27. Feb 2016

„Die Zeit arbeitet für uns, „erklärte Roger Nordmann, Präsident von Swissolar und Nationalrat, „neue AKW werden aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr realisierbar sein.“ ©Bild: Swissolar

PV-Gemäss den Marktprognosen bis 2020 von vescore AG, wird das durchschnittliche Wachstum rund 13% betragen. ©Grafik: vescore AG

Jährlich weltweit neu installierte PV-Leistung. ©Grafik: vescore AG

Investoren verabschieden sich von fossilen Energien. ©Grafik: vescore AG

Die globalen Investitionen in erneuerbare Energien. ©Grafik: vescore AG

Walter Steiner, Direktor des BFE, kritisierte die trotz tiefen Preisen an der Strombörse unverändert hohen Wasserzinsen. ©Bild: Swissolar

Photovoltaik Tagung: Von Bad Banks und mehr Solar- und Windstrom!

(©AN) Die Schweizer Photovoltaikbranche traf sich am 22. und 23. Februar in Bern. Am ersten Tag wurde eines klar: Einige unserer grossen Energieversorger könnte es schon bald sehr hart treffen, da sie die Energiewende verschlafen haben. Und: Die erneuerbare Stromversorgung könnte in der Schweiz sehr teuer kommen, wenn wir neben Solar- nicht auch mehr Windleistung zubauen.


Einige Eindrücke und Statements des ersten Konferenztags (siehe auch ee-news.ch vom 23.2.16 >>)

Vom geo- zum heliozentrischen System
„In den letzten 200 Jahren haben wir im Energiebereich in einem geozentrischen System gelebt“, erklärte Hans Kronberger, Präsident Photovoltaic Austria. „Denn wir haben Löcher in die Erde gebohrt, um Erdöl rauszuholen.“ Und viele Kriege rund ums Erdöl geführt : „Zwischen der Förderung der fossilen Energien und der aktuellen Flüchtlingswelle gibt es sehr intensive Zusammenhänge“, mahnte Kronberger. „Die Nutzung der erneuerbaren Energien zeichnet den Übergang vom geozentrischen zu einem heliozentrischen System“, erklärte er. Erstmals könne aus Licht Energie hergestellt werden. Seit die Katholische Kirche die Aussage von Kopernikus anerkannt habe, dass die Erde keine Scheibe sei, habe es nie mehr eine ähnlich grosse Veränderung gegeben. „Wir haben eine Energienutzungskrise und keine Energiekrise, das ist eine Frage der Intelligenz: Wir werden dank der Nutzung der Sonnenenergie noch die nächsten 5 Milliarden Jahre genug Energie haben!“, ist Kronberger überzeugt. Von der IEA über die G7 bis zum Papst und den Teilnehmenden der Klimakonferenz in Paris, alle hätten sich für einen Umstieg auf die Erneuerbaren ausgesprochen: „Wir müssen jedoch persönlich die Verantwortung für die Wende übernehmen, wir können sie nicht delegieren. Die Herausforderung liegt bei uns, denn die Energiewende hat einen ganz grossen Feind: Die Unwissenheit über die phantastischen Möglichkeiten, die sie bietet.“ Den fossilen und nuklearen Technologien schwämmen die Felle davon, unsere erneuerbaren Systeme seien, da keine Energie zugeführt werden müsse, viel besser. Bezüglich des Willens der EU, 100 neue AKW zu bauen, erklärte er: „Das zeigt, dass wir in der Kommission durchgängig Alkoholkontrollen machten müssten!“.

Beznau 2 und Vacherin fribourgois
„Die Zeit arbeitet für uns, „erklärte Roger Nordmann, Präsident von Swissolar und Nationalrat, „neue AKW werden aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr realisierbar sein.“ Und das AKW Benznau 2 verglich er mit einem Vacherin Fribourgois: „Ein Vacherin fribourgois hat im Gegensatz zum Emmentaler nur kleine Löcher. Um zu sehen, ob er gut ist, schneidet man ein Stück raus, genau das sollte beim Reaktormantel von Beznau 2 auch gemacht werden! „Die im Rahmen der Energiestrategie vorgeschlagene Limitierung der KEV bis 2023 sei für die Photovoltaik nicht so kritisch: „Für die Windenergie wäre sie aber fatal!“ mahnt er. Und käme die Energiestrategie und damit die Erhöhung der KEV von heute 1.5 auf 2.3 Rappen nicht durch, dann sei die Photovoltaikbranche so gut wie tot. Roger Nordmann ist überzeugt, dass sich einige der grossen Energieversorger bald in einer Bad-Bank des Bundes wiederfinden werden: „Wenn der Staat dann die Dinger besitzt, wäre es eigentlich logischer, sie rasch zu schliessen.“ Problematisch sei insbesondere, dass die AKW-Töchter ihren Muttergesellschaften den Atomstrom zu zu hohen Preisen verkauften.

Nordmann sieht ein Kräfteproblem auf die Branche zukommen: Die Atomausstiegsinitiative und die Initiative gegen die Energiestrategie können in kurzem Zeitraum aufeinander folgen. „Wir werden Kräfte verlieren, wenn wir beide Initiativen bekämpfen müssen. Besser wäre es, die Atomausstiegsinitiative würde zurückgezogen. Das ist zwar nicht sehr realistisch, aber strategisch wohl besser“, überlegt Nordmann.

Finanzwelt wendet sich von fossilen Energien ab
„Die jährlichen Investitionen in erneuerbare Energien steigen stetig“ erklärte Matthias Fawer, Nachhaltigkeitsspezialist, vescore AG, Basel, „2015 betrugen sie 305 Milliarden Dollar, 60 % davon flossen in die Photovoltaik. Das sind 13 % mehr als 2014. Auf der anderen Seite fliesst immer weniger Geld in die Unternehmen, die Geschäfte mit fossilen Energien tätigen, und das trotz sinkenden Erdölpreisen!“ Auch die Energieversorger mit hohen Anteilen an Kohlekraft hätten in den letzten Jahren stark an Wert eingebüsst: RWE in den letzten Jahren 78 %, E.ON 61 %. Auch der Kohleindex hat zwischen 2010 und 2015 73 % verloren, der Ölindex 33 %.

Finanzwelt wendet sich von fossilen Energien ab
„Institutionelle Anleger bemühen sich, den CO2-Fussabdruck ihrer Investitionen zu senken“, wusste Fawer zu berichten. Auch in der Solar-Branche gebe es jedoch kritische Unternehmen, so wie zum Beispiel Yingli Solar, welches eine Verschuldung von 2000 % aufweise. Mit einem Zubau von 52 GW sei die Photovoltaikbranche 2015 kräftig gewachsen: „Überdurchschnittlich schnell wachsen die USA, aber auch Asien hat stark zugelegt. In der EU sei der Zubau stabil geblieben, aber nur dank des hohen Zubaus in Grossbritannien.“ Angebot und Nachfrage seien bei den Photovoltaikunternehmen wieder im Lot. Fawer sagt, die Photovoltaik sei in die Champions League der Energiewirtschaft aufgestiegen. Das zeigten auch neue Kooperationen, wie die zwischen SMA und Siemens oder die von Tesla mit Panasonic. „In der Schweiz sind es Übernahmen, wie zum Beispiel Alpiq, die Helion solar übernommen hat, oder die BKW und die EES.“ Matthias Fawer rechnet von 2016 bis 2020 mit einem globalen Wachstum der jährlichen PV-Leistung von 13-15 %.

Wind und Solar passen gut

“Wir haben keinen Energiemangel, wir müssen das Ganze nur richtig strukturieren”, ist Christian Breyer von der Lappeenranta University of Technology in Finnland überzeugt. Mit seinem Institut rechnet er die Versorgung und die Kosten einer erneuerbaren Energieversorgung in fast jedem beliebigen Land auf der Welt durch. Dass hat er im Auftrag der PV-Tagung auch für die Schweiz gemacht: „Eine erneuerbare Energieversorgung in der Schweiz ist absolut möglich“, kommentierte er, „aufgrund der fehlenden Windkraft ist sie jedoch teurer als in den angrenzenden Ländern." Christian Breyer unterstreicht: „Windenergie an Land ist bei weitem die günstigste erneuerbare Energie und sie passt perfekt zur Photovoltaik.“ Will heissen: Der Windenergieausbau ist nicht nur nötig, um den Winterstrom zu liefern, sondern auch, um die Energiewende so kostengünstig wie möglich zu gestalten. Wieso der Fachmann allerdings zum Schluss kommt, die Windenergieverhältnisse in der Schweiz seien schlecht, konnte nicht geklärt werden. Mindestens 10 % Windenergie am Strommix hält Suisse Eole bis 2050 für möglich. Das BFE spricht von einem Potenzial von jährlich 6 Mrd. Kilowattstunden. Alleine der Kanton Freiburg könnte gemäss einer neuen Studie von 2015 30 % davon liefern. Wind hat es folglich genug. Christian Breyer geht übrigens davon aus, dass sich die Kosten der beiden Technologien in den nächsten Jahren noch annähern werden: „Die Energiewende ist in Europa erschreckend cgünstig!“ freut er sich. Das Projekt Hinkly Point C sieht er denn nicht als Energie-, sondern als Militärprojekt.

Politische Steuerung nicht mehr möglich
Jochen Kreusel, Leiter des Konzernprogramms Smart Grids von ABB Deutschland, ist überzeugt: „Dank laufend sinkender Preise der Photovoltaik sowie der Speichertechnologie sind die politischen Ziele nicht mehr durchsetzbar, das Potenzial ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft!“ Die Anlagen würden einfach gebaut, ob politisch gewollt oder nicht: „Denn wenn bis 2050 80 % erneuerbare Energien geplant sind, wer bitte sehr wird dann noch die restlichen 20 % fossile Kraftwerke bauen?“ fragt sich Kreusel. Es sei illusorisch zu denken, dass das dann noch jemand tun werde. Er verwies auch darauf, dass man noch vor kurzer Zeit gesagt habe, mehr als 4 % stochastische Energie vertrage das Netz nicht. Heute seien es insgesamt 30 % und dank vieler kleiner Massnahmen, technischer Änderungen sowie Änderungen der Rahmenbedingungen, sei das Netz nicht zusammengebrochen. „Allein die Spannungshaltung im Niederspannungsnetz hat sich grundsätzlich verändert“, erklärte der Fachmann. Wünschenswert sei jedoch, dass bei Prognosen sehr offen gedacht werde: „Die 50.4-Herz-Nachrüstung der Wechselrichter hat zum Beispiel sehr viel gekostet. Solche Übungen sollten vermieden werden. Die heutige Entwicklung der Speichertechnologien vergleicht Kreusel mit dem Siegeszug der Smartphones. Er könnte sich durchaus vorstellen, dass die Speichertechnologie in der Strombranche ähnliche Wellen werfen könnte.

Weiter Informationen zur 14. Photovoltaik-Tagung

©Text: Anita Niederhäusern, leitende Redaktorin ee-news.ch

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