25. Mai 2016

Kennwerte zum NEST in der Stadt Dübendorf: Volumen: 23‘000 m3, davon 11‘600 m3 Gebäudekern; Bruttogeschossfläche: 2‘660 m2, Gebäudekern, 1‘930 m2 Units. Architektur: Gramazio Kohler Architects, Zürich. ©Bild: NEST

Bundespräsident Johann Schneider-Ammann: «Bildung, Forschung und Innovation sind stark, wenn es gelingt, alle relevanten öffentlichen und privaten Kräfte vereint auf drängende Fragen zu fokussieren. ©Bild: T. Rütti

Gian-Luca Bona, Empa-Direktor: «Auch wenn die ersten Ideen an der Empa enstanden sind, hätte sich dieses einzigartige Konzept nicht ohne die Unterstüzung zahlreicher Partner realisieren lassen.» ©Bild: T. Rütti

«NEST bietet eine offene und dynamische Plattform, welche die Lücke zwischen Forschung und Markt schliessen kann», so Peter Richner, stv. Direktor Empa. ©Bild: T. Rütti

Walter Steinmann, Direktor des Bundesamtes für Energie (BFE). Er plädierte an der NEST-Eröffnung auch dafür, dass die Gebäude hierzulande energetisch generell besser und intelligenter werden. ©Bild: T. Rütti

Fabio Gramazio: «Mir und Matthias Kohler als Architekten war wichtig, den Benutzern der Units viel Freiheit zu lassen – deshalb die feste Tragstruktur. Die Units benötigen zum Beispiel keine Stützen.» ©Bild: T. Rütti

Rund 250 Exponenten aus Wirtschaft und Forschung sowie der öffentlichen Hand feierten die Eröffnung des Leuchtturmprojekt NEST vom 23. Mai 2016 gemeinsam. ©Bild: T. Rütti

NEST: Wohnhaus, Bürogebäude und Versuchslabor in einem

(©TR) Am 23. Mai 2016 wurde auf dem Campus der Empa und Eawag das modulare Experimentalgebäude NEST eröffnet, eine einzigartige Forschungs- und Innovationsplattform. Hier soll der Innovationsprozess im Bau- und Energiebereich beschleunigt werden, indem Forschung, Wirtschaft und öffentliche Hand nachhaltige Technologien, Materialien und Systeme entwickeln und unter realen Bedingungen testen.


Das Kürzel NEST steht für «Next Evolution Sustainable Building Technologies». Knapp sieben Jahre sind seit den ersten Ideen zu einem solchen Vorhaben vergangen. Der Zeitablauf: Vorstudie 2010, Planungsbeginn Dezember 2011, Baueingabe 2012, Spatenstich August 2014, Aufrichte September 2015, Eröffnung am 23. Mai 2016. An diesem Montag also konnte in Dübendorf das modular konstruierte Gebäude in Betrieb genommen werden. Standort: Auf dem Campus der beiden Forschungsinstitutionen Empa (Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt/Swiss Federal Laboratories for Materials Science and Technology) und Eawag (Wasserforschungsinstitut im ETH-Bereich/aquatic research). Das Gebäude ist Wohnhaus, Bürogebäude und Versuchslabor in einem. Wer hier wohnt, ist gleichzeitig Testperson, wer hier arbeitet, gehört zur Versuchsanlage.

Im Labor funktionieren und sich später als Produkte behaupten 
NEST soll eine Brücke schlagen zwischen Forschung und Privatwirtschaft. Aber auch zwischen den Ideen, die zunächst im Labor funktionieren und sich sodann als Produkte im Markt behaupten müssen. Dass dieser Brückenschlag allseits begrüsst wird, zeigte sich an den Eröffnungsfeierlichkeiten: Rund 250 Exponenten aus Wirtschaft und Forschung sowie der öffentlichen Hand feierten die offizielle Betriebsaufnahme gemeinsam. Als 18. und letzter Referent einer (zu) langen Reihe von Festrednern sagte Bundespräsident Johann Schneider-Ammann: «Der Schweizer Bildungs-, Forschungs- und Innovationsbereich ist stark, wenn es gelingt, alle relevanten öffentlichen und privaten Kräfte vereint auf drängende Fragestellungen zu fokussieren. Mit NEST kann das vorbildlich gelingen.»

Ständige Veränderung ist die einzige Konstante
Eine Stärke von NEST ist Empa-Direktor Gian-Luca Bona zufolge die Flexibilität und Wandlungsfähigkeit: «Dank seines modularen Konzepts soll sich NEST in den kommenden Jahren unablässig verändern und auf aktuelle Fragen im Bau- und Energiebereich reagieren können. Modularität wird wörtlich genommen, denn NEST besteht zum einen aus einem zentralen Gebäudekern mit drei offenen Plattformen und zum anderen aus eînzelnen Modulen.» Diese so genannten Forschungs- und Innovations-Units werden von Konsortien aus Forschungs- und Wirtschaftspartnern realisiert, die ihre Ideen im Rahmen solcher Units zu marktfähigen Lösungen weiterentwickeln wollen.

Erkennen, was an Neuem auf uns zukommt

«NEST bietet eine offene und dynamische Plattform, welche die Lücke zwischen Forschung und Markt schliessen kann. Aus neuen Materialien, System und Einzelkomponenten entstehen unter Verwendung neuer Bauprozesse Lebensräume, in denen Menschen wohnen und arbeiten», so Peter Richner, stv. Direktor Empa. Eine stetige Interaktion mit den Nutzern ermögliche eine ganzheitliche Beurteilung unter realistischen Bedingungen. Walter Steinmann geht es auch darum, die breite Bevölkerung zu sensibilisieren für solche Projekte und den eingeschlagenen Weg in Richtung der Energiestrategie 2050 mitzutragen. Der Direktor des Bundesamtes für Energie (BFE) wörtlich: «Ein Leuchtturmprojekt wie NEST soll über die Region ausstrahlen und klarmachen: Hierhin geht vermutlich die Reise in der Energiewelt.» An NEST könne man quasi erkennen, was an Neuem auf uns zukomme. Walter Steinmann zufolge sollten die Gebäude hierzulande energetisch generell besser und intelligenter werden. Und zwar beides gleichzeitig; NEST könnte vormachen wie.

Energieforschungsplattform Energy Hub
 
Gemeinsam mit NEST nimmt der «ehub» – kurz für Energy Hub – seinen Betrieb auf: Eine Energieforschungsplattform mit dem Ziel, das Energiemanagement auf Quartierebene zu optimieren. Er verbindet sämtliche Komponenten im NEST, die Energie erzeugen, speichern, umwandeln oder abgeben, auf intelligente Weise miteinander. Ausserdem koppelt er die Energieströme aus dem Gebäudebereich mit dem Mobilitätsdemonstrator «move», der sich ebenfalls auf dem Empa-Gelände befindet. Dort wird Energie, die nicht direkt verwendet wird, in nachhaltige Treibstoffe für die Mobilität der Zukunft umgewandelt. Neben der Energie ist im NEST auch die Ressource Wasser ein übergeordnetes Forschungsthema. Das Wasserforschungsinstitut Eawag untersucht im «Water Hub» die Mehrfachnutzung von Wasser und entwickelt neue Konzepte zur Nährstoff- und Energiegewinnung aus Abwasser. «Wasser und Energie sind eng miteinander verbunden. Wasserverbrauch führt automatisch zu Energieverbrauch. Im NEST können wir eng mit der Industrie zusammenarbeiten, um gemeinsam marktfähige Produkte zu entwickeln», sagt Janet Hering, die Direktorin der Eawag.

Units
«Meet2Create» und «Vision Wood»
Zeitgleich mit der Eröffnung des NEST-Gebäudekerns wurden die ersten beiden Units betriebsbereit gemacht: «Meet2Create» ist eine Büroumgebung, die von der Hochschule Luzern – Technik & Architektur konzipiert wurde, um Erkenntnisse über die Arbeitswelten der Zukunft zu erlangen. Gemeinsam mit ihren Wirtschaftspartnern untersuchen die Forscherinnen und Forscher Themen wie flexible Möblierung, personalisierbares Klima am Arbeitsplatz oder passive Gebäudetechnik in Sitzungsräumen. Die zweite fertiggestellte Unit nennt sich «Vision Wood» und ist ein von der Empa und der ETH Zürich entwickeltes Wohnmodul für Studierende. Hierbei geht es um technologische und futuristisch anmutende Innovationen, die dem traditionellen Werkstoff Holz neue Funktionen und Eigenschaften verleihen und so auch neue Anwendungsmöglichkeiten bieten. Holz wird so behandelt, dass es zum Beispiel völlig wasserabweisend oder aber schwer brennbar wird.

Zum Beispiel adaptive Fassaden und Leichtbau-Innovation

Platz gibt es für rund 15 Units, die jeweils zwischen fünf und sieben Jahre in Betrieb sein werden und nach abgeschlossener Forschungstätigkeit ihren Platz für neue freigeben müssen. Bereits Ende 2016 soll auf der obersten Plattform eine solare Fitness- & Wellness-Anlage eröffnet werden – eine Unit, die massgeblich vom Schweizerisch-Liechtensteinischen Gebäudetechnikverband (suissetec) unterstützt wird; Zentralpräsident Daniel Huser sieht in NEST einen veritablen «Innovationsbeschleuniger». Und Forscher und Handwerker arbeiteten heute enger zusammen als je zuvor. 
Für die kommenden zwei Jahre sind fünf weitere Units in Planung: In «HiLo», einer zweigeschossigen Wohn- und Arbeitsumgebung, untersucht die ETH Zürich adaptive Fassaden und neue Möglichkeiten im Leichtbau. Die Werner Sobek Group arbeitet gemeinsam mit der Universität Stuttgart und der ETH Zürich an einer Unit zum Thema «Urban Mining». Die EPFL rückt in der Unit «SolAce» multifunktionelle, aktive Fassaden ins Zentrum des Interesses. Die Fachhochschule St. Gallen möchte das Thema «Active Assisted Living» im NEST aufnehmen – Wohnen für Menschen in der dritten Lebensphase. Die fünfte Unit nennt sich «Digitale Fabrikation» und wird initiiert durch den gleichnamigen Nationalen Forschungsschwerpunkt (NFS) der ETH Zürich. Die Forscher untersuchen dabei robotische Vorfabrikation und Vor-Ort-Fertigung sowie digitale Bauprozesse.


90 Partner aus Forschung, Wirtschaft und öffentlicher Hand
NEST versteht sich als eine «einzigartige Kooperation zwischen Forschung, Wirtschaft und öffentlicher Hand». Gut 90 Partner unterstützen NEST bis heute – und die Plattform ist offen für weitere Partner. Unternehmen beschleunigen im NEST ihren eigenen Innovationsprozess; Wissenschaftler betreiben im NEST «Forschung in Echtzeit»; Politik, Behörden – und auch Investoren – erhalten dank NEST Hinweise auf die zukünftige Ausgestaltung des Bau-, Energie- und Immobilienbereichs. Die NEST-Partner sind Teil eines weit verzweigten Netzwerks, das gegenseitigen Mehrwert schafft und gemeinsam an der Zukunft baut. Von Seiten der Forschung wird das Projekt hauptsächlich von der Empa, der Eawag, der ETH Zürich, der EPF Lausanne, der Hochschule Luzern – Technik & Architektur und dem ETH-Rat getragen. Wesentliche Beiträge der öffentlichen Hand kommen vom Kanton Zürich, vom Bundesamt für Energie (BFE) im Rahmen des Leuchtturmprogramms, vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) und von der Stadt Dübendorf. Massgebliche Unterstützung kommt zudem von der Ernst Göhner Stiftung, dem Schweizerisch-Liechtensteinischen Gebäudetechnikverband (suissetec) und den Unternehmen SwissLife, Zürcher Kantonalbank, Flumroc, Holcim, Swisscom, Geberit, V-Zug, Laufen und Schenker Storen. Diverse weitere Partner engagieren sich im Rahmen von NEST und einzelner Units.


©Text: Toni Rütti, Redaktor ee-news.ch

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