01. Jul 2015

Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Initiative, ist der Schönauer Strombell 2015. Bild: Elektrizitätswerke Schönau

Schönauer setzen Zeichen gegen europäische Atomrenaissance: Jochen Stay zum Schönauer Stromrebellen 2015 gekürt

(PM) Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Organisation, wurde auf dem Schönauer Stromseminar als „Stromrebell 2015“ gefeiert. Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker und Sebastian Sladek forderten die EU-Kommission auf, die Bewilligung von Atomsubventionen für den Bau des britischen Atomkraftwerks Hinkley Point C zurückzuziehen und wissen dabei über 170‘000 Bürgerinnen und Bürger hinter sich.


Rund 400 Menschen besuchten am vergangenen Wochenende das Stromseminar des „Fördervereins umweltfreundliche Stromerzeugung und Stromverteilung Schönau“ (F.u.S.S. e.V.), das dieses Jahr unter dem Motto „Zeitenwende und Atomrenaissance!“ stand und mit hochkarätigen Gästen und einem abwechslungsreichen Programm ein ebenso interessiertes wie engagiertes Publikum fand.

Verantwortung tragen
Im Anschluss an die Genossenschaftsversammlung begrüssten die nun ehemaligen Vorstandsmitglieder Ursula und Dr. Michael Sladek die angereisten Gäste mit einer bewegenden und ermutigenden Ansprache zur Zukunft der Bürgerenergiewende: „Alles, was wir heute hier tun, wie wir handeln, wie wir uns verhalten, hat Auswirkungen – im Guten wie im Schlechten, auch auf die armen Länder“, gab Ursula Sladek zu bedenken. „Dieser Verantwortung sollten wir uns gerade angesichts des Klimawandels bewusst sein.“ Dr. Michael Sladek betonte: „Das bürgerschaftliche Engagement ist die Grundvoraussetzung für das Gelingen der Energiewende.“

Sprachrohr der Bewegung
Danach stand am traditionellen Gutedelabend die feierliche Ehrung des „Schönauer Stromrebellen 2015“ an. Er ging dieses Jahr an Jochen Stay, den langjährigen Sprecher der Anti-Atom-Initiative .ausgestrahlt. „Er ist Sprachrohr der Bewegung, Stratege, Ideengeber, plant, initiiert und gibt unzähligen Menschen den Mut und die Motivation, für ihre Überzeugung einzutreten“, so Ursula Sladek. „Dies allein wären schon mehr als genug Gründe, Jochen Stay den Preis des Stromrebellen zu verleihen. Doch was uns vor allem anderen Respekt einflösst, ist sein unermüdlicher Einsatz und seine Hartnäckigkeit – und zwar auch dann, wenn es mühsam wird.“


In seiner Dankesrede sprach Jochen Stay von seinem „Schönauer Gefühl“: „Die EWS hat uns allen gezeigt, dass Protest nötig und sinnvoll ist. Dass wir dann aber gemeinsam auch Alternativen aufbauen müssen. Dass man sich dabei grosse Ziele setzen und den Mut haben muss, an die Verwirklichung zu glauben und dafür zu arbeiten.”

Den Ehrenpreis „Stromrebell des Jahres“ verleihen die Schönauer Energie-Initiativen gemeinsam mit der Stadt Schönau an Menschen, die mit persönlichem Engagement Visionen umsetzen, Widerstände überwinden und sich mit ganzem Herzen für die Umwelt und eine nachhaltige Wirtschaftsweise einsetzen. Unter den bisherigen Preisträgern befinden sich unter anderem der Klimaforscher Prof. Dr. Hartmut Grassl, Alfred Ritter (Ritter Sport), Thomas Jorberg (GLS Gemeinschaftsbank Bochum eG) und Luise Neumann-Cosel (BürgerEnergie Berlin). Mit der Verleihung ist auch ein Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Schönau verbunden.

Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker elektrisierte
Am Samstagmorgen elektrisierte Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, Co-Vorsitzender des Club of Rome, die rund 400 TeilnehmerInnen mit einer ebenso scharfsinnigen wie kenntnisreichen Analyse der globalen umwelt- und energiepolitischen Perspektive. „Wir müssen wissen, wo es genug ist. Dass wir mit dramatisch weniger Energie auskommen können, ist in vielen Bereichen nachgewiesen“, so von Weizsäcker. „Wir müssen zeigen, dass es geht. Und hierzu brauchen wir das Schönauer Gefühl, die Kraft, die aus dem Bewusstsein kommt, an etwas Sinnvollem mitzuarbeiten.“ Thomas Jorberg, Vorstand der GLS-Bank und Aufsichtsratsvorsitzender der Netzkauf EWS eG, fokussierte in seinem Vortrag die gesellschaftlichen Veränderungsprozesse am Beispiel der Bankenlandschaft. Auch er forderte ein Umdenken: „Es ist viel zu viel Geld vorhanden. Von zu vielem haben wir viel zu viel", erklärte Jorberg. „Ich bin davon überzeugt, dass die Frage des Stiftens und Schenkens zu einer gesellschaftlichen Notwendigkeit wird.“

Europäische Atomrenaissance
Das grosse Panel am Samstagnachmittag mit Jochen Stay, Reinhard Uhrig, (Campaigner der Umweltinitiative GLOBAL 2000), Fabian Zuber (Geschäftsführer von Bündnis Bürgerenergie e.V.) und Sebastian Sladek (Vorstand der Netzkauf EWS eG) war der deutschen Energiepolitik und dem bürgerschaftlichen Widerstand gegen eine europäische Atomrenaissance gewidmet: Auf der Bühne türmten sich rund 70 prall gefüllte Postsäcke mit über 170‘000 Beschwerden, die im Rahmen der EWS-Kampagne „Kein Geld für Atom – stoppt Brüssel!“ mit Unterstützung von über 30 nationalen wie europäischen Umweltverbänden und Institutionen gesammelt wurden. Die Beschwerden richten sich gegen die Beihilfebewilligung der EU-Kommission für skandalöse Atomsubventionen der britischen Regierung für den Neubau des Atomkraftwerks Hinkley Point C.

Die Übergabe der Beschwerden soll die Klageeinreichung der österreichischen Regierung politisch flankieren und wird Mitte Juli im Rahmen einer öffentlichkeitswirksamen Aktion übergeben werden. Bis dahin kann man sich über die Kampagnenseite www.ews-schoenau.de/kampagne beteiligen.

Messerscharfe Pointen
In der einer wahrlich legendären Schönauer Stromnacht am Samstagabend begeisterte Jess Jochimsen mit messerscharfen Pointen, skurrilen Geschichten und poetischen Bildern sein Publikum. Zum Abschied von Ursula und Dr. Michael Sladek aus dem Vorstand der Netzkauf EWS eG hat sich der Kabarettist Georg Schramm selbst eingeladen, wie er in seiner Rolle als Lothar Dombrowski gleich zu Beginn klarstellte. Schramm schlug einen atemberaubenden Bogen von den Machenschaften der Atomwirtschaft über das Syndikat des billigen Geldes bis zum Verrat von europäischen Grundwerten in der Griechenlandkrise, um mit einem persönlichen Dank an Ursula und Dr. Michael Sladek für ihre Beharrlichkeit im Kampf gegen scheinbar übermächtige Strukturen zu enden. „Mir haben diese beiden sehr viel gegeben. Und in Zeiten, wo ich dachte, ich rede immer nur, wusste ich, es gibt Leute, die machen was. Das hat mir und vielen anderen sehr viel bedeutet.“

Den Sonntag eröffnete Christine von Weizsäcker, Präsidentin von Ecoropa, in der Bergkirche zu Schönau mit einem inspirierenden Impulsvortrag zu Citizen Science, Bürgerbeteiligung und Mitgestaltung bei der Energiewende. Themen, die bei der abschliessenden offenen Diskussion mit Seminarteilnehmerinnen und –teilnehmer sowie Referentinnen und Referenten viel Widerhall fanden.

Text: Elektrizitätswerke Schönau (Netzkauf EWS eG)

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