11. Okt 2017

Das Zwischenfazit ist das Ergebnis der ersten Phase der dena-Leitstudie Integrierte Energiewende. Dafür haben die beteiligten Partner gemeinsam drei Szenarien definiert. ©Bild: dena

Energiewende: Technologieoffener Ansatz bietet am meisten Vorteile

(dena) Deutschland kann seine CO2-Emissionen bis im Jahr 2050 um bis zu 90 Prozent reduzieren, wenn heute bekannte Technologien in einem ambitionierten Transformationspfad optimal genutzt werden.


Dafür müssen die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen bereits in der neuen Legislaturperiode konsequent darauf ausgerichtet werden, dass Klimaschutztechnologien sich in einem marktwirtschaftlichen Wettbewerb beweisen können. Die im Klimaschutzplan 2050 für das Jahr 2030 ermittelten Sektorziele entsprechen noch nicht den optimal austarierten Markierungen. Das ist ein erstes Zwischenfazit aus der Leitstudie Integrierte Energiewende, die die Deutsche Energie-Agentur (dena) derzeit mit wissenschaftlichen Gutachtern und über 50 Unternehmen und Wirtschaftsverbänden aus allen für die Energiewende relevanten Branchen erarbeitet.

Alle Branchen und Sektoren an einen Tisch
„Energiewende ist machbar, wenn wir sie entschlossen, technologieoffen und im breiten Dialog angehen“, sagte der Vorsitzende der dena-Geschäftsführung, Andreas Kuhlmann, bei der Vorstellung des Zwischenfazits in Berlin. „Genau hier setzen wir mit unserer Studie an. Wir bringen alle Branchen und Sektoren an einen Tisch: Energieerzeugung und -verteilung, Gebäude, Industrie, Mobilität. Gemeinsam erarbeiten wir praxisnahe und zielorientierte Transformationspfade. Die Leitstudie der dena ist ein Angebot an die Politik, die auch aus Sicht von Unternehmen bestmöglichen Transformationspfade zu identifizieren und möglich zu machen. Bereits jetzt zeichnet sich deutlich ab, dass wir am besten fahren, wenn wir die richtigen Voraussetzungen für Wettbewerb und Innovationen schaffen. Szenarien, die auf einen Technologiemix setzen, zeigen sich in der dena-Leitstudie wirtschaftlicher und robuster als solche, die einseitig auf einen hohen Grad an Elektrifizierung setzen. Dabei brauchen wir langfristig planbare Anreize für Energieeffizienz und CO2-Vermeidung, die durch eine grundlegende Reform des bestehenden Systems an Steuern, Abgaben und Umlagen erreicht werden müssen. Die Politik hat es in der Hand, in den bevorstehenden Koalitionsverhandlungen die Weichen für einen solchen Kurs zu stellen.“

Drei Szenarien: Referenz, Elektrifizierung, Technologiemix
Die dena-Leitstudie arbeitet mit drei Szenarien: Das erste baut als Referenzszenario auf den aktuellen Rahmenbedingungen und Marktentwicklungen sowie den geltenden politischen Entscheidungen auf. Das Klimaschutzziel von 80 bis 95 Prozent weniger CO2-Emissionen im Jahr 2050 im Vergleich zu 1990 wird in diesem Szenario klar verfehlt: Bis 2050 können die CO2-Emissionen bestenfalls um 60 Prozent reduziert werden. Das zweite Szenario rechnet mit einer breiten Elektrifizierung in Industrie, Gebäuden und Verkehr und führt zu einer deutlichen Zunahme der Stromnachfrage. Hier können die CO2-Emissionen um bis zu 90 Prozent reduziert werden.

Das dritte Szenario lässt einen breiten Mix an Technologien zu. Im Vergleich zum Elektrifizierungsszenario führt dieses Technologiemixszenario zu einem höheren Anteil an gasförmigen und flüssigen Brenn- und Kraftstoffen, die mit Hilfe von erneuerbaren Energien synthetisch erzeugt und hauptsächlich importiert werden. Es ermöglicht ebenfalls eine Reduktion der CO2-Emissionen um 90 Prozent.

Technologiemix verringert Netzausbau
Zusätzlich bietet es mehrere Vorteile: Es nutzt bestehende und zukünftig notwendige Infrastrukturen besser aus und vereint die Vorteile verschiedener Infrastrukturen zu einem integrierten Energiesystem. Die Kosten für die Umstellung von Anlagen und Systemen auf klimafreundliche Energieträger sind niedriger, weil in den verschiedenen Anwendungsbereichen die jeweils wirtschaftlichsten Technologien zum Zug kommen können. Ein Technologiemix verringert zudem den Bedarf für den Ausbau des Stromnetzes, vor allem auf Verteilnetzebene. Schliesslich lässt sich die Versorgungssicherheit leichter gewährleisten, weil mehr speicherbare Energieträger vorhanden sind.

Hohe Grundvoraussetzungen
Einige Trends ziehen sich durch alle Szenarien der dena-Leitstudie: Der Ausbau der erneuerbaren Energien muss auf sehr hohem Niveau fortgesetzt und die Energieeffizienz in Haushalten, Industrie, Gewerbe und Verkehr deutlich gesteigert werden. Es bedarf eines erheblichen Ausbaus der Infrastruktur, insbesondere im Stromnetz. Die Anstrengungen in Forschung und Entwicklung müssen verstärkt werden, um Innovationen anzustossen und zügig in den Markt zu bringen. Dies gilt insbesondere für diejenigen industriellen Prozesse, für die nach heutigem Stand der Technik keine klimafreundliche Alternative existiert.

Deutschland wird in jedem Fall darauf angewiesen sein, sich eng mit anderen Ländern auszutauschen: sei es, um Schwankungen im Netz auszugleichen oder klimafreundliche Energieträger zu importieren; sei es, um die Entwicklung der notwendigen Energiewende-Technologien voranzutreiben oder internationale Vereinbarungen zur CO2-Vermeidung für energieintensive Branchen oder Anwendungsbereiche zu erzielen. Angesichts der grossen und vielschichtigen Veränderungen, die die Energiewende mit sich bringt, wird der Erfolg schliesslich massgeblich davon abhängen, dass die Gesellschaft von den Chancen und Vorteilen dauerhaft überzeugt ist.

Integrierte Energiewende als Leitbild
„Die Leitstudie hilft uns, die Dimensionen der Energiewende besser zu erfassen. Gleichzeitig sehen wir auch, wo wir ansetzen müssen, um aus ihr ein Erfolgsmodell zu machen“, sagte Andreas Kuhlmann. „Hilfreich ist dabei vor allem das Leitbild der integrierten Energiewende. Integrierte Energiewende heisst, die wachsende Zahl an Komponenten aus allen Sektoren aufeinander abzustimmen und die verschiedenen Infrastrukturen und Märkte zu einem intelligenten und nachhaltigen System zu verbinden. Jeder Sektor hat spezifische Anforderungen, Rahmenbedingungen, Infrastrukturen und Marktmechanismen. In der Leitstudie nehmen wir all diese Faktoren in den Blick. Wir verknüpfen Diskussionen, die bisher noch auf einzelne Branchen konzentriert sind, und suchen im Dialog mit den beteiligten Akteuren nach den effizientesten und effektivsten Lösungen.

Unser Zwischenfazit soll Impulse für die politische Debatte geben, insbesondere für die bevorstehenden Koalitionsverhandlungen und die Überarbeitung des Klimaschutzplans 2050. Wir bieten der Politik einen Einblick in die Sicht derer, die Energiewende und Klimaschutz in der Praxis umsetzen. Diese Sicht brauchen wir, wenn wir zu praktikablen, effizienten und breit akzeptierten Lösungen für eine integrierte Energiewende kommen wollen.“

dena-Leitstudie Integrierte Energiewende
Das Zwischenfazit ist das Ergebnis der ersten Phase der dena-Leitstudie Integrierte Energiewende. Dafür haben die beteiligten Partner gemeinsam drei Szenarien definiert, inklusive der übergeordneten Parameter wie Bevölkerungswachstum, Zinssätze, Technologieentwicklung und Energiepreise. Ausserdem wurden Entwicklungsmöglichkeiten der Sektoren Energieerzeugung und -verteilung, Gebäude, Industrie und Mobilität erarbeitet und gegenseitige Abhängigkeiten untersucht. In einer umfassenden Modellierung wurde analysiert, wie die klimapolitischen Ziele erreicht werden können.

In der zweiten Phase werden weitergehende Sensitivitäten modelliert und weitergehende Fragen bezüglich Plausibilität und Machbarkeit diskutiert. Dabei wird es auch darum gehen, Wege zu finden, wie die Reduktion der CO2-Emissionen weiter gesteigert werden kann bis auf 95 Prozent im Jahr 2050. Die abschliessenden Ergebnisse werden Mitte 2018 vorliegen. Das Ziel ist, die notwendigen Rahmenbedingungen, Lösungsbausteine und Gestaltungsmöglichkeiten für ein optimiertes, nachhaltiges Energiesystem bis 2050 zu identifizieren.

dena-Leitstudie Integrierte Energiewende (Zwischenfazit) >>

Text: Deutsche Energie-Agentur (dena)

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