzeitig kann sich eine junge Liechtensteiner Fima mit der Entwicklung von Photovoltaik-Lösungen etablieren.»

Leichte Zellen mit weniger Glas und Aluminium
An der Entwicklung der intelligenten Solaranlagen sind auch die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Winterthur und die École Polytechnique Fédéral (EPF) in Lausanne beteiligt. Der Bund fördert die Zusammenarbeit des Unternehmens mit den beiden Hochschulen. Die Solarzellen von Light Energy Systems erbringen die gleiche Leistung wie moderne Solarzellen auf einem Hausdach. Sie sind aber deutlich leichter gebaut. Denn im Gegensatz zu fest installierten Solarzellen, die dem Wetter immer ausgesetzt sind, müssen die einklappbaren Solarzellen nicht in kiloweise schützendes Glas und Aluminium eingepackt werden.

Die Anlage in Balzers liefert bereits Strom, dient aber gleichzeitig als Testanlage, bei der Arthur Büchel und sein Team die Funktionen des intelligenten Solarkraftwerks überprüfen und verbessern. In wenigen Wochen soll die Fläche des Solarzellendachs über dem Parkplatz in Balzers verdoppelt werden und bei schönem Wetter den gesamten Platz überspannen. Für die Autofahrer entsteht dadurch ein angenehmer Nebeneffekt: Ihr Auto steht im Schatten und heizt sich nicht so stark auf. Bereits haben sich interessierte Kunden bei Light Energy Systems gemeldet, die ihre Parkplätze ebenfalls mit den Leichtbau-Sonnenkollektoren ausstatten möchten. «Wenn die Demonstrationsanlage gut läuft, bauen wir schon im Herbst in Süddeutschland die nächste Anlage», sagt Arthur Büchel.

Video einer Modellanlage und weitere Informationen >>

Text: Klimastiftung Schweiz

1 Kommentare
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Thomas Keel @ 07. Jul 2013 21:18

Gute Idee, mit einem solchen System kann man nicht nur Parkplätze eindecken sondern auch Flüsse, wo man sonst weder zum Bauen noch zum Warten/Reparieren gut hin kommt.

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