23. Mär 2016

Der Gesamtanteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch lag 2015 bei 32.6 % (Vorjahr: 27.4 %). ©Grafik: AGEB

Die Gewinnung von Steinkohlen ging um 18 % zurück. Dagegen stieg die Nutzung der erneuerbaren Energien um 10 %. Durch die inländische Energiegewinnung konnte 2015 rund 31 % des Energiebedarfs in Deutschland gedeckt werden. ©Grafik: AGEB

2015 wurde der Energiebedarf zu fast 70 % über Importe gedeckt. Über die inländische Gewinnung konnten insgesamt 31 % des Energiebedarfs gedeckt werden. ©Grafik: AGEB

Der Energieverbrauch in Deutschland lag 2015 nach vorläufigen Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen um 1.1 % über dem Vorjahr und erreichte eine Höhe von 13‘306 Petajoule (PJ) beziehungsweise 454.0 Mio. t. ©Grafik: AGEB

Die erneuerbaren Energien haben ihren Beitrag 2015 um einen Prozentpunkt auf 12.5 Prozent gesteigert. Insgesamt basiert die deutsche Energieversorgung auf einem breiten Energieträgerangebot. ©Grafik: AGEB

Deutschland: Energieverbrauch stieg 2015 um1.1%

(PM) Der Energieverbrauch in Deutschland erreichte 2015 nach vorläufigen Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AG Energiebilanzen) eine Höhe von 13‘306 Petajoule (PJ) oder 454.0 Millionen Tonnen Steinkohleneinheiten (Mio. t SKE). Das entspricht einem Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 1.1 %. Der Zuwachs geht im Wesentlichen auf die gegenüber dem sehr milden Vorjahr etwas kühlere Witterung und den damit verbundenen höheren Heizenergiebedarf zurück.


Der Verbrauchszuwachs infolge der positiven Konjunkturentwicklung (+ 1.7 %) sowie durch den Bevölkerungszuwachs (+ 1 Mio. Menschen) wurde nach Abschätzung der AG Energiebilanzen durch Zugewinne bei der Energieeffizienz ausgeglichen.

Witterungsbereinigt – 0.4%

Bereinigt um den Witterungseffekt wäre der Energieverbrauch im vergangenen Jahr um schätzungsweise um 0.4 % gesunken. Gemessen an den Ursprungswerten hat sich die gesamtwirtschaftliche Energieproduktivität im Jahr 2015 im Vergleich zum Vorjahr wieder kräftig abgeschwächt: War die Energieproduktivität 2014 um fast 7 % höher als 2013, verbesserte sie sich 2015 lediglich um 0.5 %. Temperaturbereinigt bewegte sie sich mit gut 2 % aber wieder auf dem längerfristigen Trend (1990 bis 2014: knapp 2 %).

Ausser Gas fossile im Abwärtstrend
Mit Ausnahme der erneuerbaren Energien und (vor allem temperaturbedingt) des Erdgases nahm der Verbrauch aller übrigen Energieträger mehr oder weniger kräftig ab. Entsprechend der nuklearen Stromerzeugung verminderte sich die Nutzung der Kernenergie mit 5.5 % am stärksten; ihr Anteil am gesamten Primärenergieverbrauch sank dadurch auf 7.5 %. Der Verbrauch an Steinkohlen sank 2015. Nach dem deutlichen Rückgang im Vorjahr (- 6.3 %) fiel die Minderung 2015 mit 0.7 % spürbar schwächer aus. Ähnliches gilt auch für die Braunkohle, deren Einsatz 2015 um 0.3 % sank gegenüber -3.4 % im Vorjahr. Nicht viel anders verlief die Entwicklung beim Mineralöl mit seinem im Jahr 2015 nahezu unveränderten Verbrauch, der im Vorjahr noch um 2.4 % gesunken war. Dabei entwickelte sich der Verbrauch der wichtigsten Mineralölprodukte sehr unterschiedlich: Während der Verbrauch von Dieselkraftstoff vornehmlich infolge der höheren Nachfrage aus den Bereichen Verkehr und Bauwirtschaft erneut deutlich stieg (+3.7 %), wurde wegen des rückläufigen Bestands an Fahrzeugen mit Benzinmotoren weniger Ottokraftstoff (-1.5 %) eingesetzt; praktisch unverändert blieb der Verbrauch von Flugkraftstoffen.

Anteil des Mineralöls am Primärenergieverbrauch leicht gesunken
Den stärksten Rückgang erfuhr das vornehmlich in der Chemie verwendete Rohbenzin (-6.3 %). Trotz der 2015 gegenüber dem Vorjahr kühleren Witterung und trotz der sinkenden Ölpreise wurde weniger leichtes Heizöl als im Vorjahr abgesetzt (-0.5 %). Der erwartete Absatzanstieg blieb offenkundig deshalb aus, weil die Verbraucher ihren Mehrbedarf überwiegend aus den Ölbeständen gedeckt haben. Insgesamt sank zwar der Anteil des Mineralöls am Primärenergieverbrauch leicht, doch blieb das Öl mit 4.511 PJ oder knapp 34 % der nach wie vor wichtigste Primärenergieträger. Es folgten das Erdgas, dessen Verbrauch 2015 weitgehend temperaturbedingt um 5 % zulegte, mit gut 21 %, die Steinkohle mit 12.7 % und knapp dahinter mit 12,5 % die erneuerbaren Energien an vierter Stelle. Die Braunkohle war mit 11.8 % und die Kernenergie mit 7,5 % am gesamten Primärenergieverbrauch beteiligt.

Erneuerbare + 10%
Die erneuerbaren Energien erhöhten 2015 ihren Beitrag um insgesamt rund 10 % auf knapp 1.670 PJ. Während die Nutzung der Biomasse um rund 3 % zunahm, hielt die Wasserkraft (ohne Pumpspeicher) ihren Beitrag etwa auf Vorjahreshöhe. Den bei weitem stärksten Zuwachs gab es bei der Windenergie (an Land und auf See) mit einem Plus von 53 % gegenüber dem Vorjahr. Bei der Solarenergie (Photovoltaik und Solarthermie) fiel der Anstieg mit 6 % wegen der verhalteneren Expansion der Photovoltaik erheblich schwächer aus als in den Vorjahren. Bei den Biokraftstoffen gab es sogar einen Rückgang um 6 %.


Etwas stärker als der Primärenergieverbrauch ist der Bruttostromverbrauch gestiegen: Mit rund 600 Mrd. kWh war er im Jahr 2015 um 1.3 % höher als im Vorjahr. Dabei wurde der bisherige Höchstwert von knapp 622 Mrd. kWh im Jahr 2007 noch um 3.5 % unterschritten. Die gesamtwirtschaftliche Stromproduktivität, die sich in den Jahren von 1990 bis 2014 im jährlichen Mittel um gut 1 % verbessert hatte, nahm 2015 allerdings nur noch um 0.4 % zu, weit unterhalb des langfristigen

Trends.

Bruttostromerzeugung 2015 mit plus 4 %
Im Vergleich zum Bruttostromverbrauch ist die Bruttostromerzeugung 2015 mit fast 4 % (plus 24 Mrd. kWh) erheblich stärker gestiegen. Dies war eine ausschliessliche Folge der um reichlich 33 Mrd. kWh bzw. um 20 % höheren Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Fast man die sehr unterschiedlichen erneuerbaren Energien zusammen, so bauten sie mit einem Erzeugungsanteil von etwa 196 Mrd. kWh oder rund 30 % ihre Spitzenposition bei der Stromerzeugung weiter aus. Aus allen anderen Energieträgern wurde 2015 weniger Strom erzeugt als 2014. Die stärksten Rückgänge zeigten sich bei der Kernenergie (-5.5 %), beim Mineralöl (-4.6 %) sowie beim Erdgas (-2.5 %). Die Stromerzeugung aus Stein- und Braunkohle ging mit jeweils 0.5 % nur leicht zurück. Nach den erneuerbaren Energien bleiben Braunkohle (Anteil 2015: 23.8 %) und Steinkohle (18.1 %) die wichtigsten Energieträger. Die Kernenergie folgt bei einem Anteil von 14.1 % nur an vierter Stelle, allerdings noch vor dem Erdgas, das seine Position auch 2015 verschlechterte.

Hohe Exportüberschüsse
Da die Bruttostromerzeugung wesentlich stärker gestiegen ist als der Bruttostromverbrauch, haben sich die hohen Überschüsse beim Stromaustausch mit dem Ausland1 im Jahr 2015 erneut auf ein Rekordniveau von fast 52 Mrd. kWh erhöht. Besonders hohe Exportüberschüsse waren wieder im Austausch mit den Niederlanden (23,8 Mrd. kWh), Österreich (13.8 Mrd. kWh), der Schweiz (11.7 Mrd. kWh) und Polen (10,6 Mrd. kWh) zu verzeichnen. Überschüsse bei den Stromflüssen aus dem Ausland konzentrieren sich traditionell auf Frankreich, wobei sich der Einfuhrüberschuss aus Frankreich von 14.0 Mrd. kWh 2014 auf 9.9 Mrd. kWh im Jahr 2015 verminderte. Auch der Einfuhrüberschuss aus Tschechien ging von 3.2 Mrd. kWh auf nur noch 0.3 Mrd. kWh zurück. Dagegen gab es leicht steigende Einfuhrüberschüsse aus Dänemark (2.4 Mrd. kWh) und Schweden (1.8 Mrd. kWh).

Text: AG Energiebilanzen

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