04. Sep 2014

Die Climeworks AG (Zürich) und die deutsche Audi AG kommen der Vision einer grossflächigen CO2-neutralen Mobilität einen grossen Schritt näher. Links: Dr. Hagen Seifert, rechts: Christoph Gebald. ©Bild; T. Rütti

Climeworks und Audi: «Erneuerbare» CO2 als Rohstoff – eine Weltneuheit

(©TR) Die beiden Kooperationspartner Climeworks AG (Zürich) und die deutsche AUDI AG (Ingolstadt) präsentierten im Berner Kursaal und am Rande des Swiss Energy & Climate Summit eine Neuheit, die den Kraftstoffbereich revolutionieren soll. 2015 soll das weltweit erste Industriemodul eines CO2-Kollektors in eine Produktionsanlage für synthetischen Fahrzeug-Treibstoff integriert und in Betrieb genommen werden.

Das ETH-Spin-off Climeworks aus Zürich entwickelte so genannte CO2-Kollektoren. Diese filtern mit geringem Energieaufwand reines CO2 aus der Luft. Dieses «erneuerbare» CO2 ist offenbar ein idealer Rohstoff für viele industrielle Anwendungen, unter anderem für Fahrzeugtreibstoffe wie Diesel, Benzin oder Methan. Der «Klimakiller» CO2 wird dadurch zum zentralen Baustein für klimafreundlichen Treibstoffe der Zukunft. Den Nutzen der CO2-Kollektoren hat Audi erkannt: Im niedersächsischen Werlte soll 2015 das weltweit erste Industriemodul eines CO2-Kollektors in eine Anlage zur Produktion von synthetischem Treibstoff integriert und in Betrieb genommen werden.

S
ynthetische Treibstoffe sollen fossile ersetzen
«CO2 ist ein wertvoller Rohstoff», hiess es gegenüber den Medienschaffenden, die zum Swiss Energy & Climate Summit nach Bern gekommen waren. Audi kooperiert seit längerem mit Unternehmen, die synthetische Treibstoffe entwickeln und damit fossile Treibstoffe ersetzen wollen. Während sich die Treibstoffe im Tank befinden, ist das Treibhausgas CO2 der Atmosphäre entzogen. Beim Verbrennen gelangt es wieder in die Atmosphäre. Dank der neuen Climeworks-Technologie wird der Kreislauf nun aber effektiv und effizient geschlossen. Und er kann erneut beginnen. Der CO2-Gehalt der Atmosphäre wird dabei nicht erhöht.

Weltneuheit: Ersten industrieller CO2-Kollektor
Laut Christoph Gebald «wurde mit dem CO2-Kollektor eine technische Lösung entwickelt, durch welche die Abscheidung von CO2 aus normaler Umgebungsluft wirtschaftlich zu werden verspricht, jedenfalls in absehbarer Zeit». Wie es hiess, funktioniert die Technologie standortunabhängig und ist weltweit einsetzbar. «In diesem globalen Szenario kann jeder seinen Lebens- und Mobilitätsstil aufrechterhalten, fossile Ressourcen werden geschont und bestehende Infrastrukturen können weiterhin genutzt werden – ohne das Klima zu belasten», so der Climeworks-Direktor.

Wi
chtigster Baustein bei der Synthetische-Treibstoffe-Strategie
Diese Idee verbindet Audi mit Climeworks. Laut Dr. Hagen Seifert betrachtet die Audi AG die Climeworks-Technologie «als den wahrscheinlich wichtigsten Baustein im Rahmen seiner Synthetische-Treibstoffe-Strategie mit einem geschlossenen CO2-Kreislauf». Im Zuge der nun ausgeweiteten Entwicklungskooperation unterstütze Audi die Weiterentwicklung des Climeworks-CO2-Kollektors bis hin zur Gross-Serien-Reife, und zwar mit signifikanten Investitionen und seinem industriellen Know-how. Diese Kernkompetenz von Audi soll die Kosten weiter senken bis sie wettbewerbskonforme CO2-Gestehungskosten erreichen. Langfristig ist mit CHF 120 pro Tonne CO2 zu rechnen.

«Audi A3 g-tron» fährt mit klimaneutral produziertem e-gas
Ziel ist, 2015 die Integration einer industriell gefertigten Climeworks-Anlage in eine bestehende Produktionsstätte für synthetische Treibstoffe. «Bei entsprechender politischer Anerkennung könnte dies für den Klimaschutz im Zusammenhang mit der Mobilität eine neue Chance bedeuten, die in nahezu allen Regionen der Welt umsetzbar ist», gaben Christoph Gebald und Dr. Hagen Seifert gemeinsam zu Protokoll. Der «Audi A3 g-tron», den Audi am SwissECS in Bern präsentierte, ist das erste Fahrzeug dieser Marke, das bereits mit klimaneutral produziertem E-Gas gefahren werden kann.

©Text: Toni Rütti, Redaktor ee-news.ch

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