11. Aug 2017

Im Rahmen der Dachsanierung wurden auf jedem der sechs Häuser eine Photovoltaikanlage gebaut, die trom für die jeweiligen Bewohnerinnen und Häuser liefern. 25.1 resp. 21 kW beträgt die installierte Leistung pro Gebäude. Bild: Weiss+Appetito

Die hellen Flächen der Thermografieaufnahmen zeigen eindrücklich den Wärmeverlust über schlecht gedämmte Bauteile, sprich Betondeckenstirnen, Rollladenkästen, Heizleitungen und Radiatorennischen. Bild: Weiss+Appetito

Die Storen wurden ausgebaut, um die Wärmebrücken der Rolladenkästen zu beheben. Bild: Weiss+Appetito

Die erste der drei Gebäudezeilen, deren Dach mit zwei Photovoltaikanlagen veredelt wurden. Hier ist die Fassade bereits verputzt (Stand Mitte Juli). Bild: A. Niederhäusern

Gebäudesanierungen: Photovoltaik setzt sich im Mehrfamilienhaus durch

(©AN) Drei Sanierungsvarianten hat Daniel Freiburghaus der Wohnbaugenossenschaft Neuhaus für die sechs Mehrfamilienhäuser an der Sägemattstrasse in Köniz vorgeschlagen. Diese hat die umfassendste ausgewählt, so dass die Häuser nach der Sanierung dank neuer Wärmedämmung und Photovoltaik rund dreimal weniger Heizenergie benötigen und erst noch je 135‘000 kWh Strom produzieren.

„Die Sanierungsarbeiten haben anfangs des Jahres 2017 begonnen und werden diesen Herbst noch abgeschlossen“, erklärt Daniel Freiburghaus von der Weiss+Appetito AG, Energie+Renovationen. „Wir packen die Häuser in 14 cm Wärmedämmung ein, ersetzen die Fenster in den Treppenhäusern, sanieren die Dächer und bestücken die Süddächer mit Photovoltaikanlagen.“ Dadurch werden nicht nur die Nebenkosten in den Häusern sinken, sondern diese verbrauchen fortan auch den Strom vom eigenen Dach. Die Sanierung basiert auf der Analyse eines GEAK Plus mit Beratungsbericht, den die Wohnbaugenossenschaft Neuhaus – eine Wohnbaugenossenschaft im Südwestens Berns mit insgesamt 450 Wohneinheiten in zehn unterschiedlichen Siedlungen – der Weiss+Appetito 2016 in Auftrag gegeben hat.

Grosszügige Wohnungen und solides Bauwerk
Die sechs Mehrfamilienhäuser an der Sägemattstrasse 50 – 64 im bernischen Köniz wurden 1958 erstellt. Sie umfassen pro Gebäude je drei 4 und drei 4½- Zimmer Wohnungen. Die Grundrisse sind grosszügig und jede Wohnung verfügt über ein Estrichabteil. Im Keller gibt es neben der Waschküche einen grossen Velokeller. „Die Häuser sind sehr solide gebaut“, stellt Daniel Freiburghaus fest.

Und die Wohnbaugenossenschaft Neuhaus hat sie in Schuss gehalten: 1999 wurden die Küchen, Bäder und WC, zwischen 2006 und 2008 die Fenster in den Wohnungen ersetzt. Ebenfalls 2008 wurden die Estrichböden gedämmt. Unter anderem die Feuchtigkeitsprobleme in den Wohnungen entlang der Nordfassade, die auf die schlechte Gebäudehülle zurückzuführen sind, und der hohe Gasverbrauch haben die Wohnbaugenossenschaft Neuhaus dazu bewogen, bei der Weiss+Appetito ein Sanierungskonzept einzuholen. Die Wohnbaugenossenschaft Neuhaus legte dabei Wert darauf, dass der günstige Wohnraum erhalten bleibt.

Neubaustandard Gebäudehülle!
Die von der Wohnbaugenossenschaft Neuhaus gewählte, umfangreichste Variante aus dem GEAK Plus mit Beratungsbericht enthielt ein Investitionsvolumen von insgesamt 2.4 Mio Franken. Neben den oben erwähnten Massnahmen wird in allen Gebäuden auch die Kellerdecke wärmegedämmt. „Jeweils zwei Häuser sind zusammengebaut, wobei der vordere Hausteil etwas tiefer gelegen ist, als der hintere“, erklärt Daniel Freiburghaus. Darum werden in den vorderen Estrichen auch die Innenwände gegen das Nachbargebäude gedämmt. Dahinter befindet sich jeweils die oberste Wohnung des hinteren Gebäudes.

„Die Wohnbaugenossenschaft  Neuhaus hat bei der Fenstersanierung vor bald 10 Jahren glücklicherweise Fenster ausgewählt, die es uns jetzt erlauben, die Fensterleibungen so zu dämmen, dass Wärmebrücken möglichst vermieden werden können“, erklärt Martin Ellwanger, Bauführer des Projekts Sägemattstrasse von der Weiss+Appetito. „Die Dämmstärke beträgt überall 14 cm“, erklärt der Fachmann. „Im Balkonbereich haben wir eine halb so dicke Variante verbaut, die ebenso gut dämmt, damit denn Bewohnenden hier nur ein Minimum an Platz verloren geht.“ Das Resultat lässt sich sehen: Erreichten die Gebäude vor der Sanierung im Bereich „Effizienz Gebäudehülle“ die schlechteste GEAK-Klasse G, wurden sie nun in die zweitbeste Klasse B eingestuft. Das entspricht dem heutigen Neubaustandard! Im Rahmen der Sanierung wurden auch die Brüstungen der Balkone erhöht, so dass sie den neusten Sicherheitsstandards entsprechen. Ebenfalls ersetz wurden alle Storen. In den Zimmern durch elektrische Lösungen, im Wohnbereich werden diese noch von Hand bedient.

Chronologie der wichtigsten energetischen Sanierungsarbeiten
Sägemattstrasse 50  - 64, Köniz bei Bern

 

Arbeiten

1999

Gesamtsanierung Küchen, Bäder, WC

2006-2008

Fensterersatz in den Wohnungen

2008

Dämmung Estrichboden

2010

Ersatz Ölheizung durch Gasheizung

2017

  • Dämmung Aussenhülle
  • Dämmung Kellerdecke
  • Ersatz Fenster in Treppenhäusern, Estrich und Keller Strassenseite
  • Sanierung Dach
  • Einbau von Photovoltaikanlagen auf Südseite
  • Einbau Boiler zum elektrischen Vorwärmen von Brauchwasser
  • Batteriespeicher für Photovoltaikstrom

 

Power to Heat und Batteriespeicher
Im Rahmen der Dachsanierung wurden auf jedem der sechs Häuser eine Photovoltaikanlage gebaut, die trom für die jeweiligen Bewohnerinnen und Häuser liefern. 25.1 resp. 21 kW beträgt die installierte Leistung pro Gebäude. „Jährlich rechnen wir mit gut 135‘000 Kilowattstunden welche die sechs Anlagen gesamthaft produzieren“, erklärt Daniel Freiburghaus. Da die BKW als Energielieferant der Häuser den produzierten Strom nur teilweise abnehmen kann und für die nur sehr tiefe Abnahmepreise vorsieht, suchten die beteiligten Fachleute nach Alternativen. Geplant ist nun, den Strom direkt an die Bewohner zu verkaufen. Im Gebäude mit der zentralen Heizung, wurde ein 500-Liter-Boiler eingebaut, der das Brauchwasser auf bis zu 60 Grad vorwärmt. Damit wird der Solarstrom, der nicht direkt im Haus gebraucht wird, verwertet. „Zudem planen wir in einem Mehrfamilienhaus auch einen Batteriespeicher einzubauen, um damit Erfahrungen zu sammeln.“ Erreichten die Mehrfamilienhäuser bei der GEAK-Bewertung im Bereich „Effizienz Gesamt“ vor der Sanierung noch die Klasse D, stiegen sie nun in die beste Klasse A auf.

Leider wird es erst ab 2018 möglich sein, den Strom von allen drei Dächern zentral zu verwenden, zum Beispiel für’s Brauchwasser. Dann würden auch zusätzliche Wärmespeicher in der Heizzentrale Sinn machen. Platz dafür gäbe es genug. „Würde heute die Sanierung einschliesslich der 2010 ersetzten Ölheizung geplant, “ überlegt Daniel Freiburghaus, „hätten wir die Möglichkeit einer Wärmepumpenlösung sicher auch in Betracht gezogen. Denn mit den sechs Solardächern wird nun ein Teil der benötigten Heizenergie direkt vor Ort produziert!“

Rasante Technologieentwicklung ermöglicht immer wieder neue Lösungen
War die Heizungssanierung mit einer Gaslösung also ein Fehler? Nein, sie ist eher ein Ausdruck der rasanten Entwicklung im Energiebereich: Der Preis  für Solarstromanlagen ist in diesen sieben Jahren um ca. 70 % gesunken. Eine ähnliche Lernkurve ist in den letzten drei Jahren bei den Batteriespeichern festzustellen. Diese beiden Entwicklungen kombiniert mit dem ab 2018 geltenden Energiegesetz mit der entsprechenden Verordnung, die neue Eigenverbrauchslösungen ermöglicht und erlaubt, den Strom auch an Nachbargebäude abzugeben, werden in den nächsten Jahren ganz neue Lösungen für die Energieversorgung von Gebäuden ermöglichen.

©Text: Anita Niederhäusern, leitende Redaktorin ee-news.ch

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