15. Jul 2017

Ladesäulencheck in Deutschland: Strom für E-Fahrzeuge an öffentlichen Ladesäulen ist häufig teurer als Haushaltsstrom. Es gibt aber auch löbliche Beispiele. ©Bild: Lichtblick

Ladesäulen-Check: Stromtankstellen kompliziert und oft teuer

(PM) Das Stromtanken an öffentlichen Ladesäulen für Elektroautos ist in Deutschland kompliziert und häufig zu teuer. In der Spitze zahlen Fahrer für eine Reichweite von 100 Kilometern inkl. einmaliger Gebühr bis zu 25 Euro. Die komplexen Tarifstrukturen sind für Verbraucher kaum zu durchschauen. Bei 8 der 11 untersuchten Ladesäulen-Betreiber ist zudem kein Laden ohne vorherige Anmeldung möglich.


Das sind die wichtigsten Ergebnisse des ersten grossen Ladesäulen-Checks in Deutschland. Die Untersuchung, die rund 80 Prozent aller öffentlichen Ladesäulen stichprobenartig betrachtet hat, wurde durch das Recherche- und Marktforschungsunternehmen Statista im Auftrag von Lichtblick durchgeführt.

Hohe Intransparenz
„Das Chaos an Deutschlands Ladesäulen ist gewaltig. Intransparente Stromtarife und Zugangshürden schrecken Verbraucher ab. Selbst die Experten benötigten für unsere Untersuchung mehrere Tage, um die Tarife und Preise der verschiedenen Betreiber vergleichen zu können. Mit diesem System ist die Verkehrswende zum Scheitern verurteilt“, so Gero Lücking, Geschäftsführer Energiewirtschaft von Lichtblick.

Radikale Umkehr
Lichtblick schlägt deshalb eine radikale Umkehr beim Ausbau der Ladeinfrastruktur vor. „Künftig muss jeder Kunde seinen Haushaltsstrom-Tarif an jeder öffentlichen Ladesäule tanken können. Das ist transparent und verbraucherfreundlich“, so Lücking. „Dazu sollten die Strom-Zapfsäulen dem Netz zugeschlagen werden, jeder Stromanbieter soll seine Tarife an jeder Ladesäule anbieten können. Nur so kann auch die regionale Monopolstellung einzelner Betreiber konsequent verhindert werden.“

Die meisten Ladesäulenbetreiber rechnen nicht nach Verbrauch ab, sondern nach Ladezeit. Umgerechnet auf den Preis pro Kilowattstunde ergeben sich oft deutlich höhere Preise als für Haushaltsstrom. So kostet die Kilowattstunde Ladestrom beim grössten deutschen Ladesäulenbetreiber Innogy, der vor allem im Rhein-Ruhr-Gebiet Stromtankstellen betreibt, 66.9 Cent. Bei der EWE, deren Ladesäulen im Elbe-Weser-Ems-Gebiet stehen, kostet die Kilowattstunde 52.7 Cent, bei den Stadtwerken München 47.3 Cent und bei Allego/The New Motion in Berlin 32.2 Cent. Diese Tarife sind damit deutlich teurer als Haushaltsstrom mit durchschnittlich 29 Cent je Kilowattstunde. Besonders kostspielig ist das Laden an den Säulen von EnBW im Raum Stuttgart, denn neben einem Kilowattstundenpreis von 32.4 Cent fällt hier eine einmalige Registrierungsgebühr von 20 Euro an.

Löbliche Ausnahmen
Vergleichbar mit dem Haushaltsstrompreis ist dagegen der Tarif von Stromnetz Hamburg/Hamburg Energie (29.5 Cent/kWh), günstiger ist der Tankstrom bei Mainova (18.8 Cent/kWh) oder bei Drewag-Stadtwerke Dresden (13.5 Cent/kWh). Kostenlos tanken Elektroautofahrer Strom bislang bei den Stadtwerken Leipzig, den Stadtwerken Düsseldorf und der RheinEnergie, da sich für diese Betreiber vermutlich eine Abrechnung aufgrund der wenigen Tankvorgänge bisher noch nicht lohnt.

Berechnungsgrundlage waren jeweils die Kosten pro Kilowattstunde für eine Tankfüllung für 100 Kilometer mit einem Nissan Leaf (ca. 16 kWh) an einem AC-1-Anschluss mit einer Leistung von 7.4 Kilowatt. Es wurden ausschliesslich Tarife ohne Vertragsbindung berücksichtigt.

Weitere Hindernisse
Ein weiteres Hindernis für Elektroautos ist der Zugang zu den Ladesäulen. Ein spontanes Stromtanken ist nur bei drei von elf Ladesäulenbetreibern möglich (Innogy, EWE, Mainova). Ein Praxistest von Lichtblick in Hamburg hat zudem ergeben, dass beim Laden an öffentlichen Säulen auch noch versteckte Kosten anfallen können. Wählt der E-Autofahrer an einer Säule von Stromnetz Hamburg das Zahlen per SMS, so zahlt er hierfür zusätzlich einen Starttarif von 1.73 Euro sowie einen festen Aufschlag von 12.5 Prozent auf den Gesamtbetrag als Servicegebühr.

Text: Lichtblick SE

0 Kommentare

Kommentar hinzufügen

Partner

  • Agentur Erneuerbare Energien und Energieeffizienz

Job-Plattform

Suchen Sie einen Mitarbeitenden 
oder eine Stelle? 
Bei uns sind Sie richtig!

Hier geht's weiter >>

Aktuelle Jobs

Solaranlagenmonteur

BE Netz AG mit Sitz in Ebikon ist tätig im Bereich erneuerbarer und effizienter Nutzung von Energie. Wir leisten qualitativ hochstehende Arbeit in der Planung und der Installation von Energieanlagen.Zur Verstärkung unseres...

Ist Ihr Unternehmen im Bereich erneuerbare Energien oder Energieeffizienz tätig? Dann senden sie ein e-Mail an info@ee-news.ch mit Name, Adresse, Tätigkeitsfeld und Mail, dann nehmen wir Sie gerne ins Firmenverzeichnis auf.

Newsletter abonnieren

Follow us