22. Aug 2012

Wie der Beck Berwert aus Stalden OW traditionelles Handwerk und moderne Technologie vereint. Bild: Energie-Agentur

Beck Berwert: Handwerk von früher, Technologie von heute

(Energie-Agentur) Der Beck Berwert aus Stalden hat sich 2011 zur Teilnahme am KMU-Modell der Energie-Agentur der Wirtschaft entschlossen. Mit drei Massnahmenpaketen und Unterstützung durch das Elektrizitätskraftwerk Obwalden (EWO) wird der Betrieb seinen Energieverbrauch bis 2020 um rund 10 Prozent senken können.


Arbeiten wo andere Urlaub machen, ist ein Bonmot, das für den Arbeitsplatz von Marco Berwert, Bäckermeister und Betriebswirtschafter HF, zutrifft. In Stalden OW – mit einem wunderbaren Ausblick auf den Sarner See – führt er in vierter Generation den Familienbetrieb Beck Berwert. Das war nicht immer so: Als Skiakrobat und Teamkoordinator der Schweizer Skiakrobatik Nationalmannschaft auf der ganzen Welt zu Hause, hängte Berwert nach den olympischen Spielen in Lillehammer die Ski an den Nagel und übernahm 1995 den elterlichen Betrieb. Sein sportliches Ziel auch hier: Punkto Qualität und Energieeffizienz zu den Besten gehören.

Mit starken Partnern unterwegs

Bereits seit Juli 2011 setzt der Betrieb, bestehend aus 4 gelernten Bäckern und Konditoren sowie vier langjährigen MitarbeiterInnen im Verkauf, auf Naturstrom des Elektrizitätswerks Obwalden, namentlich erneuerbare Energie aus der Obwaldner Wasserkraft. Das Elektrizitätswerk Obwalden, ein Partner der EnAW, war es denn auch, welches Berwert auf das KMU-Modell der EnAW aufmerksam machte. Unser 2004 in Betrieb genommener elektrischer Ofen als auch die 2008 installierte grosse Kühlzelle mit neuester Kältetechnik benötigen viel Energie. Bei rund 200 000 kWh Jahresverbrauch, versuche ich bereits seit längerem, die Energieeffizienz zu erhöhen. Bereits seit vier Jahren ist eine effiziente Wärmerückgewinnung für Brauchwasser sowie die Gebäudeheizung in Betrieb. Mit der EnAW hat uns nun das EWO einen Partner vermittelt, der uns von der Planung, über die Umsetzung bis hin zum Monitoring weiter im Prozess begleitet.»

Drei Massnahmenpakete formuliert
So haben Marco Berwert und Simon Solenthaler, KMU-Berater der EnAW, im Jahr 2011 den Bäckereibetrieb mit Lebensmittelladen auf Herz und Nieren geprüft und zusammen drei Massnahmenpakete formuliert, welche bis ins Jahr 2020 eine Energieeinsparung von rund 10 Prozent vorsehen. Entscheidend, so Berwert, sei hierbei vielfach nicht nur die Entscheidung für eine Massnahme, sondern auch der optimale Investitionszeitpunkt. So werde, auch auf Anraten von KMU-Berater Solenthaler, bei der Umsetzung des neuen Beleuchtungskonzeptes und dem Ersatz alter Leuchtmittel durch LED noch zugewartet, bis leistungsfähigere aber auch kostengünstigere Produkte zur Verfügung stehen. Bereits begonnen wird jedoch mit der Sanierung der gesamten Gebäudeisolierung, welche schlussendlich eine Stromreduktion von 22 000 kWh pro Jahr zeitigt.

Dem
Markt einen Schritt voraus
Rund 60 Prozent des Umsatzes des Bäckereibetriebs wird nicht an der Ladentheke, sondern durch die Belieferung von Hotellerie- und Gastrobetrieben erwirtschaftet. Entsprechend ist es für Berwert selbstverständlich, dass er sich auch beim Transport der Nachhaltigkeit verpflichtet. Wird ein erstes Fahrzeug bereits mit Erdgas betrieben, so setzt Berwert bei der Anschaffung des neuen Transporters auf ein mit EcoFuel betriebenes Fahrzeug, welches mit klimaneutralem Biogas vom ewl Luzern betrieben wird. Ganz einfach war dieser Schritt aber nicht, da trotz anderslautenden Werbeversprechungen ein EcoFuel-Transportfahrzeug noch nicht zum Standard der Automobilbranche gehört. Berwert verfolgte die Idee beharrlich – und mit Erfolg: Sein neuer T5 mit EcoFuel-Antrieb wird bei VW in Wolfsburg auf Kundenwunsch für ihn gefertigt. Ein zu grosser Aufwand für eine Einsparung von 1000 kWh Energie pro Jahr? Weit gefehlt! «Auch wenn wir das Handwerk von früher noch pflegen, sind wir nicht von gestern. Ich will hinter unserem Leitbild, welches dem nachhaltigen Wirtschaften Rechnung trägt, stehen können. Wir setzen auf Glaubwürdigkeit – dies wird sich auch in Zukunft bewähren.»

Energiesparmassnahmen Bäckerei
Berwert
Der Beck Berwert hat im Jahr 2011 eine Zielvereinbarung mit der EnAW abgeschlossen. Bis im Jahr 2020 soll der Energieverbrauch von 213 000 kWh um über 10 Prozent gesenkt werden.

Grösste Einsparungspotenziale

  • „Neue Isolierung des Dachstuhls: 16 500 kWh/a
  • „Neue Isolierung der Gebäudehülle: 5 500 kWh/a
  • „Neues Beleuchtungskonzept: 5 000 kWh/a
  • „Umstellung auf Erdgas-Fahrzeug: 1 000 kWh/a

Interview
Mit Marco Berwert, Inhaber Beck Berwert, Mitglied der Geschäftsleitung Schweizerischer Bäcker-Konditorenmeister-Verband.

Was bringt Ihnen die Zusammenarbeit mit der EnAW?

Mit der Zusammenarbeit mit KMU-Berater Solenthaler bin ich sehr zufrieden. Sie bringt mir neue Blickwinkel im Bereich der Energieeffizienz und ist langfristig ausgelegt. Die Kombination von Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit der umzusetzenden Massnahmen ist für unseren Betrieb zentral: Denn bei aller Sorge um die Nachhaltigkeit müssen die investierten Gelder auch innerhalb eines vernünftigen Zeitrahmens amortisiert werden. Dank der Vermittlung von weiteren Partnern, wie beispielsweise der Klimastiftung Schweiz, profitieren wir zudem auch von reduzierten Beitragssätzen.

Ihr Bäckereibetrieb stellt alle Produkte von Grund auf selbst her. Kann Ihr Betrieb in der langen Frist so gegen die grössere Konkurrenz bestehen?

Wir setzen bei uns bewusst auf traditionelles Handwerk und die Kennwerte einheimisch – natürlich – genussvoll. Wir setzen auf Rohstoffe, die auf Schweizer Grund und Boden, in unserem eigenen Ökosystem wachsen dürfen. Bei der Verarbeitung nutzen wir die natürlichen Eigenschaften der Zutaten und verzichten auf den Einsatz von künstlichen Produktionsmitteln.

Aus meisterhaftem Handwerk entstehen lange frischbleibende Brote mit echtem, genussvollem Geschmack. Durch unser verantwortungsvolles Handeln sind wir überzeugt, dass wir mit unseren Produkten gegenüber industriell gefertigten Backwaren noch lange bestehen können. Kleinere Bäckereibetriebe, die schliessen, tun dies in der Regel nicht nur aufgrund der Konkurrenz durch Grossbäckereien. Vielfach sind fehlende Nachfolgeregelungen oder nicht getätigte Reinvestitionen in den Betrieb die Gründe, welche zu einer Geschäftsaufgabe führen. Ein Backofen schlägt mit 150 000 Franken, ein Kühlhaus schnell mit 250 000 Franken zu Buche. Der heutige Bäckermeister muss nebst dem Handwerk auch die betriebswirtschaftlichen Zahlen im Griff haben. Nur so wird unser schönes Handwerk auch in Zukunft bestehen können.

Weiss Ihre Kundschaft überhaupt, was bei Ihnen hinter der Theke an ökologischer Arbeit geleistet wird?

Natürlich können wir im Bereich des Marketings nicht mit den Grossen Schritt halten. Im Zentrum steht vor allem das persönliche Gespräch mit unserer Kundschaft. Partnerschaften wie diejenige mit dem EWO, von welchem wir 100 Prozent Strom aus Wasserkraft beziehen, machen wir auf dem Verpackungsmaterial für unsere Backwaren kenntlich. Zugleich nutzen wir das Gütesiegel «Naturel» des Schweizerischen Bäcker-Konditorenmeister-Verbandes. Es steht nebst hohen Anforderungen an Handwerk und Rohstoffe auch für regionales Handeln, d.h. für kurze Wege und somit auch ökologisches Verhalten.

Text: Energie-Agentur der Wirtschaft

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