04. Feb 2016

Digital gestütztes Buskonzept in Schorndorf. ©Bild: DLR

Übergabe des Förderbescheids für das Reallabor Schorndorf vor historischer Kulisse des Marktplatzes. ©Bild: DLR

DLR: Busfahren on demand – Buskonzept ohne Haltestellen

(DLR) Der Bus kommt an den gewünschten Abholungsort und zwar genau dann, wenn man ihn braucht. Was wie ein Traum für jeden Nutzer des öffentlichen Personennahverkehrs klingt, könnte schon bald in der baden-württembergischen Stadt Schorndorf Wirklichkeit werden: Im Zuge des Projekts "Reallabor Schorndorf" arbeiten Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) gemeinsam mit Partnern an einem bedarfsorientierten, digital gestützten Buskonzept.


Es soll ohne feste Haltestellen auskommen und den Nahverkehr an die individuellen Ansprüche der Nutzer anpassen. Gemeinsam mit dem Zentrum für Interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung (Zirius) der Universität Stuttgart, der Hochschule Esslingen, der Stadt Schorndorf, dem Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) sowie Knauss Linienbussen wollen die DLR-Forscher in den nächsten drei Jahren schrittweise das Buskonzept entwickeln, in einem Pilotversuch umsetzen und auswerten.

Visionäres aus der Daimlerstadt
Anlässlich der Übergabe des Förderbescheids für das Reallabor Schorndorf am 1. Februar 2016 erklärte die baden-württembergische Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Theresia Bauer: "Mit Gottlieb Daimler hat Schorndorf bereits einen grossen Pionier der Mobilität hervorgebracht. Nun kommt mit dem ‚ÖPNV ohne Haltestellen‘ wieder Visionäres aus der ‚Daimlerstadt‘. Über digitale Lösungen sollen Busse effizient ausgelastet werden und direkt zum Fahrgast kommen. Ein Vorhaben, das Umwelt, Fahrgäste und Verkehrsaufkommen massiv entlasten könnten - rundum ein smartes und zeitgemässes Konzept."

"Wir freuen uns, dass wir heute die Fördergelder in Höhe von fast 1.2 Millionen Euro entgegennehmen dürfen und danken dem Land Baden-Württemberg sehr herzlich für die Unterstützung dieses richtungsweisenden Mobilitätsprojekts. Hochkarätige Partner wie das DLR, die Universität Stuttgart und die Hochschule Esslingen sind mit an Bord und ich bin mir sicher, dass wir im Reallabor Schorndorf die Zukunftsthemen Elektromobilität und autonomes Fahren praxisorientiert umsetzen und künftig ein deutlich verbessertes Angebot im öffentlichen Personennahverkehr in unserer Stadt anbieten können", sagte der Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer.

Flexibler, attraktiver und nachhaltiger
"Ziel des Projekts ist es, gemeinsam mit den Schorndorfer Bürgerinnen und Bürgern ein zukunftsweisendes und gleichzeitig praktikables Mobilitätskonzept zu entwerfen und damit die Attraktivität des öffentlichen Personennahverkehrs weiter zu steigern", fasste Matthias Klötzke, Projektkoordinator des Reallabors Schorndorf und DLR-Wissenschaftler im Bereich Verkehr, zusammen. "Wir wollen möglichst flexibel und nah am Bedarf der Nutzer vor Ort sein, dabei aber auch durch die Wahl optimaler Routen und die Vermeidung unnötiger Fahrten den Ressourceneinsatz optimieren", so Klötzke weiter.

Als Mittelstadt im Ballungsraum Stuttgart steht Schorndorf exemplarisch für eine Raumstruktur, die in Baden-Württemberg weit verbreitet und deren prägendes Merkmal der Pendelverkehr zwischen Zentrum und Umland ist. Vor allem ausserhalb der Hauptverkehrszeiten wird der öffentliche Nahverkehr oft als zu wenig flexibel empfunden. Gleichzeitig wünscht sich die Bevölkerung mehr Einfluss auf die Verkehrsplanung. Hier setzt das Reallabor Schorndorf an: Ein individuell abrufbares Quartiersbussystem soll die Hauptverkehrsverbindungen in Zeiten schwächerer Nachfrage flexibel ergänzen.

Partizipation, Bedien- und Fahrzeugkonzept
"Da wir für das Quartiersbussystem auf feste Haltestellen, Linien und Fahrpläne verzichten, quasi Busfahren on demand anbieten, ergeben sich ganz neue Herausforderungen, zum Beispiel was die Kommunikation zwischen Fahrgast, Busfahrer und Leitstelle betrifft", beschreibt DLR-Forscher Matthias Klötzke. Fahrgäste sollen per Smartphone-App, Heimcomputer oder Telefon ihre Fahrtwünsche übermitteln können. Auf der Empfängerseite benötigen Busfahrer wie Leitstelle entsprechende Anwendungen und Nutzeroberflächen, um Fahrtenwünsche auszuwerten und umzusetzen. Dieses neue Bedienkonzept soll zunächst entwickelt und im Zuge eines Pilotversuchs voraussichtlich im Jahr 2018 erprobt werden. Auf Basis dieser Ergebnisse werden sich die Wissenschaftler auch über innovative Fahrzeugkonzepte Gedanken machen, die den Anforderungen eines bedarfsorientierten Buskonzepts am besten gerecht werden: Grösse, Zahl der Sitzplätze und Innenraumgestaltung werden dabei ebenso einfliessen wie Fragen nach der geeigneten Antriebstechnologie, dem Energieverbrauch und Emissionen.

Der Aspekt der Partizipation bildet einen weiteren Forschungsschwerpunkt des Reallabors. Von Anfang an sollen die Schorndorfer Bürger und kommunalen Gremien in die Arbeit der Wissenschaftler einbezogen werden, beispielsweise mittels öffentlichen Informationsveranstaltungen, Befragungen, Testnutzern und Mobilitätswerkstätten. Auf diese Weise wollen die Projektpartner das vorhandene Wissen der Bürger nutzen, Wünsche und Anforderungen erfassen und umsetzen sowie die Akzeptanz und Transparenz des Projekts fördern.

Hintergrund: Reallabor Schorndorf
Das „Reallabor Schorndorf: Zukunftsweisender Öffentlicher Verkehr - Bürgerorientierte Optimierung der Leistungsfähigkeit, Effizienz und Attraktivität im Nahverkehr (Boolean)" ist eines von sieben Forschungsprojekten, die gefördert vom baden-württembergischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst zukunftsfähige Lösungen für Herausforderungen in Ballungsräume erproben. In den Reallaboren stossen Wissenschaftler zusammen mit Kommunen, Unternehmen und Bürgern Veränderungen in der Stadt an und untersuchen diese. Das Reallabor Schorndorf erhält eine Förderung von rund 1.2 Millionen Euro über eine Projektlaufzeit von drei Jahren.

Text: Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

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