28. Feb 2011

Immer grösseren Bildschirmen fressen die Effizienzgewinne durch die neue Bildschirmtechnologie wieder auf, hört man etwa in Fachkreisen. Was plausibel klingt, entspricht aber nicht unbedingt der Realität.

Doppelte Bildfläche – halber Stromverbrauch

(AB) Der Umstieg vom guten alten Röhrenfernseher auf einen effizienteren Flachbildschirm kann den Stromverbrauch halbieren. Trotz verdoppelter Bildfläche.

In über dreissig Prozent der Schweizer Wohnzimmer stehen noch immer Röhrenfernseher. Ihre Jahre sind gezählt, denn die Verkaufszahlen sind in den letzten Jahren eingebrochen. Wurden 2006 noch 75‘000 Röhrenfernseher verkauft, so waren es 2009 gerade noch 3000 Stück. Gleichzeitig haben sich die Verkaufszahlen der LCD- und Plasma-Flachfernseher von 412‘000 auf 722‘000 in der gleichen Zeit praktisch verdoppelt.

Ungebrochen ist auch der Trend zu immer grösseren Bildschirmen. Dies fresse die Effizienzgewinne durch die neue Bildschirmtechnologie wieder auf, hört man etwa in Fachkreisen. Unter dem Strich führe das zu höherem Stromverbrauch. Was plausibel klingt, entspricht aber nicht unbedingt der Realität. Das zeigen zwei fiktive Beispiele:

1255 kWh statt 2000 Kilowattstunden
In Familie Schweizers Wohnzimmer steht seit Jahren ein Röhrenfernseher mit einer Bildschirmdiagonale von 81 Zentimeter. Das Gerät hat im Betrieb eine Leistung von durchschnittlich 135 Watt. Abgeschaltet wird der Fernseher mit der Fernbedienung. Das rote Lämpchen zeigt dann, dass in diesem Standby-Modus noch Strom fliesst (1,8 Watt). Bei täglich vier Stunden Fernsehen und zwanzig Stunden Standby-Betrieb resultiert über eine Betriebsdauer von zehn Jahren ein Stromverbrauch von knapp 2000 Kilowattstunden (kWh) mit Stromkosten von rund 400 Franken. Familie Schweizer entschliesst sich nun - auch auf Drängen der Jungmannschaft, einen Flachfernseher der neusten Generation zu kaufen. Und natürlich nutzt sie die Gelegenheit, mit einem grösseren Gerät etwas Heimkino-Feeling in die gute Stube zu bringen. Die Familie entscheidet sich für einen effizienten LCD-Flachfernseher mit LED-Backlight, den sie dank der Internetsuchhilfe www.topten.ch gefunden hat. Die Bildschirmdiagonale misst 117 Zentimeter. Die Bildschirmfläche ist damit doppelt so gross wie beim alten Röhrenfernseher. Die Leistung des Geräts beträgt im Betrieb durchschnittlich 85 Watt, der Standby liegt bei 0,2 Watt. Über eine Betriebsdauer von zehn Jahren ergibt sich ein Stromverbrauch von 1255 kWh mit Stromkosten von rund 250 Franken. Unter dem Strich halbiert Familie Schweizer ihren Stromverbrauch fast – vorausgesetzt der Röhrenfernseher wird entsorgt und nicht zum Zweit- oder Drittgerät.

Stromfresser Plasma-Fernseher
Familie Zürcher kaufte vor sechs Jahren einen Plasma-Fernseher mit einer Bildschirmdiagonale von 106 Zentimetern. Damals ersetzte er einen energetisch relativ guten Röhrenfernseher mit einer Bildschirmdiagonale von 81 Zentimetern mit einer durchschnittlichen Betriebsleistung von 114 Watt und einem sehr guten Standby-Wert von 0,5 Watt. Über eine Betriebsdauer von zehn Jahren ergab das einen Stromverbrauch von 1700 kWh und Stromkosten von 340 Franken. Der Plasma-Fernseher spielt da in einer ganz anderen Liga: Mit einer Betriebsleistung von 261 Watt und einem tiefen Standby-Wert von 0,3 Watt ergibt sich über zehn Jahre ein Stromverbrauch von gut 3800 kWh – mehr als doppelt so viel wie vorher. Weil Strom sparen mittlerweile in aller Munde ist, fasst sich Familie Zürcher ein Herz und macht sich auf die Suche nach einem effizienteren TV-Gerät. Fündig wird sie auf www.topten.ch. Der LCD-Flachfernseher mit LED-Backlight und einer Bildschirmdiagonale von 152 Zentimetern hat es der Familie besonders angetan. Bei doppelt so grosser Bildschirmfläche verbraucht das Gerät gut 1500 kWh – weniger als die Hälfte des Plasma-Fernsehers. Was Familie Zürcher besonders erstaunt: Der Flachfernseher mit Megabildschirm braucht sogar zehn Prozent weniger Strom als der alte Röhrenfernseher – und das bei einer Bildfläche, die dreieinhalb mal so gross ist.

Digitales Fernsehen ohne zusätzliche Settop-Box
Ein Segen ist für die Familien Schweizer und Zürcher zudem, dass die effizienten LCD/LED-Flachfernseher bereits einen Tuner eingebaut haben, der digitales Fernsehen ohne zusätzliche Settop-Box ermöglicht. Diese Zusatzgeräte verbrauchen im Standby ohne weiteres 10 Watt. Über zehn Betriebsjahre gerechnet, ergibt sich so zum TV-Gerät ein Zusatzverbrauch von über 900 kWh.

Stromverbrauch mehr als halbiert
Damit sieht die Bilanz für die beiden Familien noch besser aus: Statt 2900 kWh mit Röhrenfernseher und zusätzlicher Settop-Box sind es mit dem 117cm-Flachfernseher mit integriertem Tuner bei den Schweizers in zehn Jahren nur 1255 kWh – oder weniger als die Hälfte von vorher. Bei den Zürchers schenkt es noch mehr ein: Der Plasma-Fernseher mit separater Settop-Box brachte es auf gut 4700 kWh – dreimal mehr als der riesige LCD/LED-Flachfernseher mit rund 1550 kWh. Beim Röhrenfernseher mit Settop-Box wären es 2600 kWh oder knapp 70% mehr.


Doppelte Bildfläche – halbierter Stromverbrauch


Diagonale (cm)

Bildfläche

(dm2)1

Betrieb

in Watt

Standby

in Watt

Stromver-brauch (kWh)2

Strom-kosten

(Fr.)2

Röhrenfernseher[1]

(Familie Schweizer)

81

28.2

135

1.8

1971

394

Plasma-Fernseher[2]

(Familie Zürcher)

106

47.6

261

0.3

3832

766

Topten-Bestgeräte

LCD/LED


 





Samsung UE32C4000

81

28.2

45

0.06

661

132

Sharp LC-46LE814E

(Familie Schweizer)

117

58.3

85

0.2

1255

251

Sharp LC-60LE822E

(Familie Zürcher)

152

99.2

105

0.2

1547

309



1 16:9, 2 in zehn Jahren; Berechnungsgrundlagen: Pro Tag 4 Std. Betrieb, 20 Std. Standby, Strompreis 20 Rp. kWh

Die sparsamsten TV-Geräte auf Topten
Am 1. Januar 2011 trat in der EU die Kennzeichnungsverordnung für Fernseher in Kraft. Damit wird für TV-Geräte eine Energieetikette eingeführt, die ab Ende 2011 obligatorisch ist. Die Energieetikette ist auch in der Schweiz bereits Pflicht für grosse Haushaltgeräte wie Kühl-/Gefriergeräte, Waschmaschinen oder Tumbler. Die Energieeffizienzklassen vom grünen A (sparsam) bis zum roten G (verschwenderisch) informieren die Konsumenten über den Stromverbrauch. Die sparsamsten Fernsehgeräte sind mit der Online-Gerätesuchhilfe www.topten.ch einfach zu finden. Hier sind nur TV-Geräte gelistet, welche die Anforderungen der Kennzeichnungsverordnung für die besten Energieeffizienzklassen A und B erfüllen. Aufgrund der technischen Entwicklung zeichnen sich jedoch weitere Effizienzfortschritte ab. Wie bei Kühl- und Gefriergeräten, wo die besten Produkte zur Energieeffizienzklasse A++ gehören, wird es laufend auch mehr Fernsehgeräte geben, die sparsamer sind als es die Kriterien für die Klasse A verlangen. Darum sind bereits Energieeffizienzklassen A+, A++ A+++ definiert. Auf www.topten.ch sind zur Zeit erst vereinzelte A+Fernseher zu finden. Die Produktelisten werden laufend aktualisiert und die Auswahlkriterien dem technischen Fortschritt angepasst.

Autor: Armin Braunwalder, Schweizerische Agentur für Energieeffizienz, www.energieeffizienz.ch. Artikel erstmals erschienen im Haus Magazin

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