24. Jan 2014; akt. 23. Jan 2014

Sven Koehler (mitte) mit Vertretern von Klimastiftung Schweiz. ©Bild: Klimastiftung Schweiz

Klimastiftung Schweiz: Windkraft ohne Windrad

(PM) Die Zürcher Firma Anerdgy feiert am Dienstag, 21. Januar 2014, die Einweihung ihres Windkraftwerks für Hausdächer. Ein Prototyp der Erfindung WindRail (Windschiene) ist auf dem Dach des Getreidesilos der Landi in Marthalen installiert. Er wandelt Wind, Druckunterschiede und Sonnenenergie in Strom um.


In Marthalen im Zürcher Weinland wird ein neuartiges Windkraftwerk eingeweiht. Doch wer im Dorf nach neuen Windrädern Ausschau hält, ist auf der falschen Spur. Das WindRail Modul der Zürcher Firma Anerdgy auf dem Getreidesilo der Marthaler Landi sieht eher aus wie ein Lüftungsaufsatz und hat mit einem Windrad nur gemeinsam, dass beide dieselbe Energiequelle nutzen. Das Zürcher KMU testet dieses kleine Kraftwerk in Marthalen, um es später auf Alt- und Neubauten in der ganzen Schweiz und in Europa zu installieren. Strom erzeugt das WindRail auf drei verschiedene Arten. Erstens wird der Wind genutzt, der an der Hausfassade hochzieht. Zweitens verwertet die Anlage Druckunterschiede an der Dachkante. Und drittens wird die Sonnenenergie genutzt, die auf die Installation trifft. Ziel ist, dass in einigen Jahren insbesondere Eigentümer von Gebäuden mit Flachdächern eine wirtschaftliche und ästhetische Möglichkeit haben, einen guten Teil des Energiebedarfs ihrer Häuser selbst zu decken.

«Ich wollte die Vorteile von Wind und Sonne – aber ohne die Nachteile»
Der Ingenieur und Ökonom Sven Koehler hat das WindRail System entwickelt und dazu im Jahr 2012 die Firma Anerdgy gegründet. Auf die Idee der Erfindung kam Sven Koehler durch seine Eltern. Diese suchten ein System für ihr Hausdach, das sowohl Wind als auch Sonne zur Energiegewinnung nutzt. Doch was sie suchten, gab es bisher nicht. «Ich habe gesehen, dass da eine Lücke besteht und begonnen, Konzepte zu entwickeln», erzählt Sven Koehler. Dabei listete er zuerst alle seine Anforderungen an die Erfindung auf. «Oft wird die Windnutzung etwas negativ angeschaut, weil es zu Schattenwurf, Lärmbelastung, einer Störung des Landschaftsbilds oder der Natur kommen kann. Ich wollte eine Lösung präsentieren, welche die Vorzüge von Wind und Sonne kombiniert, ohne die Nachteile der beiden zu haben. Denn in Kombination der drei Energiequellen können je nach Standort während bis zu 90 Prozent der Jahresstunden Strom erzeugt werden.» Der erste Prototyp wurde mit fachlicher Unterstützung der Fachhochschule Nordwestschweiz und drei Industriepartnern realisiert.

Finanzielle Unterstützung für seine Entwicklung erhält Sven Kohler vom Klimafonds Stadtwerk Winterthur und der Klimastiftung Schweiz. Der Klimafonds, der Innovationen im Cleantech-Bereich in der Region Winterthur unterstützt, stellt dem Projekt seit Mitte letzten Jahres 150‘000 Franken für die sehr frühe Phase bis zum ersten Prototyp zur Verfügung. Nun führt die Klimastiftung Schweiz dieses Engagement weiter. Sie bezahlt für die Erreichung verschiedener festgelegter Meilensteine insgesamt 195'000 Franken. Die Stiftung unterstützt Klimaschutzmassnahmen von KMU in der Schweiz und in Liechtenstein. «Ohne die Unterstützung durch den Klimafonds Stadtwerk Winterthur und die Klimastiftung Schweiz, neben Eigenmitteln und ein wenig Idealismus, könnten dieses und andere vielversprechende Projekte oft nicht realisiert werden. Investoren kommen erst nach dem Proof of concept», erläutert Sven Koehler.

Hohe Erwartungen an WindRail
Bei der Einweihung in Marthalen anwesend sind Matthias Gfeller, Winterthurer Stadtrat und Vorsitzender des Klimafonds Stadtwerk Winterthur, sowie Vincent Eckert, Geschäftsführer der Klimastiftung Schweiz. Ihre Erwartungen an das WindRail sind hoch. Eine Marktstudie mit der Universität St. Gallen zeigt, dass in der Schweiz etwa jedes hundertste Haus für eine Installation des WindRails geeignet wäre. Das höchste Potenzial besteht in dicht besiedelten Gegenden mit starken Lokalwinden. Beispiele dafür sind die Region Basel oder die Föhntäler, wie etwa das Rheintal. Das bestätigt auch die Solargenossenschaft Liechtenstein, welche in den vergangenen Jahren diverse Berichte zu den Windverhältnissen an mehreren Standorten in Liechtenstein vorgestellt hat. «Das vorgestellte Konzept könnte auch für Liechtenstein interessant sein, da dieses System die Windkraftnutzung auch innerhalb des Siedlungsgebiets erlaubt», so Bruno Dürr, Geschäftsführer der Solargenossenschaft. In Ländern wie Deutschland oder England, wo es mehr Wind aber zum Teil weniger Sonneneinstrahlung gibt, besteht ein noch grösseres Potenzial als in der Schweiz. Je nach Haus kann das WindRail System auf dem Dach rund 15 bis 70 Prozent des Strombedarfs dieses Hauses decken.

Text: Klimastiftung Schweiz

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