14. Jan 2016

Das neue Verfahren zur Einbindung von Windenergieanlagen ermöglicht die genaue Ermittlung von Einspeiseleistungen und damit eine hohe Prognosequalität. ©Bild: Trianel GmbH

Windkraft: Auf dem Sprung in den Minutenreservemarkt

(PM) Der Leitfaden zur Präqualifikation von Windenergieanlagen hat die Weichen für eine weitere Integration der erneuerbaren Energien in die Regelenergiemärkte gestellt. Gemeinsam mit dem Direktvermarkter GESY Green Energy Systems und Enertrag hat die Stadtwerke-Kooperation Trianel ein neues Verfahren entwickelt, um mit Windenergie am Sekundär- und Minutenreservemarkt teilzunehmen.


„Unsere Tests mit den unterschiedlichen Windenergieanlagen von Enertrag sind positiv verlaufen. Die Windkraft hat das grosse Potenzial, über die Regelenergiemärkte eine grössere Systemverantwortung und traditionelle Aufgaben der konventionellen Erzeugung für die Versorgungssicherheit in Zukunft zu übernehmen“, betont Matthias König, Vorstand des Windenergieunternehmens Enertrag.

Hohe Prognosequalität
Das neue technische Verfahren zur Einbindung von Windenergieanlagen wurde an unterschiedlichen Windenergieanlagen von Enertrag getestet und geht über das herkömmliche Zusammenschalten von Windenergieanlagen über ein virtuelles Kraftwerk hinaus. Das Verfahren ermöglicht die genaue Ermittlung von Einspeiseleistungen und damit eine hohe Prognosequalität. Enertrag ist hier der führende Technologieentwickler. Das Unternehmen verfügt über grosse Windparks mit direktem Anschluss an das europäische Verbundnetz, eigene Umspannwerke, eine zentrale Leitwarte und die innovative Steuerungssoftware „Power-System“. „Technisch erfüllen wir damit bereits heute die regulatorischen Vorgaben der Übertragungsnetzbetreiber“, betont König.

„Die Erschliessung der Regelenergiemärkte stellt für die Direktvermarktung ein zukunftsträchtiges Segment dar und macht die Teilnahme der Windenergie an den Energiemärkten noch attraktiver“, erläutert Thomas Imber, Geschäftsführer der GESY. Die hohe Prognosequalität und Reaktionsgeschwindigkeit der Windkraftanlagen bestätige die technischen Möglichkeiten der Windkraft, Systemverantwortung zu übernehmen. Mit dem Leitfaden könne das gemeinsame Projekt nun in die weitere Umsetzungsphase geführt werden, so Imber weiter.

Klare Regelungen fehlen noch
„Eine wesentliche Frage für die Vermarktung der Windkraft an den Regelenergiemärkten beantwortet das derzeitige Präqualifikationsverfahren allerdings noch nicht“, hebt Stefan Sewckow, Bereichsleiter Trading & Origination bei Trianel hervor. Ungeklärt lassen die Übertragungsnetzbetreiber den künftigen Umgang mit Einspeisemanagement-Massnahmen (EisMan). „Uns fehlen klare Regelungen, wie EisMan und Regelenergievermarktung zusammen gehen können. Noch völlig offen ist, wie mit der Vorhalteverpflichtung und der Erbringung von Regelenergie bei Eingriffen durch EisMan-Schaltungen überhaupt zu verfahren ist“, betont Sewckow.

Trianel bündelt schon heute dezentrale Anlagen wie Biogasanlagen oder Blockheizkraftwerke in virtuellen Kraftwerken, um sie gemeinsam zu steuern und deren Leistung im Rahmen der Direktvermarktung an den Sekundärregelmärkten anzubieten. Trianel sichert durch ihre Möglichkeiten als kommunale Handelsplattform die Mindestangebotsgrösse und die nötige Reserve für die Teilnahme am Sekundärregelmarkt ab und stellt die erforderliche Energielogistik zur Verfügung.


Hintergrund: Regelleistung
Übertragungsnetzbetreiber sichern jederzeit die Stabilität des elektrischen Netzes. Dafür nutzen sie positive und negative Regelenergie, die Kraftwerksbetreiber über Ausschreibungen anbieten. Bislang wird dieser Markt vorwiegend durch konventionelle Grosskraftwerke bedient, die einen bestimmten Teil ihrer Leistung als Reserven für die Aufrechterhaltung der Stromnetzstabilität bereitstellen.

Positive oder negative Abweichungen von der Netzfrequenz (genormt 50 Hz) erfordern die Bereitstellung von Regelleistung. Die Begriffe Regelleistung oder Regelenergie beschreiben den physischen Ausgleich der Abweichungen von prognostizierter und tatsächlich abgenommener Energie in einer Regelzone. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Regelleistung zur Verfügung zu stellen. Der klassische Weg ist, dass schnell reagierende Kraftwerke wie Gasturbinen- oder Pumpspeicherkraftwerke kurzfristig die benötigte Leistung zur Verfügung stellen, indem sie Strom produzieren oder abnehmen. Neben den Grosskraftwerken können auch dezentrale Anlagen, die zu einem virtuellen Kraftwerk gebündelt werden, Regelenergie zur Verfügung stellen. Es geht aber auch durch Laststeuerungen, das heisst beispielsweise, dass bestimmte Energiekunden kurzfristig vom Netz genommen werden. In der Regelleistung werden Primärregelleistung, Sekundärregelleistung und Minutenreserveenergie entsprechend ihrer Aktivierungs- und Änderungsschnelligkeit unterschieden.

Text: Trianel GmbH

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