18. Apr 2011

Haben Sie sich in Widersprüchen verheddert, Herr Pelli?

FDP-Präsident Fulvio Pelli bezog in der letzten Samstagsrundschau von Radio DRS Stellung zu den letzten Kantonswahlen und verhedderte sich dabei im Gespräch mit Oliver Washington prompt in Widersprüchen, was Energiefragen anbelangt.


Tatsächlich kamen von Fulvio Pelli Aussagen, die kaum einen Sinn machen, namentlich gab es unklar formulierte Behauptungen in Bezug auf Solarenergie und Atomstrom. Zur Unterstützung der Solarenergie meinte der FDP-Chef beispielsweise, es gebe ja zwei Typen von Anlagen. Die einen, die für Warmwasser, brauchten gar keine Hilfe, weil sie logisch und effizient seien und relativ wenig kosteten. Und dann noch die anderen, die eine sehr tiefe Effizienz aufweisen würden und deren Leistung in einem absoluten Missverhältnis zum Preis stehe. In die Photovoltaik zu investieren sei keine gute Idee. Wahrscheinlich wegen der bereits fortgeschrittenen Zeit der Radiosendung kam der Interviewer nicht mehr dazu, sich dies noch im Detail erklären zu lassen.

War Fukushima bloss «etwas Emotionales»?
Wir zitieren aus der Samstagsrundschau: «Es gibt 60 Prozent erneuerbare Energie, vor allem Wasser, sowie 40 Prozent Atomenergie. Mit diesen 40 Prozent sind wir angreifbar, wenn etwas passiert», so Fulvio Pelli.  «Die Versorgungssicherheit war in der Schweiz stets garantiert.» 40 Prozent Atomenergie sei früher ein gesetzter Wert gewesen, an dem jetzt gerüttelt werde. Es mache die Partei angreifbar, wenn etwas «Emotionales» passiere… Fulvio Pellis Aussage hört sich so an, als ob eine AKW-Katastrophe wie der Super-Gau in Fukushima bloss etwas «Emotionales» sei. Mühe bereitet Fulvio Pelli die Haltung vieler Mitmenschen: Ihre Sorgen beeinflussten die Entwicklung der Politik. Unbestritten ist, dass Energiefragen und die Frage nach der Sicherheit der AKWs heute in der öffentlichen Diskussion klar eine Spitzenposition einnehmen, offenbar zum Leidwesen so mancher Freisinnigen. Die Grünen bezeichnete Fulvio Pelli bloss als «eine Bewegung». Auf die Aufforderung von Oliver Washington, er, Fulvio Pelli, möge doch auch Fehler und Fehlentscheide der FDP eingestehen, wollte dieser – wie zu erwarten – nicht eintreten. «Wir treffen systematisch Entscheide, die in die richtige Richtung gehen…»

Zwischen Zielen, Mittel und Freiheit
Dass die FDP bereits 2009 gegen ein Ersatzprogramm für Elektroheizungen mit Wärmepumpen war, findet Pelli normal, weil wir einerseits in der Schweiz genügend Strom hätten. Für Fulvio Pelli hätte ein solches Programm «einen zu tiefer Eingriff in die Privatsphäre» der Schweizerinnen und Schweizer bedeutet: Ist ihnen von Bundesbern aus zu befehlen, etwas gegen die Verursachung von Umweltbelastung durch die Elektroheizung zu tun und entsprechende Grossinvestitionen zu tätigen, nur weil Experten Vorschläge machten, was gut und was weniger gut sei. Förderprogramme, sei es für Wärmepumpen oder Solarenergie, sind Fulvio Pelli ein Dorn im Auge. «Das ist auch ein Problem zwischen Zielen, Mitteln und Freiheit», sagte dazu der FDP-Präsident. Seine Partei sei skeptisch geworden, gegen die Art, den Konsum eindämmen zu wollen. Es müssten sofort neue Lösungen her, was den Konsum anbelange, wobei die Freiheit des Einzelnen auch respektiert werden müsse.

«Ich glaube, damit sind alle Schweizer einverstanden»
Dass 1 Milliarde Franken zur Förderung von Solarenergie eingesetzt werden sollte, geht Fulvio Pelli gegen den Strich. Früher sei bei solchen Fragen jeweils von 100 Millionen Franken die Rede gewesen, jetzt gehe es plötzlich um eine Milliarde. Den Einwand von Oliver Washington, für die UBS habe die Schweiz ja auch 6 Milliarden Franken ausgegeben, liess Fulvio Pelli so nicht stehen: «Wir haben 6 Milliarden Franken investiert und noch mehr zurück bekommen. Die Schweiz hat hier ein gutes Geschäft gemacht. Ich glaube, damit sind alle Schweizer einverstanden.»

«Gewisse Schuldgefühle» von liberale denkenden Menschen
Der FDP-Präsident hatte gleich zu Beginn des Gesprächs präzisiert, seine Partei habe sich in den letzten Jahren auf klare Positionen rechts der Mitte konzentriert. Doch so klar scheinen diese eben doch nicht zu sein. Haben «gewisse Schuldgefühle» einer ganzen Reihe von freisinnig und liberal denkenden Menschen gegenüber der Umwelt und den Energiefragen der Partei tatsächlich geschadet, wie Fulvio Pelli konstatierte? Vielleicht schaden der Partei vielmehr auch unklar formulierte Aussagen, die mehr Verwirrung denn Erklärung bieten.

Das Interview auf SR DRS anhören >>

Text: Toni Rütti, freier Mitarbeiter von ee-news.ch

1 Kommentare
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Georg Hanselmann Fa. gehasol @ 18. Apr 2011 15:09

Herr Pelli
Was sind Sie für ein Mensch, Atom Lobi hochzuhalten und die Augen verschliessen vor der erneuerbaren Energie, vielleicht sind Sie noch in keinem Verwaltungsrat der Energie Wirtschaft. Suche Sie eines (VR), bevor Ihr Energie-Zug in den Abgrund geht.
Herr Pelli, seien Sie ehrlicher und machen Sie reinen Tisch geben Sie Ihre Fehler zu, Ihre Wähler werden es Ihnen Danken.
Die Banken werde so oder so wieder zuviele Milliarden verdienen auch ohne die FDP.
Ich bin weder Grün, Rot oder ganz Rechts.
Die einzige Partei die das Energie Debakel begriffen haben sind DIE Klugen Bürger aus allen Parteien.
Das heisst nicht sofortiger Ausstieg, aber keine NEUE KERN-REAKTOREN. Keine neuen Steuer auf Energie-Träger, sondern den vielen unnützen Beamten kündigen.
Aber wohin damit ? Na klar als Hilfsarbeiter in den Energie Sektoren, da wird es in den nächsten Jahren viel Arbeit geben.
mit freundlichen Grüssen

Georg Hanselmann

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