27. Apr 2011

Aktivisten projizieren das Bild eines schreienden Atomkopfes (Munch) auf den Sarkophag des AKW in Tschernobyl.

Projektion auf Tschernobyl-Sarkophag

(PM) Mit einer Projektion auf den Sarkophag des Atomkraftwerks Tschernobyl erinnerte gestern die Umweltschutzorganisation Greenpeace an den Beginn der Atomkatastrophe von 1986. Um 1:23 Uhr, exakt 25 Jahre nach der Explosion des Reaktors Nummer 4, waren auf der Schutzhülle die Worte «Stoppt den atomaren Wahnsinn!» zu lesen.

«Die Atom-Explosion in Tschernobyl brachte furchtbares Leid über Millionen von Menschen. Und sie tut es immer noch», sagt Kumi Naidoo, Geschäftsführer von Greenpeace International. «Wir sind heute mit unseren Gedanken bei den Opfern der Katastrophe und ihren Verwandten. Wir fühlen die moralische Verpflichtung, aus Tschernobyl zu lernen.»

In den frühen Morgenstunden des 26. April 1986 kam es im Atomkraftwerk Tschernobyl zum Super-GAU. Das Unglück ereignete sich in einem graphitmoderierten Druckröhrenreaktor vom Typ RBMK. Ursache für die Havarie war eine Kombination aus menschlichem Versagen und einem Konstruktionsfehler des Reaktortyps, den mehrere Explosionen zerstörten. Seine Ummantelung fing Feuer und brannte zehn Tage lang. Dabei gelangte radioaktives Material in die Atmosphäre und verteilte sich weiträumig über ganz Europa. Grosse Flächen wurden dabei kontaminiert. Experten vermuten, dass noch immer 95 Prozent der 190 Tonnen Kernbrennstoff in der Reaktorruine liegen. Ein Sarkophag aus Metall soll den Austritt weiterer Strahlung verhindern. Doch die Schutzhülle ist instabil und droht zu kollabieren.

«Die Dimension der Atomkatastrophe sprengt noch immer unser Vorstellungsvermögen. In Pripjat, etwa zwei Kilometer vom Reaktor entfernt, lebten vor 25 Jahren noch 50.000 Einwohner. Heute sieht es dort aus wie in einer Geisterstadt. Noch viele Generationen werden mit den gravierenden Folgen von Tschernobyl kämpfen müssen», sagt Tobias Münchmeyer, Atomexperte bei Greenpeace.

Tschernobyl-Katastrophe werde sich nicht wiederholen…
Vertreter der Atomindustrie behaupteten vermehrt, die Tschernobyl-Katastrophe sei ein bedauerlicher Einzelfall und werde sich nicht wiederholen. Das Erdbeben und der darauf folgende Tsunami in Japan am 11. März 2011 bewiesen das Gegenteil. Die Naturkatastrophe führte im Atomkraftwerk Fukushima zu schwersten Unfällen in vier Kraftwerksblöcken, die mit dem Unglück von Tschernobyl vergleichbar sind. Greenpeace warnt seit Jahren vor den Gefahren der Atomkraft. Vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse präsentierte die Umweltschutzorganisation Anfang April 2011 ein neues Energiekonzept «Der Plan». Dieses zeigt, dass Deutschland bis 2015 endgültig aus der Atomkraft aussteigen kann. Die Stromerzeugung aus 100 Prozent Erneuerbaren Energien ist im Jahr 2050 möglich.

Text: Michelle Bayona, www.greenpeace.de/themen/atomkraft

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