01. Mär 2016

Die Geberit AG steht stellvertretend für zahlreiche MEM-Unternehmen, die mit der EnAW zusammenarbeiten. ©Bild: EnAW

Am Standort Rapperswil-Jona von Geberit ist noch Energiesparpotenzial vorhanden. ©Bild: EnAW

EnAW: Geberit AG reduziert ihre Energiekosten

(PM) Seit 2002 ist die Gerberit AG, weltweit tätiges Unternehmen aus dem Sanitärbereich, im Energie-Modell der Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW) aktiv. Der jährliche Energieverbrauch wurde in dieser Zeit um 3326 Megawattstunden gesenkt, was dem Energieverbrauch von 700 Haushalten entspricht. Weiteres Energiesparpotenzial ist noch vorhanden, zum Beispeil die Gebäudehülle.


Praktisch jeder Schweizer Haushalt ist mit den Produkten von Geberit vertraut. Täglich benutzen wir Spülkästen, Armaturen, Rohrleitungen oder Toiletten des Betriebs aus Rapperwil-Jona. Bereits Mitte des letzten Jahrhunderts war Geberit massgeblich daran beteiligt, dass diese Güter mit energieeffizienten Technologien produziert werden. In den Fünfzigerjahren entwickelte der Betrieb zusammen mit anderen Unternehmen die erste Spritzgussmaschine. Der Antrieb von Spritzgussmaschinen brauchte damals viel Energie, da ältere Motoren permanent liefen. Heute sind die genutzten Maschinen leistungsfähiger und benötigen 50 bis 60 Prozent weniger Energie. Ecodrive und Blue Power heissen die Begriffe, die hinter der energieeffizienteren Antriebsmethode stehen. Die Geschwindigkeit wird direkt mit der Drehzahl geregelt. Das heisst, dass der Antrieb nur während der Bewegung aktiv ist und im Stillstand keine Energie verbraucht. Die Spritzgussmaschinen benötigen so weniger Energie und dank einem energieeffizienteren Antrieb liegt die Öltemperatur des Motors rund 15 Grad tiefer. Serviceintervalle werden so länger und der Kühlwasserbedarf wesentlich geringer.

Innovationen im Zentrum
Geberit ist Mitglied von Swissmem, dem Verband, der die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM) repräsentiert. Moderne Technologien spielen eine entscheidende Rolle zur Bekämpfung des globalen Klimawandels. Schweizer MEM-Unternehmen entwickeln sie. Innovationen aus der Schweiz verbessern die Effizienz bei der Stromerzeugung, optimieren den Energieverbrauch von Geräten und Prozessen und erhöhen die Wirtschaftlichkeit von erneuerbaren Energien. Die Geberit AG selbst sorge sich auch schon jahrelang um einen geringeren Energieverbrauch sowie CO2-Ausstoss, sagt Alfred Hildbrand. Hildbrand ist als Leiter der Gebäudetechnik verantwortlich für das CO2-Management von Geberit. Seit 1982 ist er im Unternehmen verwurzelt und war von Beginn an interessiert daran, das Unternehmen noch energieeffizienter zu machen. Die ersten Massnahmen wurden bereits 1995 ergriffen. Dabei stand zu aller Anfang besonders die Reduzierung des CO2-Ausstosses im Zentrum des Interesses.

20 Prozent tieferer CO2-Ausstoss
Auch heute noch steckt sich Geberit grosse Ziele: Bis 2020 wird die Geberit AG ihre CO2-Emissionen gegenüber dem Ausgangsjahr 2012 um 20 Prozent reduzieren. Die Ersparnisse im Betrieb belaufen sich bereits heute auf 533 Tonnen CO2 sowie 3326 Megawattstunden Energie. Das entspricht in etwa dem Energieverbrauch von 700 Haushalten. «Die CO2-Intensität von Geberit hat sich seit dem Jahr 2000 bereits um stolze 42 Prozent reduziert», fasst Stefan Krummenacher zusammen. Krummenacher ist als EnAW-Moderator regelmässig mit Geberit in Kontakt und sorgt gemeinsam mit Alfred Hildbrand dafür, dass das Unternehmen immer wieder neue wirtschaftliche Massnahmen aufspürt. Um die CO2-Emissionen weiter zu senken, setzt Geberit beispielsweise dabei auch auf erneuerbare Energien: Beim Strom soll alle drei Jahre der Anteil erneuerbarer Energie um fünf Prozent gesteigert werden.

Weiteres Verbesserungspotenzial
Strom und Energie zu sparen sei nicht immer einfach, meint Hildbrand. Eines der grössten Probleme am Hauptsitz in Jona stelle die Wärme dar. Während der Produktion setzen die Maschinen viel Wärme frei und müssen heruntergekühlt werden. Zudem heize sich das Gebäude besonders im Sommer zusätzlich auf. «Leider ist das Gebäude nicht mehr ideal isoliert», sagt Hildbrand. Eines seiner erklärten Ziele für die nächsten Jahre sei deshalb, das ganze Gebäude von aussen neu zu isolieren, damit weniger Wärme von aussen nach innen gelangt. Somit würde erreicht, dass im Sommer weniger gekühlt und im Winter weniger geheizt werden muss. Mit einer Wärmerückgewinnungsanlage wurde mittlerweile eine Teillösung gefunden, damit «überschüssige» Energie gleich vor Ort wieder zur Warmwasseraufbereitung genutzt werden kann. Hildbrand ist sich aber sicher, dass weiteres Energieeinsparpotenzial vorhanden ist. Und auch Krummenacher sieht weiteres Potenzial bei Geberit: «Die Zitrone ist zwar bereits etwas ausgepresst. Aber es wachsen ja immer wieder neue Zitronen.»


Interview mit Alfred Hildebrand, Leiter Gebäudetechnik und Verantwortlicher CO2-Management, Geberit AG und Stefan Krummenacher, Moderator Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW)

Welchen Stellenwert hat Energieeffizienz bei MEM-Unternehmen?
SK: Das Engagement, mit dem «meine» Firmen das Thema Energieeffizienz behandeln, ist gross. Häufig habe ich es mit den Verantwortlichen aus der Produktion zu tun. Sie sind bestrebt, gute Lösungen zu realisieren, sich zu verbessern und so den Erfolg der Firmen zu sichern.

Geberit ist bereits seit 2002 Teilnehmer der Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW). Wie sind Sie auf die EnAW aufmerksam geworden?
AH: Auf die EnAW wurden wir bei einer Veranstaltung von Swissmem aufmerksam. Wir waren sofort begeistert. Deshalb sind wir auch von Anfang an dabei und profitieren seither von dieser guten Sache.

Welches sind die Vorteile der Zusammenarbeit?
AH: Ich schätze besonders die individuelle Beratung durch die EnAW und unseren Moderator Stefan Krummenacher. Mindestens zweimal im Jahr besucht er uns, sieht sich den Betrieb an und bespricht das weitere Vorgehen bezüglich Energieeffizienz mit uns. Vier Augen sehen bekanntlich mehr als zwei. Des Weiteren wurde uns durch die EnAW auch ein Austausch unter den verschiedenen Teilnehmerfirmen ermöglicht. Persönlich finde ich es spannend, zu sehen, wie andere Unternehmen ähnliche Probleme lösen. Energie und Klima sind Themen, die uns alle angehen. Deshalb sollten wir auch von guten Ideen anderer profitieren, wenn sich damit Energie und CO2 einsparen lassen.

Müssen MEM-Unternehmen spezielle Massnahmen treffen?
SK: Die MEM-Industrie unterscheidet sich nicht fundamental von anderen Branchen. Die Palette der produzierten Güter ist breit. Jede Firma muss einzeln betrachtet werden. Es gibt Themen wie Beleuchtung oder Druckluft, sogenannte Querschnittstechnologien, die für alle Unternehmen relevant sind. Hier findet zwischen den einzelnen EnAW-Teilnehmern ein Erfahrungsaustausch statt, der an unseren periodischen Gruppentreffen immer neue Nahrung erhält.

Welche Projekte liegen Ihnen in der näheren Zukunft besonders am Herzen?
AH: In einer besseren Gebäudeisolierung sehe ich grosses Energiesparpotenzial. Was ich mir ebenfalls wünschen würde, wäre die Einführung der ISO-Norm 50001. Diese erfasst systematisch alle Energieflüsse im Unternehmen und würde so der besseren Übersicht des Energiemanagements dienen. Sieht man auf einen Blick, wo wie viel Energie verbraucht wird, kann auch besser darauf reagiert werden. Ich beschäftige mich quasi tagtäglich mit diesen Themen. Mit dieser Norm würden aber auch alle anderen sehen, wo man wie viel Energie ein- und somit Geld sparen kann.

Wie schwierig ist es, Ihre Mitarbeitenden für das Energiesparen zu sensibilisieren und zu begeistern?
AH: Man muss manchmal schon etwas kreativ werden. Ich habe auch schon Broschüren verteilt, denen ich im Winter ein wärmendes Ricola und im Sommer ein Erfrischungstüchlein beigelegt habe. Ich freue mich, wenn ich so andere für Energieeffizienz sensibilisieren kann.

Text: Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW)



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