22. Jan 2016

Die neue Studie von Prof. Dr. Georg Steinhauser vom Institut für Radioökologie und Strahlenschutz wird in der Fachzeitschrift „Environmental Science & Technology“ vorgestellt. ©Bild: Leibniz Universität Hannover

Fukushima: Kontamination durch Erdarbeiten des Reaktorbetreibers aufgedeckt

(uni-hannover) Forscher der Leibniz Universität Hannover wirbeln mit ihrer Arbeit zu den Umweltauswirkungen von Fukushima gehörig Staub auf: Bei Erdarbeiten des Reaktorbetreibers TEPCO sind im August 2013, mehr als zwei Jahre nach dem Reaktorunfall, 300 Gigabecquerel an Cäsium-137 auf dem AKW-Gelände freigesetzt und durch den Wind weitergetragen worden. Die Zahlen sind Ergebnisse einer aktuellen Studie.


Die Studie „Post-Accident Sporadic Releases of Airborne Radionuclides from the Fukushima Daiichi Nuclear Power Plant Site“ wurde von Prof. Dr. Georg Steinhauser und dem Team vom Institut für Radioökologie und Strahlenschutz der Fakultät für Mathematik und Physik der Leibniz Universität Hannover durchgeführt und zur Titelstory der Dezember-Ausgabe der Fachzeitschrift „Environmental Science & Technology“ (Volume 49, Nr. 24) erkoren. Sie entstand in Kooperation mit der Kyoto University, der University of Tokyo und der Fukushima University. „Die Ergebnisse in diesem Ausmass haben uns überrascht, das haben wir nicht für vorstellbar gehalten. TEPCO hat offensichtlich die einfachsten Vorsichtsmassnahmen wie etwa Abdeckungen mit Planen zur Staubunterdrückung und das Warten auf günstige Windverhältnisse ausser Acht gelassen“, sagt Professor Steinhauser, Co-Initiator der Studie.

Stammt der Staub vom Kraftwerksgelände?
Woher wissen die Wissenschaftler, dass der Staub vom Kraftwerksgelände stammt und damit von TEPCO zu verantworten ist? „Unsere japanischen Co-Autoren haben wenige Monate nach dem Unfall 2011 drei Luftfilterstationen nördlich, westlich und südlich des AKW in Fukushima installiert, die seitdem in wöchentlichem Abstand ausgewertet wurden. So sind die hohen Werte nördlich von Fukushima im August 2013 erstmals aufgefallen“, berichtet Steinhauser. „Auch die Bodenproben und verschiedene Modellrechnungen legen nahe, dass es sich um eine sekundäre Verfrachtung von nach dem Unfall bereits abgelagertem radioaktiven Material handelt, das bei Erdarbeiten im August 2013 freigesetzt wurde und direkt vom AKW-Gelände stammt.“ Dafür sprechen auch die Kontaminationen selbst, die ihren Ursprungsort verraten haben: das schwerflüchtige Strontium-90 (Sr-90) wurde nach Fukushima meist nur in unmittelbarer Reaktornähe gefunden. „Wir haben aber mehrere Bodenproben in Minamisoma nicht nur auf Cäsium, sondern auch auf Sr-90 untersucht und festgestellt, dass jene Probe, die genau im Zentrum der von uns simulierten Wolke war, ganz aussergewöhnlich hohe Strontium-90-Konzentrationen aufwies“, erläutert Steinhauser. Das lege den Schluss nahe, dass diese Bodenprobe mit Partikeln kontaminiert worden ist, deren Ursprung in Reaktornähe liegen musste. „Wir gehen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon aus, dass die Staubwolken vom AKW-Gelände stammen“, sagt Steinhauser.

Darüber hinaus hätten die japanischen Kollegen bei der Auswertung von Meldungen von TEPCO Hinweise gefunden, dass in den fraglichen Zeiträumen auch die Arbeiter vor Ort einer hohen Belastung mit radioaktivem Staub ausgesetzt waren. Mit Blick auf die Zukunft ergänzt Steinhauser: „In Fukushima wird noch viele Jahrzehnte gebaggert werden – es kann nicht sein, dass TEPCO dabei jedes Mal eine derartige kontaminierte Staubwolke erzeugt.“

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Text: Leibniz Universität Hannover

1 Kommentare
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Dirk @ 25. Jan 2016 14:58

Der Link zur aktuellen Ausgabe bringt nun wirklich nix.
Falls jemand ernsthaft Interesse hat:
Environ. Sci. Technol., 2015, 49 (24), pp 14028–14035
DOI: 10.1021/acs.est.5b03155
Publication Date (Web): October 8, 2015
(Open access/ kein peer review)

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