13. Nov 2015

Gemäss dem neusten World Energy Outlook ist die Energiewende weltweit im Gang. Die IEA fordert jedoch für den Klimagipfel in Paris klare Ziele. ©Bild: IEA

World Energy Outlook: IEA warnt vor Gefahren tiefer Energiepreise

(ee-news.ch) Die Internationale Energie Agentur (IEA) warnt davor, dass die tiefen Energiepreise die Versorgungssicherheit in Gefahr bringen könnten. Fehlende Investitionen in der Gas- und Erdölindustrie könnten einen sprunghaften Preisanstieg auslösen, ist im World Energy Outlook 2015 (WEO 2015) zu lesen (siehe auch ee-news.ch vom 13.11.2015 >>).


Auf dem Ölmarkt habe ein Anpassungsprozess begonnen, dieser verlaufe aber selten reibungslos. 2020 werde der Preis pro Barrel Erdöl bei 80 USD liegen. So steht es im zentralen Szenario des WEO 2015. Der WEO 2015 untersucht aber auch ein Szenario, bei dem die Ölpreise über eine längere Zeit niedrig bleiben könnten. Das käme den Anbietern zugute, die besonders günstig produzieren können, andere würden aus dem Markt gedrängt. Als Folge davon könnte die Abhängigkeit von Exporten des Mittleren Ostens auf ein Niveau steigen wie zuletzt in den 1970er Jahren. Eine derartige Machtkonzentration auf der Angebotsseite könnte die Versorgungssicherheit gefährden. Besonders betroffen davon wären die asiatischen Verbraucher, für die der grösste Teil des Öls der Förderländer des Mittleren Osten bestimmt ist.

Stärkste Nachfrage in Asien
2040 werde Asien die Region mit der stärksten Nachfrage nach den wichtigsten Energieträgern im weltweiten Energie-Mix sein: Öl, Gas, Kohle, erneuerbare Energien und Kernenergie. Indien werde China als Land mit dem grössten Wachstum der Energienachfrage ablösen. Chinas Nettoölimporte werden 2040 fast fünfmal so hoch sein wie die der USA, Indiens Nettoölimporte werden leicht über denen der Europäischen Union liegen.

„Jetzt ist nicht die Zeit, um sich auszuruhen“, sagte der IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol an der Pressekonferenz zur Vorstellung des WEA 2015. „Im Gegenteil: Eine Zeit niedriger Ölpreise ist der Moment, unsere Anstrengungen zu verstärken und sich mit den Gefahren der Versorgungssicherheit zu beschäftigen.“

Indien erobert Weltenergie-Bühne
Chinas Kohleverbrauch werde sich ungefähr auf dem heutigen Niveau einpendeln. Die Veränderungen beim Wirtschaftswachstum verlangsamten auch das Wachstum der Gesamtenergienachfrage, bevor diese zurückgehe. Indien – auf das im WEO-2015 intensiv eingegangen wird – erobert die Weltenergie-Bühne, mit einem hohen Wirtschaftswachstum, einer grossen (und wachsenden) Bevölkerung und einem niedrigen (aber steigenden) Pro-Kopf-Energieverbrauch. Die Energienachfrage werde auf das Zweieinhalbfache des gegenwärtigen Niveaus steigen.

Die weltweite Energienachfrage wird gemäss dem zentralen Szenario des WEO 2015 zwischen 2013 und 2040 insgesamt um etwa ein Drittel steigen, wobei das Nettowachstum vollständig auf das Konto der Entwicklungsländer geht. Der Zusammenhang zwischen globalem Wirtschaftswachstum, Energienachfrage und energiebezogenen Emissionen soll sich aber abschwächen: Einige Märkte (darunter auch China) durchlaufen strukturelle Änderungen in der Wirtschaft, andere erreichen bei der Energienachfrage einen Sättigungspunkt. Energieeffiziente Technologien kommen überall zum Einsatz. Allerdings könnte eine länger anhaltende Phase mit niedrigen Ölpreisen diesen bedeutenden Pfeiler der Energiewende untergraben. Niedrigere Preise allein hätten keine grossen Auswirkungen auf den Ausbau der Erneuerbaren, wenn die Politiker weiterhin für die erforderlichen Marktregeln, Strategien und Subventionen sorgten.

Energiewende ist im Gange
Kurz vor dem entscheidenden Klimagipfel COP21 in Paris gibt es eindeutige Zeichen dafür, dass die Energiewende im Gange ist: Erneuerbare Energien machten 2014 fast die Hälfte der neuen Stromerzeugungskapazität weltweit aus und waren die zweitgrösste Stromerzeugungsquelle (nach Kohle). Der Umfang von Energieeffizienzverordnungen weltweit hat sich auf mehr als ein Viertel des globalen Verbrauchs ausgedehnt. Viele Klimaschutzversprechen, die im Vorfeld des Klimagipfels COP21 abgegeben werden, enthalten Verpflichtungen zum Ausbau der erneuerbaren Energien und der Erhöhung der Energieeffizienz. Dies spiegelt sich auch im WEO-2015 wider, der bis 2040 in den Erneuerbaren die führende Energieerzeugungsquelle sieht. Der Ausbau der erneuerbaren Energien nimmt weltweit zu, besonders im Stromsektor. Dort werden die Erneuerbaren in den frühen 2030er Jahren die Kohle als grösste Energieerzeugungsquelle ablösen. Die Erzeugung aus erneuerbaren Energien erreicht 2040 in der EU einen Anteil von 50%, in China und Japan etwa 30% und in den Vereinigten Staaten und Indien etwa 25%.

Kurskorrektur gefordert
Laut zentralem Szenario des WEO 2015 wird sich die Zunahme der energiebezogenen Emissionen stark verlangsamen, der Emissionsverlauf aber dennoch bis 2100 zu einem langfristigen Temperaturanstieg von 2.7 C führen. Um das Weltklimaziel zu erreichen, ist eine bedeutende Kurskorrektur erforderlich. „Als grösste Quelle der Treibhausgasemissionen muss der Energiesektor im Mittelpunkt der globalen Aktionen stehen, mit denen der Klimawandel bewältigt werden soll“, so Dr. Birol. „Die Staats- und Regierungschefs der Welt müssen in Paris eine klare Richtung vorgeben, um den Wandel des globalen Energiesektors zu beschleunigen“.

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©Text: www.ee-news.ch, Quelle: IEA, ©Übersetzung: ee-news.ch

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