14. Jun 2017

110‘000 Tonnen Pellets wurden 2015 in Slowenien produziert, ausserdem 150‘000 Tonnen importiert und 122.000 Tonnen exportiert. Daraus ergibt sich ein Inlandsverbrauch von 138‘000 Tonnen.

Slowenien: Ein waldreiches Land entdeckt die Holzpellets

(©BJ) 110‘000 Tonnen Pelelts produzierte Solwenien 2015. Der Aufbau einer Pelletbranche passt gut in die Struktur dieses Landes, das über grosse Waldflächen verfügt, sowie über eine Holzverarbeitungsindustrie, die stark auf den Export ausgerichtet ist. In den 3600 Betrieben der slowenischen Holzindustrie sind mehr als 33‘000 Mitarbeiter beschäftigt.


Die Holzwertstoffindustrie ist im Land stark vertreten mit der Herstellung von Sperrholz und Spanplatten sowie die Fertigung von Möbel- und Holzbauteilen für die Bauwirtschaft, Zellstoff und Papier, Pappe und Verpackungsmaterialien. Vor allem in den ländlichen Gebieten zählt die Holzwirtschaft zu den wichtigsten Arbeitgebern. Landesweit trägt die Holzwirtschaft zu gut drei Prozent zur Bruttowertschöpfung des verarbeitenden Gewerbes bei – ein in der EU überdurchschnittlicher Anteil.

Waldfläche von fast 1.2 Millionen Hektar
Slowenien ist eines der waldreichsten Länder Europas. Rund 60 Prozent der Fläche (die etwa der Fläche des Bundeslandes Hessen entspricht) ist bewaldet, womit sich eine gesamte Waldfläche von fast 1.2 Millionen Hektar ergibt. Nur Schweden und Finnland weisen in Europa höhere Waldanteile auf. Die Wälder befinden sich zu 72 Prozent in Privateigentum. Die Flächenstruktur ist sehr kleinteilig; der durchschnittliche Privatwaldbesitzer verfügt gerade über 2.6 Hektar. Insbesondere in hügeligen Gebieten stellt der Wald eine bedeutsame Einnahmequelle für die Gehöfte dar.

Die Wälder setzen sich zu 53 Prozent aus Laubwald, zu 47 Prozent aus Nadelwald zusammen. Unter den 71 Baumarten, die in Slowenien natürlich verbreitet sind, befinden sich 61 Arten von Laubbäumen. Die wichtigsten Laubbaumarten sind die Buche und die Eiche, die wichtigsten Nadelbaumarten Fichte und Weisstanne.

Aufgrund der Topografie ist ein grosser Teil der Wälder schwer zugänglich. Mehr als ein Drittel der Fläche Sloweniens liegt mehr als 600 Meter über dem Meeresspiegel, weshalb es in der Vergangenheit in Slowenien weniger starke Eingriffe in den Wald gab als in den meisten anderen mitteleuropäischen Ländern. Die Flächen sind oft von hohem ökologischem Wert: 32 Prozent der Landesfläche sind als Natura 2000-Gebiete geschützt und allein der Triglav-Nationalpark umfasst etwa vier Prozent der Fläche.

31 Prozent Waldzuwachs
In den letzten fünfzig Jahren hat sich die Waldfläche um 31 Prozent vergrössert, der Holzvorrat sogar um rund 150 Prozent. Auf gut 200 Festmeter pro Hektar beläuft sich der Holzvorrat aktuell. Aufgrund der extensiven Bewirtschaftung der Flächen liegt der Wert etwa ein Drittel niedriger als in Deutschland. Was auch daran liegt, dass der Anteil der dicken Bäume immer noch recht klein ist.

Bis heute liegt die holzwirtschaftliche Nutzung der slowenischen Wälder unterhalb des Zuwachses. Gut 6 Festmeter pro Hektar beträgt der Zuwachs, entsprechend einer Menge von 7.4 Millionen Festmeter landesweit. Die Holznutzung liegt bei rund der Hälfte dieses Wertes.

Wo gehen die Pellets hin?
110‘000 Tonnen wurden 2015 in Solwenien produziert. Wo gehen nur die Pellets hin? Betrachtet man sich den slowenischen Markt, so tut sich irgendwo eine Lücke auf. Gernot Stadlober vom slowenischen Pellets-Handelsunternehmen Peleti Ekspres hat die Zahlen analysiert, doch so richtig wollen sie nicht zusammen passen. Sicher ist: Exporte gehen fast ausschliesslich nach Italien.

Da gibt es zum einen die Handelsbilanzen. 110‘000 Tonnen wurden im Jahr 2015 im Land produziert, ausserdem 150‘000 Tonnen importiert und 122.000 Tonnen exportiert. Daraus ergibt sich ein Inlandsverbrauch von 138‘000 Tonnen.

Und doch weiss niemand so richtig, wo der genau anfällt, obwohl es einige Zahlen gibt, die verlässlich klingen. Seit 2011 wurden gut 6000 Pelletkessel in Slowenien neu installiert, was sich aus den Daten eines entsprechenden Förderprogramms ergibt. Denn der Staat unterstützt den Kauf einer Pelletfeuerungsanlage mit bis zu 25 Prozent.

Die Pelletkessel
Die in den letzten Jahren geförderten Pelletkessel kommen zusammen auf knapp 160‘000 Kilowatt Feuerungsleistung, auch diese Zahl liegt vor. Bei einer angenommenen Brenndauer von 1000 Volllaststunden errechnet Stadlober nun einen jährlichen Pelletverbrauch von etwa 37‘000 Tonnen. Hinzu kommen etwa 2000 Kessel, die bis 2010 installiert wurden, wofür der Branchenkenner weitere 12‘000 Tonnen an jährlichem Verbrauch annimmt.

Die Kaminöfen
Für die zusätzlich rund 550 Pelletkaminöfen im Land, die zusammen auf 7300 Kilowatt Feuerungsleistung kommen, setzt der Pelletunternehmer weitere 2000 Tonnen Jahresverbrauch an und kalkuliert somit in der Summe einen Verbrauch von 51‘000 Tonnen.

Die grossen Kessel
Und dann gibt es in Slowenien noch etwa 500 grosse Pelletkessel mit einer mittleren Feuerungsleistung von 150 Kilowatt. Setzt man für diese 1500 Volllaststunden im Jahr an, ergeben sich weitere 26‘000 Tonnen als jährlicher Brennstoffbedarf. Macht am Ende 77‘000 Tonnen. So ergibt sich – gemessen am errechneten Verbrauch, der sich aus den Handelsströmen ergibt – eine Lücke von 61‘000 Tonnen.

Stadlober vermutet nun Öfen und Pelletbrenner, die nicht gefördert wurden als Ursache. Er kommt aber vor allem zu dem wichtigen Fazit: „Wir müssen weiterhin daran arbeiten, zuverlässigere Marktdaten zu generieren – sie sind die Basis für Geschäftsentscheidungen.“

Erstes ENplus zertifiziertes Handelsunternehmen
Denn wenn man bei Peleti Ekspres die Zahlen nicht kennt, kennt sie vermutlich niemand. Das Unternehmen gehört nach eigenen Angaben zu den grössten Pelletslieferanten für lose Ware im ganzen Staatsgebiet und hat sich als erstes ENplus zertifiziertes Handelsunternehmen in Slowenien als Qualitätslieferant etabliert. Die Firma besteht seit 2006 und hat österreichische Wurzeln, gegründet gemeinsam vom österreichischen Pellethändler Stadlober und dem österreichischen Kesselhersteller KWB.

Handel geprägt vom Ausland
Nicht nur im Handel ist die slowenische Pelletbranche stark von ausländischen Partnern geprägt, auch in der Pelletproduktion sind externe Unternehmen engagiert Der grösste Hersteller von Holzpellets in Slowenien ist die Firma Enerles d.o.o., die vom Forstbetrieb Gozdno gospodarstvo Postojna gemeinsam mit einem italienischen Partner gegründet wurde. Deren Fabrik in Pivka stellt jährlich 60‘000 Tonnen Pellets her, das ist gut die Hälfte der gesamten inländischen Produktion.

118000 Tonnen nach Italien
Die Fabrik fertigt zu einem grossen Anteil für den italienischen Markt, der unter der Marke Enerles rund 80 Prozent der Produktion aufnimmt. Grundsätzlich erfolgen Pelletexporte aus Slowenien fast ausschliesslich nach Italien; im Jahr 2015 gingen 118‘000 Tonnen von insgesamt 122‘000 Tonnen Exportmenge alleine in dieses eine Nachbarland. Importe stammen vor allem aus Rumänien (70‘000 Tonnen) und Bosnien-Herzegowina (30‘000 Tonnen), kleinere Mengen aus Österreich und Kroatien.

Kesserbau in Slowenien
Auch Kesselbau wird in Slowenien bereits seit vielen Jahren betrieben. Die Firma Valher, die seit 1971 Heizkessel baut, begann vor zehn Jahren auch mit der Entwicklung von Pelletkesseln. Heute bietet sie verschiedene Modell an, unter anderem ein Set, das aus einem Pelletbrenner mitsamt Regelung, und einem Pelletvorratsbehälter für 150 Kilogramm Brennstoff besteht.

So hat sich in den letzten Jahren in Slowenien eine solide Pelletbranche entwickelt. In einem Punkt wünschen die Unternehmen sich jedoch noch etwas mehr Unterstützung vom Staat: Für Holzpellets wird in Slowenien nach wie vor der volle Mehrwertsteuersatz erhoben, während in manchen anderen Ländern – auch in Deutschland – Holzpellets nur dem reduzierten Satz unterliegen.

©Text: Bernward Janzing

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