21. Mär 2016

Marius Fischer Geschäftsleiter: „Das Netz ist nicht mehr in Stein gemetzelt, es wird ‚entmeisselt‘ “. ©Bild: BE Netz

„Jede Kilowattstunde Solarstrom entlastet das Klima um bis zu 500 Gramm CO2“, rechnete Daniel Rufer von E2 Management Consulting AG vor. ©Bild: BE Netz

Noch nicht recht freuen über das Zusammenspiel von Architektur und Photovoltaik mag sich Axel Simon, Redaktor von Hochparterre. ©Bild: BE Netz

Die Ökobilanzen von Solarstrom. ©Grafik: E2 Management Consulting AG

Mit rund 70 m2 Photovoltaik auf dem Dach wird dieses Minergie-P-Einfamilienhaus inklusive Elektroauto zum Null-Emissionen-Haus. ©Grafik: E2 Management Consulting AG

Wozu und wie soll Solarstrom gespeichert werden? ©Tabelle: E2 Management Consulting AG

Energieversorgung gemäss Adrian Kottmann: Das Solarzeitalter, vor und nach dem Erdölzeitalter. ©Bild: BE Netz

BE Netz: Von Energiewendern und Schmiermitteln für die Energiewende

(©AN) Angefangen bei den 32 Terawattstunden Solarstrom über den Platz der Solarenergie in der Architektur und die Rolle von Swissgrid bei der KEV und der EIV bis hin zur Forschung und dem Vorzeigequartier „mehr als wohnen“, all das und vieles mehr wurde von 12 Referenten und 300 Besuchern an den Sonnentagen vom 4. und 5. März 2016 in der Werkstatt von BE Netz debattiert.


„Wir brauchen ein Schmiermittel, um die Energiewende schneller voranzutreiben“, erklärte Marius Fischer, Geschäftsführer der BE Netz AG in Ebikon, den rund 300 Besuchern der Sonnentage. „Ein Schmiermittel, dass es uns ermöglicht, die Partner dieses Projekts der Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zusammenzubringen. Die Energiewende geht uns alle an: die Immobilienverwalter, Architekten, Versicherungen, Banken, Bauherren etc. Wir haben schon viel getan, und doch sehen wir, dass noch so viel zu tun ist!“ Das Unternehmen mit 50 Mitarbeitenden hat in den letzten 22 Jahren insgesamt über 2000 Energieanlagen gebaut, ein grosser Teil davon Photovoltaikanlagen. „Die Taten zählen und nicht die Worte!“ ist Marius Fischer überzeugt.

Patriarchalische Struktur
BE Netz sei bereit, den Schweiss, den der Bau all dieser Anlagen von den BE-Netz-Mitarbeitenden gefordert habe, in Form von Wissen weiterzugeben. „Auch wenn die Entscheide des Nationalrats von letzter Woche uns das Gefühl geben, wieder um Jahre zurückgeworfen zu sein und uns wieder auf Feld 1 zu befinden, wir sind da, um die Energiewende weiterhin mitzugestalten.“ BE Netz verstehe sich als Energiewender, in Anlehnung an die Schwinger. Marius Fischer stellt sich vor, dass einmal einer der Würfe der Schwinger in einen „Energiewender“ umgewandelt werden könnte. So könne z. B. das 97. Luzerner Schwingfest als Botschafter der lokalen erneuerbaren Energiewende dienen. Der Solarfachmann wies darauf hin, dass wir an einem Punkt angelangt seien, an dem Solarstromanlagen nahe am Markt produzierten. „Was wir jetzt brauchen, sind anständige Rahmenbedingungen, die es zulassen, dass die Photovoltaik auch das liefern kann, wozu sie fähig ist.“ Die Energieproduktion habe sich sehr verändert: Im Gegensatz zu der patriarchalischen Struktur, die Energie von oben nach unten lieferte, werde heute Energie von unten nach oben geliefert: „Das Netz ist nicht mehr in Stein gemetzelt, es wird ‚entmeisselt‘ “.

Ein ökologisches Muss
„Jede Kilowattstunde Solarstrom entlastet das Klima um bis zu 500 Gramm CO2“, rechnete Daniel Rufer von E2 Management Consulting AG vor. „Und das bei einer Lebensdauer der Photovoltaik-Anlage von über 30 Jahren.“ 2005 betrugen die Treibhausgas-Emissionen in Gramm CO2-Äquivalent pro Kilowattstunde Solarstrom noch über 80 Gramm, 2013 waren es den besten Anlagen nur noch knapp die Hälfte. Die Rückzahldauer der durch Produktion, Transport und Montage der Module entstandenen Treibhausgase bei einer mittleren Photovoltaikanlage von 2012 beträgt 4.5 Jahre, bei der Best Technology 2013 sind es nur noch 1.5 Jahre. Grundlage ist der europäische Strommix. Für Rufer ist die Energiewende kein Wunsch, sondern ein ökologisches Muss, gelte es doch bis 2050 die CO2-Emissionen der Schweizerinnen und Schweizer von heute 6.3 Tonnen pro Kopf auf 0 zu reduzieren, nur so sei das 2-Grad-Ziel der Klimapolitik zu erreichen. „Die Politiker können einwenden, dass das nicht möglich sei, sie bräuchten das Doppelte an Zeit. Das geht aber nicht, denn damit setzten wir durch den Temperaturanstieg die Lebensgrundlage von hunderten Millionen Menschen aufs Spiel. Wenn die Energiewende doppelt so lange dauert, wird der Anstieg 4 Grad betragen.“

Je grösser die Anlage, umso höher die Einsparungen
Daniel Rufer zeigte, dass die CO2-Einsparung immer höher wird, je grösser die PV-Anlage ist (siehe Grafik). Ab 27m2 Solarmodule wird das vorgestellte Minergie-P-Einfamilienhaus zu einer CO2-Senke: „Daher ist es sehr wichtig, dass wir so grosse Solaranlagen wie möglich bauen“, erklärte er. Eine Million Einfamilienhäuser gebe es in der Schweiz, statt über sie zu wettern, müssten ihre Dächer möglichst mit Photovoltaik eingedeckt werden. Nach Minergie-P gebaut oder saniert und mit Photovoltaik bestückt würden diese zu „Minus-Emissions-Häusern“ inklusive des Baus der Gebäude. Daniel Rufer hat auch noch das Elektroauto in seine Berechnungen aufgenommen: „Ab einer Fläche von rund 70m2 Photovoltaik wird das Gebäude inkl. Elektroauto durch die Einsparung von Treibhausgasemissionen zu einem Null-Emissionen-Haus.“

Energetischer Nutzen für die Versorgungssicherheit
Daniel Rufer hat auch den Nutzen von Solarstrom für die Versorgungssicherheit erläutert, sprich inwieweit sich Stauseen, Pumpspeicherkraftwerke, Batterien und Power-to-Gas zur Speicherung von Solarstrom eignen (siehe Tabelle). „Weder Pumpspeicherkraftwerke noch Batterien werden zur Deckung des Nachtstrombedarfs der Schweiz benötigt,“ erklärte er, „Die zeitliche Verschiebung der Stromproduktion aus Stauseen – sie erfolgt mit einem Wirkungsgrad von 100% - eignet sich dazu bestens.“ Auch betreffend die saisonale Stromspeicherung für den Winter sind Stauseen das effizienteste Instrument. „Und eventuell ab 2025 wird für die saisonale Stromspeicherung auch Power-to-Gas benötigt“, fügte er an. Damit die Leistung von Photovoltaik-Anlagen an sommerlichen Spitzentagen in einigen Jahren nicht gekappt werden muss, könnten ebenfalls Batterien eingesetzt werden. Pumpspeicherkraftwerke wären auch eine Möglichkeit, aber aufgrund des tieferen Gesamt-Wirkungsgrads nicht die beste. Der Einsatz von Batterien kommt für Daniel Rufer auch dann in Frage, wenn dadurch ein Niederspannungsnetz nicht ausgebaut werden müsse, zum Beispiel bei Solarstromanlagen auf abgelegenen Bauernhöfen. Bezüglich der Wirtschaftlichkeit von Batterien ist er dezidiert: „Sie lohnen sich heute in den meisten Fällen nicht, ihre Abschreibungskosten sind zurzeit noch um ein Vielfaches höher als die Kosteneinsparungen.“

32 Terawattstunden Solarstrom
Das Ziel des Bundesrats von 2013, den AKW-Strom durch erneuerbaren Strom zu ersetzen und den CO2-Ausstoss auf 1.5 t/Kopf zu senken, erachtet er aus Sicht des Klimawandels als ungenügend: „Wir müssen nicht nur die AKW abstellen, sondern auch den CO2-Ausstoss auf null senken.“ Dass das möglich ist, rechnet er vor: „32 Terawattstunden Solarstrom müssten 2050 jährlich produziert werden. Aber das sollte technisch kein Problem sein, denn dafür benötigen wir pro Kopf rund 24 Quadratmeter Solarpanels, heute sind pro Kopf schon 48 Quadratmeter Dachfläche vorhanden.“ Um dieses Ziel zu erreichen, genüge aber die heutige Einmalvergütung von PV-Anlagen bei weitem nicht. „Mit diesem Vergütungssystem hängt die Rentabilität der Investition zu stark vom Eigenverbrauch ab“, stellt er fest, „Solaranlagen auf landwirtschaftlichen Bauten ohne Eigenverbrauch und grosse Anlagen auf Einfamilienhäusern sind nicht mehr kostendeckend – das setzt die falschen Signale.“


Lenkungssystem langfristig nachhaltiger
Karl Vogler, CVP Nationalrat und Mitglied der UREK, berichtet von den Abstimmungen im Nationalrat vom 2. März. Die Förderung der Erneuerbaren sei sicher ein guter Ansatz gewesen, um die Energiewende anzuschieben, berichtete der Politiker, nun sei aber die Zeit von Anreizsystemen, sprich Lenkungsabgaben gekommen. Die wichtigste Aufgabe der UREK des Nationalrats sei es, einen neuen Verfassungsartikel Art. 131a hinsichtlich der Einführung von Klima- und Stromabgaben zu formulieren (siehe Kasten). Karl Vogler ist überzeugt, dass ein Lenkungssystem langfristig nachhaltiger ist. Zudem sei es wichtig, die Abgabe massvoll zu gestalten. Dass die Treibstoffe in einer ersten Phase ausgenommen sind, ist für ihn selbstverständlich. Dazu wünscht er sich ein einfaches und kostengünstiges Rückerstattungssystem.

Preisspitze zur Sunset-Hour
Esther Denzler von der CKW erinnerte zuerst daran, dass die meisten Energieversorger in der Schweiz um die 100 Jahre alt seien, und dann an die guten alten Zeiten, die 1960er Jahre und die darauffolgenden Jahre , als die Branche jährlich wie selbstverständlich um durchschnittlich 5 % gewachsen sei. „Inzwischen spüre ich täglich die Energiewende“, erklärte sie. Einerseits ist die Energiefachfrau von der Photovoltaik überzeugt, anderseits sieht sie Probleme bei der saisonalen Speicherung. Zudem stellte sie fest: „Die Preisspitzen verlagern sich tendenziell von der Mittagszeit in die frühen Abendstunden, sprich in die Sunset-Hour, die Mittagsspitze fällt weg.“

Stadtstrom von „mehr als wohnen“
Mitten in der Stadt Zürich, unweit des Bahnhofs Oerlikon, hat Andreas Hofer als Architekt der Baugenossenschaft „mehr als wohnen“ das 2015 fertig gebaute 2000-Watt-Quartier Hunziker Areal geplant. Das Minergie-P-Quartier, das 1200 Personen Wohnraum auf vier Hektar Fläche bietet – pro Person stehen durchschnittlich 34.1 m2 Wohnfläche zur Verfügung – wird mit der Abwärme aus einem Rechenzentrum geheizt. Das Wärmepumpen-Nahwärmenetz liefert zwei Temperaturniveaus, 35 und 60°. Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 430 kW wurden auf die 13 Flachdächer gebaut: „Die Stadt wollte mehr Begrünung, die Komfortlüftungen brauchten auf dem Dach Platz und wir brauchten Fläche für die Photovoltaik, ein echter Interessenskonflikt“, erinnert sich Hofer. 10 Anlagen, die über 30 kW liegen, wurden ohne KEV gebaut, drei, die kleiner als 30 kW sind, im Rahmen der Einmalvergütung. „Wir konnten dank der Verschiebung von einem Flächenmodell zu einem Verbraucherschlüssel unseren Eigenverbrauch des Solarstroms von 25 auf 73 Prozent erhöhen“, weiss Andreas Hofer zu berichten. Abgerechnet wird der Strom über EWZ, zu 25 Rp./kWh. Für diese Dienstleistung verlangt EWZ 3 Rp./kWh. Selbstverständlich stehen im autofreien Quartier auch Elektroautos zur Miete zur Verfügung.

Eins ist für Andreas Hofer klar, mit Smart Bulding und den heutigen Rahmenbedingungen sind für die Planung und die Umsetzung eines Quartiers wie dem „mehr als wohnen“ mehr als eine Hürde zu nehmen. Er erinnert sich an Gebäudetechniker, die für die Gebäudeautomation fünf zusätzliche Kupferkabel verlegen wollten oder Haustechniker, denen er erklären musste, dass die Kühlschränke ihre Verbräuche nicht über die USA melden müssten, oder Nahwärmebetreiber, die ihre Interessen mit Vehemenz vertraten. Oder dass jedes der 13 Gebäude als einzelnes Gebäude angemeldet sei, da sonst zu hohe Kosten von Swissgrid zu befürchten waren. „Die Netzbetreiber haben Angst vor Präzedenzfällen!“, ist Hofer überzeugt. Um solche Quartiere wie „mehr als wohnen“ zu realisieren, gebe es im Energiebereich noch wahnsinnig viele Hürden zu bewältigen. „Ich kann mir vorstellen, dass wir einmal für jedes Quartier ein eigenes kleines Kraftwerk haben werden“, stellt sich Andreas Hofer für die Energiezukunft vor.

Mehr über das Quartier „mehr als wohnen“: www.mehralswohnen.ch

20 % Solarstrom, den Rest überlassen wir den EVU
„Die Solarbranche hat nicht nur das Potenzial, sondern auch das Know-how, 20 % der Energieversorgung bereitzustellen“, erklärte Adrian Kottmann, Inhaber von BE Netz, „den Rest überlassen wir gerne den Energieversorgern!“ Ein Teil dieser 20 % sei mit der Kostendeckenden Einspeisevergütung bereits gebaut worden und werde noch dank dieser gebaut: 35‘700 Photovoltaikanlagen befinden sich aktuell auf der Warteliste … Private Projekte würden eine weitere Tranche dazu beitragen. Einen wichtigen Beitrag leisteten die Eigenverbrauchsgemeinschaften, die dank der Einmalvergütung realisiert werden könnten. Zudem könne die Architektur, indem sie die Photovoltaik als Bauelement integriere, zur Erhöhung der Solarstromproduktion beitragen. Weiter werde die Innovation dazu beitragen, dass die 20 % des Energieverbrauchs in Form von Solarenergie bereitgestellt würden. Der Energieverbrauch werde sich auch bei der Mobilität und beim Heizen immer mehr in den Strombereich verschieben.

Von der Politik wünscht sich Adrian Kottmann dafür verlässliche Rahmenbedingungen, und nicht ein Stop-and-go im Vierjahresrhythmus der Wahlen und von den Energieversorgern eine gute Zusammenarbeit, um die Ziele gemeinsam zu erreichen. Von den Architekten wünscht er sich weiter, dass sie die Solarenergie auch in die Gestaltung der Gebäude einbeziehen und schliesslich von der Wissenschaft Studien, die so verfasst sind, dass eine Mehrheit der Bevölkerung die Ergebnisse auch glaube. „Dank der bereits erreichten Netzparität ist Solarstrom von heute wirtschaftlich, da die Netzkosten ja nicht bezahlt werden müssen.“ Adrian Kottmann weiter: „Wer sein Haus mit Solarenergie saniert, der hat nicht, wie ich kürzlich im Tagi gelesen habe, höheren Betriebskosten. Nein, er erntet Solarenergie und erzielt damit einen zusätzlichen Ertrag!“

Warteliste bei der Einmalvergütung
Birgit Dieckmann von Swissgrid erklärte detailliert, wie die Kostendeckende Einspeisevergütung und die Einmalvergütung funktionieren. Sorgen hätte sie vor allem wegen den tiefen Börsenstrompreisen, die dem KEV-Fonds zusetzen würden. Denn je tiefer der Börsenpreis, umso höher die Belastung aus dem KEV-Fonds. „Dazu muss Swissgrid permanent schauen, wie sich der Marktpreis entwickelt, wie hoch die Sonneneinstrahlung und die Niederschläge sind. Denn diese Faktoren haben auch einen direkten Einfluss auf die Auszahlungen aus dem KEV-Fonds“, erklärte Birgit Dieckmann. „Sprich, wir müssen in der Lage sein, die zur Zeit 10 Millionen Franken pro Monat auszuzahlen.“

50 Millionen Franken seien für die Einmalvergütung gesprochen worden, das habe für rund 5000 Anlagen gereicht, und nun bilde sich dort auch eine kleine Warteliste: „Erst wenn der Bundesrat den Netzzuschlag erhöht, können wir wieder ein neues Kontingent freigeben“, erklärte sie. Bei der KEV sieht die Situation sehr viel düsterer aus. „Anmeldungen bis zum November 2011 rutschen ins nächste Kontingent nach.“ Aber nur falls der Bundesrat den Netzzuschlag erhöhe. Alle später angemeldeten Anlagen warten weiter …

Neue Hochzeit von PV und Architektur
Noch nicht recht freuen über das Zusammenspiel von Architektur und Photovoltaik mag sich Axel Simon, Redaktor von Hochparterre. Ein Graus ist ihm insbesondere der jährliche Solarpreis, weil er sich nicht auf Architektur, sondern auf Zahlen konzentriere: „Solaraktivisten denken in Zahlen. Architekten denken in Bildern, verstehen ihr Gegenüber nicht und wollen es auch nicht verstehen“. Er weiss, dass die Architektur oft mit der Solarenergie auf Kriegsfuss steht: „Müssen wir die Solarenergie bei einem Projekt einbeziehen, resultiert das meistens darin, dass der Dachrand etwas höher gezogen wird, damit man die Anlage nicht sieht.“ Der Architekturexperte wünscht, dass Solaranlagen so integriert werden, dass sie eine eigene Aussage zum Gebäude machen. Das einfache „Applizieren“ von Modulen zugunsten eines höheren Energieertrags ist ihm fremd. Sein Fazit: „Solarenergie und Architektur sind ein spannendes Experiment, die Chancen stehen aber gut.“ Er freut sich über eine neue Hochzeit von PV und Architektur.

Das machen meine Studenten!
„Die Photovoltaik ist eine disruptive Technologie. ‘Disruptiv‘ wird eine Innovation genannt, die eine bestehende Technologie, ein bestehendes Produkt oder eine bestehende Dienstleistung möglicherweise vollständig verdrängt“, erklärt Urs Muntwyler der Berner Fachhochschule. „Früher gab es grosse Monopolisten, die uns Strom lieferten, ob es diese morgen noch braucht, da bin ich mir noch nicht so sicher.“ Dass man die Architektur und die Photovoltaik zusammenbringe, das habe die Monte-Rosa-Hütte bereits gezeigt. Er werde oft gefragt, ob die Energiewende zu schaffen sei, seine Antwort sei jeweils dieselbe: „Dazu muss man sich keine Sorgen machen, das schaffen meine Studenten mit links!“ Und die Energieversorger sollten sich besser in Acht nehmen: „Wenn die uns zu komplizierte Auflagen machen, dann machen wir Häuser ohne Stromanschlüsse, wie das geht, wissen wir bereits heute.“

Fast hätten die USA bereits unter Jimmy Carter gezeigt, wie schnell die Solarwende machbar sei, doch dann hätten sie den Präsidenten abgesetzt: „Wenn die Politik eingreift, kann es folglich zu einer Verzögerung von Jahrzehnten kommen, wie diese Episode zeigt. Dann passierte erstmals lange nichts, dann kamen die Japaner und schlussendlich haben die Chinesen gezeigt, wie die Photovoltaik funktioniert.“ Die Solarenergie sei ein edukatives Problem, nicht nur bei den Architekten, sondern neben der Politik auch bei den Energieversorgern.

100 Liter Öläquivalent pro Quadratmeter
Die Schweiz zahle jährlich 17 Milliarden Franken für fossile Energieträger, das sei auch weltweit so: „Mit 550 Milliarden US-Dollar wurden 2013 fossile Energien weltweit gefördert, die erneuerbaren Energien dagegen lediglich mit 120 Milliarden US-Dollar.“ Dabei sei das Potenzial gewaltig: „100 Liter Öläquivalent fallen bei uns im Mittelland jährlich in Form von Solarenergie auf jeden Quadratmeter. Zum Glück nicht in Form von Öl, stellen Sie sich mal vor, was dass für eine Sauerei gäbe!“ Das Potenzial sei also nicht das Problem. „Zudem ist die Photovoltaik in der Economy of Scale der Entwicklung 10 Jahre voraus.“ Muntwyler schloss: „Wie bereits die Praxis zeigt, stimmen die rund 12 Terawattstunden Solarstrom von Frau Leuthard, nur müssen wir noch 8 Terawattstunden für die Mobilität dazurechnen.“


Klima- und Stromabgaben

Entwurf Bundesverfassung Art. 131a neu

1 Zur Verminderung von Treibhausgasemissionen und zur Förderung eines sparsamen und rationellen Energieverbrauchs kann der Bund eine Abgabe auf Brenn- und Treibstoffen (Klimaabgabe) und eine Stromabgabe erheben.

2 Die Abgaben werden so bemessen, dass sie einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Klima- und Energieziele des Bundes leisten.

3 Der Bund nimmt Rücksicht auf Unternehmen, deren Betrieb oder Produktion besonders treibhausgas- oder energieintensiv ist.

4 Die Erträge der Abgaben werden an die Bevölkerung und an die Wirtschaft rückverteilt.

5 Hat die Erhebung der Klimaabgabe auf Treibstoffen Ertragsausfälle bei der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (Art. 85) zur Folge, so ist ein entsprechender Anteil der Erträge aus der Klimaabgabe für die Zwecke nach Artikel 85 Absätze 2 und 3 zu verwenden.



©Text: Anita Niederhäusern, leitende Redaktorin ee-news.ch, im Auftrag von BE Netz

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