09. Nov 2015

Die Schnecke in der BV Kompostieranlage Oensingen AG würgt die im Bioabfall «entdeckten» Fremdstoffe heraus, die sonst ungefiltert in Kompost und Gärgut gelandet wären. Bild: T. Rütti

In der ChemRRV wird der Umgang mit «bestimmten besonders gefährlichen Stoffen, Zubereitungen und entsprechenden Gegenständen» geregelt. Welche zusätzlichen Anforderungen gelten im Bereich Kompost und Gärgut? Bild: T. Rütti

150 Teilnehmende bekamen am 4. November neue Erkenntnisse präsentiert in der Genossenschaft VEBO sowie in der nahegelegenen BV Kompostieranlage Oensingen AG. Bild: T. Rütti

«Die Existenz unserer Branche ist nur dann gerechtfertigt, wenn nicht nur die energetische Seite optimiert wird, sondern auch die stoffliche», so Arthur Wellinger, Vizepräsident Biomasse Suisse, Bild: T. Rütti

Daniel Trachsel musste darauf verzichten, über die neue Technische Verordnung über Abfälle zu orientieren, da die TVA zum Zeitpunkt des Herbstanlasses vom Bundesrat noch nicht verabschiedet war. Bild: T. Rütti

Dr. Konrad Schleiss konnte auf seine jahrzehntelange berufliche Erfahrung zurückgreifen und so seinen Ausführungen über Geschichtliches und Rechtliches auch eine gewisse Brillanz verleihen. Bild T. Rütti

«Offensichtlich haben wir mit dem gewählten Hauptthema ‹Fremdstoffe in der Grüngutverarbeitung› einen Nerv getroffen», so Nationalrat Dominique de Bumann, Präsident Biomasse Suisse. Bild: T. Rütti

Lucile Noury von GreenCREATIVE (Sucy-en-Brie F) präsentierte Flexidry, eine innovative Kompostierungsanlage für Bioabfälle, die rein mechanisch arbeitet. Bild: T. Rütti

«Das System hat sich bewährt: seit Einführung des Störstoffdetektors haben die Bioabfälle, die zuvor am Kompostwerk durch hohe Störstoffanteile auffielen, eine sehr gute Qualität», so Hans J. Maier. Bild: T. Rütti

Biomasse: Fremdstoffe, das leidige Branchen-Dauer-Thema

(©TR) Es bleibt die Sorge der Branche: In Gärgut und Kompost hat es zu viele Fremdstoffe – je nach Region, Quartier und sozialer Zusammensetzung der Bevölkerung zeigt sich diese Problematik mehr oder weniger verschärft. Also widmete Biomasse Suisse seinen am 4. November 2015 in der Genossenschaft VEBO abgehaltenen Herbstanlass 2015 dieser Thematik.


Grundsätzliches über Fremdstoffe in Gärgut und Kompost erfuhren die anwesenden Verbandsmitglieder sowie weitere Branchen- oder Behördenvertreter von Arthur Wellinger, Vizepräsident von Biomasse Suisse. «Wer biogene Abfälle verarbeitet statt sie zu verbrennen, hat langfristige nur dann eine Existenzberechtigung, wenn das Endprodukt einwandfrei ist. Wer dies ignoriert, ignoriert auch, dass Energie aus Bioabfällen auch durch die Verbrennung in einer KVA oder die Vergärung in einer ARA genutzt werden kann», so der Vizepräsident. Bei diesen Prozessen sei es einerlei, ob Fremdstoffe im Abfall seien, die organische Substanz werde am Schluss eh verbrannt und die Energie sehr günstig produziert. Wörtlich sagt Arthur Wellinger: «Somit rechtfertigt sich die Existenz der ganzen Branche nur dann, wenn nicht nur die energetische Seite optimiert wird, sondern auch die stoffliche. Anders gesagt: Wenn die Produkte keinen Absatz mehr finden, müssen die Anlagen eines Tages geschlossen werden – der Weg über KVA oder ARA ist sowieso günstiger…»

Neue TVA vom Bundesrat noch nicht
verabschiedet
Daniel Trachsel hatte ursprünglich vor, am Herbstanlass in Oensingen über die neue TVA zu informieren, musste dann aber doch darauf verzichten: Zum Zeitpunkt der Biomasse-Suisse-Veranstaltung hatte der Bundesrat die neue Technische Verordnung über Abfälle noch nicht verabschiedet, so dass der Geschäftsführer höchstens darüber hätte spekulieren können. Also musste er sich am 4. November darauf beschränken, die 150 (!) Teilnehmenden durch die an Inputs und neuen Erkenntnissen so reichen Veranstaltung in der Genossenschaft VEBO sowie der nahegelegenen BV Kompostieranlage Oensingen AG zu führen und das allgegenwärtige, leidige Fremdstoffe-im-Abfall-Problem auch noch aus seiner Optik als Verbands-Geschäftsfüher zu erörtern.

Exkurs bis zur heutigen ChemRRV
«Begrenzung der Fremdstoffgehalte in Kompost und Gärgut in der Schweiz – Geschichtliches und Rechtliches», so der Titel des Referats von Konrad Schleiss von der UMWEKO GmbH (Grenchen). Zu Beginn seiner Ausführungen sprach er über das «Leitbild für die Schweizerische Abfallwirtschaft» aus dem Jahre 1986, am Ende über die aktuelle Chemikalien-Risiko-Reduktionsverordnung, ChemRRV, in welcher der Umgang mit «bestimmten besonders gefährlichen Stoffen, Zubereitungen und entsprechenden Gegenständen» buchstabengenau geregelt ist. Klar, dass die Teilnehmenden vor allem erfahren wollten, welche zusätzlichen Anforderungen im Bereich Kompost und Gärgut gelten und ob es sich hierbei um definierte Grenzwerte handelt. Dr. Schleiss konnte speziell auch in der Fragerunde auf seine jahrzehntelange berufliche Erfahrung in diesem Metier zurückgreifen und so seinen Ausführungen zusätzlich noch etwas Brillanz verleihen, statt die geschichtlichen und rechtlichen Hintergründe bloss sachlich-fachlich vortragen zu müssen. Kaum einen Hauch von «Trockenheit» hatte denn auch sein zweiter Vortrag «Resultate von Fremdstoffanalysen schweizerischen Proben und ihre Einordnung in den gesetzlichen Rahmen».

Wirbelstrom-Induktions-Detektor findet Metalle

Eine Problemlösungsmöglichkeit präsentierte Hans J. Maier von der Umwelttechnologiefirma Maier & Fabris GmbH (Tübingen/D): Ein Wirbelstrom-Induktions-Detektor ortet praktisch alle Metalle im Bioabfall: «Die Erkennung geschieht im Sammelfahrzeug in Echtzeit und ohne Verzögerung. Es werden dabei selbst versteckte Störstoffe ausfindig gemacht. Unser Detektor lässt sich je nach gewünschter Empfindlichkeitsstufe einstellen.» Es erfolgt augenblicklich eine Protokollierung der Vorgänge am Bordcomputer, wobei eine Auswertung beispielsweise nach Quartieren möglich ist. Das Vorhandensein von Metall lässt allem Anschein nach recht zuverlässig auf die gesamte Verschmutzung im Bioabfall schliessen, also inklusive Kunststoff und Glas usw. im Container. «Das System hat sich bewährt: seit Einführung des Störstoffdetektors haben die Bioabfälle, die zuvor am Kompostwerk durch hohe Störstoffanteile auffielen, eine sehr gute Qualität», so Hans J. Maier.

«
Transformez vos déchets en ressources»
Lucile Noury von der Technologiefirma GreenCREATIVE (Sucy-en-Brie F) stellte das System Flexidry zur Reduktion von Fremdstoffen bei der Entpackung von Lebensmitteln vor: «Flexidry ist eine neuartige Maschine zum Entpacken von überlagerten Lebensmitteln, die praktisch keine Fremdstoffe in der entpackten organischen Fraktion belässt. Sie arbeitet rein mechanisch und kommt ohne den Einsatz von Wasser aus.» Abfälle in Ressourcen transformieren, so der Slogan ihrer Firma: «Transformez vos déchets en ressources». 2010 wurde die Firma gegründet, unterdessen konnte Lucile Noury für ihre kreativen Ideen und Projekte bereits diverse Preise einheimsen, wie den Prix Entreprise & Environnement 2015, den Prix Energie de la start-up de l’année 2015. 2014 wurde sie mit ihrer Entwicklung immerhin Finalistin im Grand Prix de l’Innovation de la Ville de Paris.

Sich in statistische und wissenschaftliche Erhebungen vertiefen

Weil bisher Analysen aus der Schweiz weitgehend fehlten, wurden speziell für den Herbstanlass 2015 von Biomasse Suisse Dutzende Proben unterschiedlichster Anlagen und Produkte gezogen und in einem spezialisierten Labor in Deutschland untersucht. Alle Fachvorträge, auch jene mit reihenweise Daten aus Erhebungen und Statistiken, können auf der Homepage von Biomasse Suisse nachgelesen werden: Es ist dies zum Beispiel die Vorstellung von zwei Forschungsprojekten des Forschungsinstituts für biologischen Landbau FiBL: «Langfristiger Einfluss von Kompost und Gärgut auf Boden und Umwelt» sowie «Verarbeitung biogener Abfälle: Was passiert mit dem Neophyten Erdmandelgras?», präsentiert von Inspektor Jacques Fuchs von der Biophyt AG. Zudem: «Methoden zur Analyse von Fremdstoffen, Praxis, Erfahrungen und Vorgehen in Deutschland, Statistik von Fremdstoffanalysen in Komposten», präsentiert von Inspektor Ulrich Galli von der Terra Nova Umweltberatung GmbH. Aber auch dies: «Bilanzierung des Restkunststoffanteils verpackter Lebensmittel nach der Zerkleinerung», erörtert von Urs Baier, ZHAW Wädenswil.

Beflügelt, als alles wie am Schnürchen lief

 «Offensichtlich haben wir mit dem gewählten Hauptthema ‹Fremdstoffe in der Grüngutverarbeitung› einen Nerv getroffen, hoffentlich aber nicht in ein Wespennest gestochen», so Nationalrat Dominique de Bumann angesichts einer 150-köpfigien interessierten Teilnehmerschar; bei der Planung der Tagung ging man zunächst von etwa der Hälfte aus. Trotz der grossen Nachfrage kam es zu keinen organisatorischen oder infrastrukturellen Problemen und Pannen. Und selbstverständlich musste auch diesmal nicht auf die Simultanübersetzung Deutsch-Französisch, Französisch-Deutsch verzichtet werden – lauter Voraussetzungen, die den Biomasse-Suisse-Präsidenten de Bumann und die Verantwortlichen bei der Durchführung der Tagung nur zu beflügeln schienen.

Zu den Fachvorträgen >>

©Text: Toni Rütti, Redaktor ee-news.ch

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